Gestern Abend habe ich faul auf dem Sofa rumgelümmelt und meine kostbare Freizeit der Flimmerkiste gewidmet. Fernsehen bildet ja bekanntlich nicht alles und jeden, doch jetzt kommt der ehm nicht-unbedingt-für-Bildungsfernsehen-bekannte Sender RTL einer super Sache nach und fordert sein Publikum dazu auf, nicht nur zu gucken wie Bauern ihre Traumfrau suchen, sondern selbst aktiv zu werden und sich einen Organspendeausweis zuzulegen. Einigermaßen informativ und locker wurde dem Publikum gestern Abend schon mal in „Extra“ erklärt, dass in Deutschland jede Menge lebensrettende Organe benötigt werden und dass das Verhältnis zwischen Spendern und Empfängern äußerst unausgewogen ist. Tatsächlich.
Wer das noch nicht verstanden hat, darf auch gern alles auf der RTL-Homepage nachlesen wo auch die wichtigsten Fragen wie „Werde ich finanziell entschädigt?“ geklärt werden und der gewillte Zuschauer sich seinen Organspende-Ausweis sogar gleich downloaden und ausdrucken kann. Ganz ungezwungen kommt der Fernsehjournalist und Alles-Ausprobierer Jenke von Wilmsdorff daher und macht sich extra für das Thema Organspende sogar sinn-und vorbildlich „zum Affen“ und erledigt in irgendeinem neuen Sendeformat Dinge, die er sonst nicht tun würde. Was auch immer das „sich zum Affen machen“ mit der Spende von Organen zutun hat. Es scheint ein wenig als wäre die Rechnung von RTL: Selbstinszenierung + Charity = tolle Zuschauerquote. Nun gut, wollen wir mal nicht so streng sein, schließlich geht es hier um eine wirklich gute Sache!

Denn auf das Thema Organspende wird immer wieder mal aufmerksam gemacht, doch so schnell es auch irgendwo auftaucht, so schnell ist es in vielen Köpfen auch wieder vergessen. Ich war da vor einiger Zeit nicht anders. Ich hätte meine Organe zwar gespendet, aber niemand hätte davon gewusst, wenn durch das geplatzte Aneurysma jemand meinen Hirntod diagnostiziert hätte. Denn der Organspende-Ausweis, den mir meine Krankenkasse einst zuschickte, fristete zuhause sein unausgefülltes Dasein in irgendeiner Schublade. Doch nach der Zeit im künstlichen Koma war mir ganz klar, dass ich meine Entscheidung mit mir selbst ja eh schon längst getroffen hatte und ich sie nur ‚öffentlich‘ machen musste. Ich kramte meinen Organspende-Ausweis raus und machte meine Angaben. Damit beim nächsten Mal jemand Bescheid weiß. Jeder kann in so eine Situation kommen. Und auch jeder kann in die Situation kommen, in der man vielleicht mal ein Organ benötigt. Und dann wollt ihr bestimmt auch eins haben. Überlegt euch also gut was ihr wollt.
organspendeausweis-meinsIch bin Organspenderin, denn ich würde mich freuen, wenn ich im für mich schlimmsten Fall zumindest einem anderen Menschen das Weiterleben ermöglichen kann oder zumindest eines meiner Organe noch ein brauchbares Weiter-Dasein führen kann. Wir leben heute ja eh in einer Welt in der man alles weitergibt oder teilt; Autos, Kleidung, Lebensmittel. Sharing is Caring. Warum also auch nicht bei Organen?
organspendeausweisMit meiner Omi diskutierte ich vor einigen Monaten am Frühstückstisch über das Thema. Sie hat Angst, dass ihr wehgetan wird, wenn ihr Organe entnommen werden und überhaupt, wer sollte ihre alten ollen Organe noch haben wollen, wundert sie sich. Omi, wenn du Hirntot bist, ist die Zentrale aus, da merkste nix mehr, entgegne ich. Das weißt du doch überhaupt nicht, keiner weiß was man nach dem Tod noch merkt, weiß Omi besser. Okay, Omi lässt sich also nicht mehr überzeugen, ich hab’s verstanden. Und in dem Moment wird mir auch klar, dass man niemanden von der Organspende überzeugen kann oder sollte! Es ist eine Entscheidung, die jeder für sich treffen kann. Und egal wie sie ausfällt, wichtig ist es überhaupt eine Entscheidung getroffen zu haben. Ihr dürft sie ändern so oft ihr wollt. Aber bitte legt euch einen Organspende-Ausweis zu und kreuzt etwas an! Ihr wisst ja, bei RTL.de gibt’s den jetzt sogar zum Ausdrucken.

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