riseagainstlyrics2 Und heute ist ein guter Tag, um zu einem Rise Against Konzert zu gehen! YAAY!

Manchmal erwecke ich mir selbst gegenüber den Eindruck nicht ganz dicht zu sein, ich mein, was will ich eigentlich mit meinem bewegungs- und tanzunfähigen Fuß bei einem Punkrockkonzert? Das ist nun das zweite Konzert das ich nach dem künstlichen Koma besuche und anders als bei Sean Paul (mein 15-jähriges Reggae-Ich konnte sich das eben nicht entgehen lassen!) wo ich noch auf dem Podest für körperlich beeinträchtigte Personen Platz nehmen musste (was in jedem Falle eine sehr krasse, prägende Erfahrung war), darf ich heute im Innenraum rumtoben. Nichts in der Welt hätte mich bei Rise Against zu einem Sitzplatz-Ticket bewegt! Ich werd ja selbst sehen ob ich das lange rumstehen verkrafte, schließlich sind Pennywise und Emily’s Army ja auch noch zu Gast, aber der Faktor „Lieblingsband“ sorgt für jede Menge Optimismus.
riseagainstlyrics8

Vor lauter Vorfreude sinnierte ich in den letzten Tagen über frühere Konzertbesuche. Die ich mit zwei gesunden Füßen besucht habe. Da kann man schließlich einiges anstellen, ha! Neben ein paar Blackouts (Wo war ich eigentlich überall? Ich wusste gar nicht mehr, dass ich am 1. Juli 2010 ALEXISONFIRE im alten Magnet gesehen hab!? Liebe Person X, die mit mir da war – wenn du das liest, hilf meinem Gedächtnis bezüglich dieses Abends bitte mal auf die Sprünge!) kamen da natürlich so einige schöne Erinnerungen hoch. Aber auch eine gehörige Portion Antipathie gegenüber einer bestimmten Sorte Konzertbesucher, auf die ich jetzt schon keine Lust hab wenn ich sie heut Abend sehe (Ein bisschen Pöbeln vorab sollte drin sein, ist schließlich ein Punkrock-Konzert!): Nichts regt mich bei konzertbesuchenden Mitmenschen mehr auf, als diese exzessiven Handy-in-die-Luft-halter! Argh! Leute, wie wäre es einfach mal damit, den Moment zu erleben und genießen!?!! Wenn ich nur leuchtende Bildschirme vor mir sehe, bekomme ich einen wirklich fiesen, abartigen inneren Groll.
Seit der großen Beliebtheit von Digitalkameras und – noch schlimmer – Smartphones, habe ich das Gefühl, dass einige Menschen Konzerte nur noch durch den Bildschirm ihrer technischen Kleingeräte erleben. Was zur Hölle soll der Scheiß? Ihr verschwendet diese einmalige, kostbare Zeit für ein paar unscharfe Fotos, auf denen man eh so gut wie nix erkennt oder für ein paar Videosequenzen mit unfassbar schlechtem Sound. Als ob YouTube sich über all den unnötigen Datenkram freuen würde. Nein, ich sehe keine Berechtigung in solchen unsinnigen Aufnahmen. Ich mein, mit ein paar wackeligen Fotos kann ich mich ja anfreunden, das kann gegebenenfalls der eigenen Erinnerung auf die Sprünge helfen (siehe ich, ein paar Zeilen weiter oben) – aber das ganze Konzert über das Handy hochhalten? Muss das sein? Wofür gibt es denn extra Konzertfotografen und schnöde DVDs? Kriegt man von der Handy-Halterei nicht lahme Arme? Wenn ich früher von einem Konzert kam, hatte ich vielleicht ein paar blaue Flecken und kaputt getanzte Beine, aber nie im Leben wäre mir ein „Mir tun die Arme weh, ich war gestern bei einem Konzert“ über die Lippen gekommen. Fuck the world. Also wirklich.riseagainstlyrics5

Von den besten Konzerten auf denen ich war, gibt es (so gut wie) keine Fotos. Wozu auch? Wir hatten da andere Dinge zu tun: Wildes mit den Armen rumfuchteln, Tanzen, in der Mädchenecke romantische Lieder laut und schief mitsingen, sich mit anderen Konzertbesuchern rum schubsen oder das Konzert schlichtweg verpassen, weil man an heißen Spät-Junitagen lieber trinkend im Außenbereich der Konzertlokalität abhängt als in vollgestopften Innenräumen rum zuspringen, wo der Schweiß schon von der Decke tropft.
Mit dem Schweiß ist das eh so eine Sache, aber noch schlimmer sind schwitzende Menschen, die sich dann während des Konzertes ihrer Kleidung entledigen. Und das sind nie die Typen, bei denen Frau es sich vielleicht wünscht. Nie! Ich denke da an ein Konzert, zu dem ich nur meiner besten Freundin zuliebe hingegangen bin; Franz Ferdinand. Obwohl ich dort eigentlich nicht hin wollte, zählt es bis heute zu einem der besten Konzerte auf denen ich je war, weil wir einfach irre viel Spaß hatten, auch wenn wir uns dort mit einem aggressiven, rothaarigen Nackedei geprügelt haben. Wir mussten uns auf Konzerten eh schon immer mit anderen Quälgeistern rumschlagen. Ich weiß ja auch nicht wieso häufig alle anderen Konzertbesucher meinten, zwei so süße Mädchen wie uns ärgern zu können. (Nichts da, nicht mit uns!)  Auffällig oft wollten uns Fanshirt-tragende Tocotronic-Jünger fertig machen, die waren immer und überall und haben sich nie, NIE!, benommen. Die hauen auch Mädchen. Ich kenne zwar die Musik von Tocotronic nicht, aber wer solche Kack-Fans hat, kann gar keine gute Band(?) sein, tut mir leid Tocotronic.
Bei Panic! At The Disco waren wir dann mal glücklich am Singen und Springen, weil uns niemand angreifen wollte, da wurden wir von einer Horde Mütter, die ihre Kids zum Konzert begleiteten, angemeckert, dass wir zu „wild“ seien und uns bitte benehmen mögen. Schande über uns! Ein lustiger Moment, mindestens genauso amüsant wie der, als mir beim Hurricane Festival mal ein Piercing rausfiel, welches ich beim Tanzen im Schlamm tatsächlich wiedergefunden habe und mir allen Ernstes und unter Einfluss von Alkohol wieder reinstecken wollte. Hach, diese wunderbare dumme, jugendliche Naivität. 2012 waren wir dann wieder beim Hurricane, dort hab ich Rise Against auch zuletzt gesehen und ich weiß noch zu gut wie wir da auf dem Acker rumgerannt sind, mit einem Plastikbecher voll Sekt und vielen fröhlichen Gefühlen.
riseagainstlyrics

Konzerte sind immer ein Erlebnis, bei mir eine Kombination aus verschwommenen Erinnerungen und deutlichen Gefühlen, die meiner Meinung nach nicht so entstehen würden, wenn ich da nur rumstehen und mein Handy hochhalten würde. Jedes Konzert ist einzigartig und die gemeinsam erlebten Kurzgeschichten verbinden mich für immer mit meinen jeweiligen Konzertbegleitungen. Und das ist einfach viel mehr wert als irgendein doofes Handyfoto!

Advertisements

3 Kommentare zu „As seen on screen you have seen probably nothing.

    1. Hach, Danke! Ich habe mich schon wie ein meckriges Biest gefühlt! Aber sowas regt mich eben furchtbar auf! Dennoch hatte ich einen schönen Abend, es waren auch gar nich sooo viele Handyfotofreaks da haha (mit steigender Konzertbesucherzahl relativiert sich die Zahl der Handyhochhalter ^^) und in erster Linie bin ich einfach nur Überglücklich, dass mein Körper das Ganze ohne große Beschwerden mitgemacht hat, Hurraa! 🙂

      1. Ne, wenn man in nem alter ist, wo man seit >10 jahren auf Konzerte geht, kennt man eben den Unterschied. Musst dich nicht als meckriges Biest fühlen. 😉 Das ist schön, das ist eh das wichtigste! 🙂

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s