Macht ihr euch auch manchmal Gedanken wie euer Leben noch so aussehen könnte? Ich mein, das muss ja nicht heißen, dass das eigene, momentane Leben doof ist, aber ab und an denke ich schon darüber nach wie es wäre, weg zu gehen, woanders zu leben, ein völlig anderes Leben zu führen.
Früher habe ich gern gewitzelt, dass ich nach Jahren des Stresses und des ewigen Drucks unter dem wir alle irgendwie leben (gut Aussehen, den perfekten Körper oder den noch perfekteren Job haben, jede Menge Geld und anderes unnützes Zeug besitzen, die allerbesten Freunde haben und eigentlich immer in und bei allem die allerbesten Leistungen bringen) mich irgendwann mit Mitte 40 in den schottischen Highlands verkrieche, drei Schafe hab und Whisky selber braue, dank dem ich dann bis zum Ende meiner Tage ein vom Alkohol geschwängertes und glückliches Leben führe. Und manchmal denke ich: Was, erst mit 40? Ich könnte jetzt schon fort, fern an einen anderen Ort. Heimlich beneide ich Freunde, die recht ungebunden und frei von hier nach da ziehen, zur Zeit im Ausland leben und vielleicht irgendwann nach Berlin zurück kommen, wenn’s ihnen passt. Und wenn nicht dann nicht, woanders ist’s ja auch schön.

Ich bin nicht so. Ich mag feste Strukturen, ich hege 26 lange Jahre heimatliche Liebesgefühle für Berlin, ich hänge (trotz krankheitsbedingter Pause) noch im Studium, das beendet werden will, ich mag meinen Nebenjob, hänge an Freunden, Familie und natürlich einer langjährigen Beziehung. Wieso das alles aufgeben, um irgendwo Schafe zu hüten oder Melonen zu ernten?
Weil es aufregend wäre.
Und weil es vielleicht ein schöneres Leben wäre.
Aber wer weiß das schon?
Und so befinde ich mich in einer fiesen Zwickmühle: Zu gelangweilt für die Eintönigkeit des normalen, alltäglichen Lebens, zu feige für das große Abenteuer.

Wie wäre dein anderes Leben? Welches Leben würdest du führen?
In meinem anderen Leben würde ich wohl irgendwo in Großbritannien leben, vorzugsweise in Brighton. Brighton liegt am Meer, hat nur etwa 155.000 Einwohner und ist in meinen Augen einfach „so wunderbar britisch“. Für mich hat es die perfekte Heile-Welt-Kulisse. Ich würde gefühlt jeden Tag im Kensingtons frühstücken (ich kenne kein besseres englisches veggie Breakfast für 5 Pfund inkl. kleiner Dachterasse) tagsüber am Pier Softeis und Donuts verkaufen, Abends in einer Bar Cider zapfen oder in einem Hippen Vintage-Klamottenladen arbeiten, um mir die überteure Miete für meine viel zu kleine, brüchige Bude, in der die Klospülung nicht richtig funktioniert, leisten zu können. Und in den Mittagspausen würde ich zum Pier rennen und dort eine Runde Karussel fahren. Die Sonne würde immer scheinen, Menschen und Möven wären immer fröhlich und die ganze Welt bestünde aus Zuckerwatte, klar.

vickie-brighton-2009
Ich weiß das es wohl nicht so wäre.
Aber wer weiß das schon.
Als ich vor vielen Jahren überlegte, dort zu studieren wurde mir nahegelegt, dass Brightoner Studenten nie das Meer sehen, weil ihr Leben einfach zu vollgepackt mit Studienkram oder Geld verdienen ist. Die Armen! Klingt fast nach den ähnlich gleich-schnöden Gewohnheiten wie hier in Berlin.
Dann wäre ich vielleicht doch lieber ein tiefenentspanntes Surfergirl, das an den Küsten dieser Welt rumplanscht oder eine Amazone im Amazonas, die bedrohte Tier-und Pflanzenarten schützt. Ich habe so einige Vorstellungen, wie mein Leben noch so aussehen könnte und ich weiß, dass die Realität so gut wie nie mit meinen blumigen Fantasien übereinstimmt, aber ich bin mir sicher, dass ich es nur erfahren werde, wenn ich es ausprobiere.

Ich müsste nur mutig sein…

brighton-pics

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2 Kommentare zu „Die Sehnsucht nach einem anderen Leben

  1. Es ist schön Träume und Fantasien zu haben. Träume und Sehnsüchte halten mich wach und lassen mich auch mal zur Ruhe kommen. Wenn ich mich weg Träume, ist das ganz schön aber zu Hause ist mein sicherer Hafen. Wo auch immer ich hin fahre ich liebe Berlin.

  2. Ich hab mir nur voll oft gedacht, dass ich gerne woanders geboren worden wäre. Nicht in Deutschland, bzw. Österreich. Sondern in England oder Finnland. Oder sonstwo. Ich denke immer, dann hätte ich mich vielleicht ganz anders entwickelt. Irgendwie „besser“. Wobei ich mittlerweile mit meinem jetztigen Leben eigentlich supermegaglücklich bin ❤ Aber früher hab ich immer andere beneidet. Die perfekten Mädchen, mit reichen Eltern und sonstwas. Blöd einfach. 😉

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