Kranksein: Zurück ins Krankenhaus

Ich höre die Uhr ganz laut ticken. Noch ist Samstagabend aber ich weiß, dass der Dienstagabend nur einen Wimpernschlag entfernt ist. Der Abend vor dem Mittwoch. Der Abend an dem es kein zurück mehr gibt.

>> Es ist jetzt genau 165 Tage her, dass ich aus dem Krankenhaus entlassen wurde und alles was ich in diesen 165 Tagen erlebt habe – sämtliche Höhen, Tiefen, Fortschritte und Rückschläge – liefen auf den heutigen Tag hinaus. Heute ist der Tag der Re-Angiografie. Dabei werden die (Blut-)Gefäße z.B. durch ein MRT dargestellt, dh. mein Gehirn wird gecheckt und die Idee finde ich eigentlich ziemlich gut, denn wenn man wie ich noch ein weiteres Aneurysma hat, lebt man einigermaßen ängstlich. Also soll doch mal einer in meinem Kopf nachgucken was da so los ist! Was ich allerdings in der ganzen Zeit nicht wirklich nicht wusste war, wie das genau gemacht wird, aber das wurde mir letzten Donnertstag von einem Arzt (der so wirkte als hätte er ernsthaft Spaß daran diese Untersuchung durchzuführen) in einem Vorgespräch erklärt. Und seitdem will ich da nicht mehr mitmachen!

Zuerst wird ein Schlauch über die Leiste eingebracht und dann durch die Adern bis oben ans Ende der Halswirbelsäule geschoben. Dann wird über diesen „Kanal“ ein Kontrastmittel gespritzt und ich ins cMRT geschoben, um lustige Aufnahmen von meinem Gehirn zu machen. Von dem Kontrastmittel wird einem wohl sehr heiß und manchen Patienten auch Kotzübel, na hurra! Und man darf sich bei dem Schlauch-Draht-Durch-den-Körper-Geschiebe auch nicht bewegen. Meine Frage nach einem beruhigenden Narkosemittelchen hat Mr. Dok einfach verneint. Stattdessen erklärt er mir, dass er bei den Untersuchungen immer Musik hört, weil ihn das entspannt. IHN! Na super! Und ich? Ich will wissen was er denn so hört. „Rockmusik“, sagt er „darfst aber auch gerne deine Lieblingsmusik mitbringen und wir hören die.“ Für Rockmusik bekommt er einen Pluspunkt, aber ich will mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie er mir zu A Day To Remember oder Rise Against einen Schlauch durch meine Adern schiebt. Oh Gott, Oh Gott, Oh du lieber Gott!

Und als ob das alles nicht genug wäre, teilt er mir noch freudestrahlend mit, dass er nach der Untersuchung eine viertel Stunde lang mit der Kraft seines ganzen Körpers auf die punktierte Stelle an meiner Leiste drücken muss, weil ich sonst verbluten könnte. Von den zu erwartenden Bildern mal abgesehen, muss das wohl die spaßigste Untersuchung meines Lebens sein. Ich will nicht, und seit diesem Gespräch quält mich eine nicht enden wollende Angst und jede Menge schlimme Gedanken, die mir partout nicht aus dem Kopf gehen wollen.

Ich weiß nicht ob mir kalt ist, aber mein Körper zittert vor sich hin.
Ich versuche aufzuräumen, unruhig schiebe ich die Dinge hin und her, räume alles aus den Schränken die ich nicht besitze, um es davor liegen zu lassen, zu kraftlos die Dinge zu ordnen. Ich suche jemanden, der mir Mut macht…
Ich drehe unsinnige Mädchenmusik auf, in der Hoffnung davon zumindest ein bisschen bessere Laune zu bekommen. In der Hoffnung nicht daran denken zu müssen. Dann stelle ich fest, dass ich nicht richtig zur Musik rumtanzen kann und mir fällt der ganze Mist wieder ein. Und obwohl sich mir schon beim Gedanken an diese Untersuchung der Magen umdreht, esse ich Pommes mit Mayo und verkrieche mich mit Schokolade im Bett. Wenn ich mich verstecke, mir die Decke über den Kopf ziehe, findet mich vielleicht keiner! Aber hey, es „wird bestimmt nicht soo schlimm…“ <<

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