Sonntagnacht. Vom Neunten auf den Zehnten Februar.
9 Monate später. Sonntagnacht. Vom Neunten auf den Zehnten November.

Ich beschließe heute nicht zu schlafen.
Und ignoriere das leichte Stechen über meiner rechten Schläfe; ich versuche zu vergessen, dass da noch was ist.
Noch so ein Aneurysma.
Genau genommen ja zwei.
Aneurysmata.
Mein Neurologe sagt das gern, ich glaube er findet das Wort schön.
Ich eher weniger.
Dafür finde ich meinen Neurologen schön. Der sagt immer so kluge Sachen.
Aber gut, so lange die beiden da oben keinen Ärger machen, kann ich mich mit vielleicht ihnen anfreunden.
Und mit dem Gedanken so etwas wie eine tickende Zeitbombe zu sein. Tick, Tick.
So in der Art. Niemand von uns wird jemals wissen wann es soweit ist.
Und bis dahin sollten du und ich jeden einzelnen Tag in seiner absoluten Vollkommenheit und mit voller Freude leben.
Vielleicht ist das die Lehre aus all dem.

Ich glaube ich bin gerade in einer schwierigen Phase. Mein Kopf ist voll, voll mit lauter wirren Gedanken: Leben. Sterben. Sinnlosigkeit des Seins. Angst. Konsum. Verschwendung. Nachhaltigkeit. Gegenpole. Geld. Leid. Erde. Welt entdecken. Weltall. Sinnlosigkeit des Seins. Verloren sein. Hedonismus? Selbstfindung. Sehnsucht. Mitmenschen. Planänderungen. Ewigkeiten und Endlichkeiten.
Ich denke so viel, dass ich mich frage ob mein Gehirn an einer Art Überaktivität leidet. Ob es so was gibt? Passiert das in anderen Gehirnen auch, so ein Gedankengemetzel? Ich will es doch hoffen! So langsam verstehe ich die Neurologen, die Gehirnforscher; ist schon spannend so ein Gehirn. Ich frage mich oft, wie es sich mit einem anderen Gehirn lebt. Wie es wäre, die Gedanken und Empfindungen anderer zu spüren, den Blick auf die Welt aus einer völlig neuen Sicht zu erfahren. Und manchmal frage ich mich, wie es wäre nicht zu denken und stattdessen einfach nur zu machen. Vielleicht lese ich momentan zu viel, vielleicht habe ich zu viel Zeit – aber ich bin verwundert über was alles ich mir mittlerweile den Kopf zerbreche. Gibt es eigentlich Selbsthilfegruppen für Intensiv-Grübeler? Und über was denkt man dort nach?

nothing-but-letters-to

Ich hab mich immer an etwas anderem sterben sehen, jedenfalls nicht an einer neurologischen Erkrankung. Aber Moment, ich lebe ja noch! Aber trotzdem fühle ich mich nicht unbesiegbar, nicht unsterblich. Nö. Obwohl ich vielleicht das Recht dazu hätte. Superhelden-Vickie. Kann mir bitte jemand einen rosa Umhang nähen? Eher mache ich mir Gedanken, was es zu bedeuten hat, dass ich noch da bin. Habe ich jetzt eine wichtige Aufgabe zu erfüllen? Eine Mission? Wenn ja, Welche?

Sonntagnacht. Vom Neunten auf den Zehnten Februar.
9 Monate später. Sonntagnacht. Vom Neunten auf den Zehnten November.
In neun Monaten kann ein völlig neues Leben entstehen, ein weiterer Mensch auf dieser Welt.
In neun Monaten kann ein völlig neues Leben entstehen, auch für mich.

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2 Kommentare zu „Tausend Gedanken, aber kein Text.

  1. ❤ ich kann dich natürlich nur bedingt verstehen. Den Teil mit dem zu viel denken verstehe ich. Beim anderen Teil versuche ich so gut es geht, das, was du fühlst, nachzuvollziehen.

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