Anfang 2014.
Vor etwa einem Jahr zählte ich mich zu den glücklichsten Mädchen dieser Stadt: Der New-York Trip gebucht, der Uni-Abschluss in Sicht und ich war so stolz auf meinen Freund, seine mega coole Bachelor-Arbeit und davon entzückt wie süß unsere Familien miteinander umgingen.
Ich kann mich nicht genau erinnern, aber einen Moment lang überlegte ich was dieses Glück zerstören könnte – und mir fiel nichts ein. Mir fiel einfach nichts ein.

Hätte mir vor genau einem Jahr jemand gesagt, was in den kommenden 365 Tagen passieren würde, ich hätte es nicht geglaubt. Wie auch?
Hätte mir jemand gesagt, dass ich erst fast mein eigenes Leben und dann auch noch meinen Papa verlieren würde – ich hätte geschimpft und es natürlich nicht geglaubt. Davon hätte ich gar nichts wissen wollen, ich hatte schließlich ganz andere Pläne. Ein Jahr später plane ich nichts mehr.

31.01.2015 
Der Tag, an dem die lieb gewonnenen Uni-Girls und ich unseren Abschluss feiern wollen. Mit Freunden und Familien. Die Girls feiern (hoffentlich), ich fühl mich wie ein trauriger Klops und wäre einfach völlig fehl am Platz. Auch ich sollte meinen Abschluss feiern.
Doch stattdessen soll ich auf hoher See stehen und meinen Vater der Natur übergeben, die uns alle geschaffen hat. In meinem Kopf ein übergroßes Fragezeichen. Es versteht die Realität nicht.
Es stürmt, die Wellen schlagen hoch. Das Bestattungsboot wird nicht hinaus fahren.
Das alles ist skurril. So absurd, dass ich immer wieder überlege, ob ich nicht doch noch im Koma liege und vielleicht wieder nur etwas Verrücktes träume.

Irgendwann dazwischen
Inmitten all dieser Nächte bin ich wach und starre in das Dunkel um mich herum. Ich frage mich was ich hier überhaupt mache.
Tag für Tag erinnert mich die Narbe meines Luftröhrenschnitts daran, was passiert ist. Und ich frage mich, warum ich überhaupt noch hier bin. Was das alles soll.
‚Wer viel Leid erfährt kann auch daran wachsen‘ sagt einer von diesen vielen klugen Sätzen und Sprüchen, die vielleicht nur helfen und Trost spenden wollen. Ich wachse und wachse und werde dabei nicht größer.
_1NAMWir fahren also raus, raus aus dieser Stadt, ans Meer. So weit ist es gar nicht. Wir kämpfen uns durch die Dunkelheit, durch einen Schneesturm, schleichen mit 60 Stundenkilometern über die ungeräumte Autobahn. Im Radio läuft A Day To Remember und ich hänge an den Erinnerungen von früher. Vermisse die Leichtigkeit der Zeit, als wir mit 18 einfach draußen am Strand geschlafen haben. Heute schlafen wir in einem Hotel und essen vornehm. Die Zeiten ändern sich, doch ich bin jemand, der das gar nicht will. In der Dunkelheit sind Sand und Meer und Himmel eins.
_2NAMDer nächste Tag findet nicht statt. Nichts ist so wie es sein sollte, nicht einmal jetzt. Die Möven wiegen sich im Wind. Wellen treiben uns, wie das Leben, immer wieder in eine andere Richtung und wir schaukeln hin und her, wackelig wie Papierboote im Wasser. Drohen abzutreiben, weit weg von dem, was eigentlich ist. Doch vielleicht bringt es uns auf neue Wege, Wege die uns wieder zueinander führen.
_3_IMG_4624_4_IMG_4623Dein Sein hinterlässt Spuren, die das Meer verwischt. Doch bleibt dort wo du gingst, ein Teil von dir zurück.
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Der Heimweg führt uns durch eine Puderzucker-Welt, so friedlich und rein als wäre nie etwas gewesen. Draußen rauscht die Friedlichkeit vorbei und singt There is a light, that never goes out. Ein Licht das immer bei uns ist; das der Liebe.
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