Vielleicht lebe ich in meiner eigenen Welt, doch häufig beschleicht mich das Gefühl, dass heutzutage immer mehr Menschen „etwas mit Mode“ machen wollen oder sich zumindest das modische Interesse unserer Gesellschaft stark gesteigert hat. Eigentlich toll, denn gerade den Deutschen wird ja gerne mal eine unergründliche Vorliebe zu Socken in Sandalen und generell fehlender Stil nachgesagt. Fashion Weeks, Blogs und Shopping Queen haben sicherlich ihren Teil dazu beigetragen, dass es der Mehrheit aber längst nicht mehr egal ist was sie anzieht. Gut aussehen ist eben angesagt!

Doch was dabei gerne mal vergessen wird ist, sind die Umstände unter denen der Großteil der von uns getragenen Kleidung produziert wird. Denn auch in Sachen Mode handelt es sich letztlich einfach nur um einen riesigen Industriezweig. Ich würde sogar soweit gehen zu sagen, dass sich die Textilindustrie gewissermaßen nicht großartig von anderen Industrien, wie zum Beispiel der Lebensmittelindustrie, unterscheidet. Und während der Veganismus verstärkt um sich greift, weil die Gesellschaft so langsam endlich mal begreift, dass in den ‚Fleisch-Produktionsstätten‘ furchtbare Zustände herrschen und dass nicht nur die Tiere, sondern auch die Umwelt gequält werden, herrscht in Punkto Kleidung noch jede Menge Aufklärungsbedarf.

Dennoch sehe ich es an dieser Stelle nicht als meine Aufgabe euch jetzt die Welt zu erklären. Die Bedingungen in der Kleidungsproduktion sind miserabel! Ich denke, seit dem ein oder anderen Skandal weiß das auch ‚jeder‘. Doch es ist meist ähnlich wie beim Fleischkonsum; Die Fabriken sind weit weg, die Vorstellungen über die Zustände dort wage und so lässt sich die Wahrheit schnell vergessen/verdrängen.
Sagen wir es so: In den Textilfabriken herrschen Bedingungen, zu denen wir Konsumköniginnen hierzulande nie arbeiten würden! Schichten von mehr als zehn Stunden, Schlaf- oder sogar Gähn-Verbot, Gewalt, Druck, fehlende Sicherheitsvorkehrungen, keine oder zu wenig Bezahlung, Kinderarbeit.

Über Produktionsbedingungen in der Textilbranche finden sich jede Menge Beiträge im Internet, ihr müsst nur mal euren Freund Google fragen! Ansonsten lege ich jedem dem Film China Blue ans Herz, hier mit hübschen schwedischen Untertiteln, ich denke aber, dass die Bilder für sich sprechen. Außerdem finde ich, dass das Leben der Menschen in den Dritte-Welt-Ländern uns genauso viel Wert sein sollte, wie das Leben der Tiere, die wir nicht durch unser engstirniges Konsumverhalten quälen wollen! (Nur falls jetzt jemand mit dem „Die-Menschen-müssen-den-Job-ja-nicht-machen-Argument kommen will).
Soweit so gut – Grundlage für meinen Beitrag sind Beiträge von anderen Bloggern, die sich ebenfalls vermehrt mit Fair Fashion auseinander setzen. Denn ich freue mich, dass das Thema (ähnlich wie der Veganismus in der Ernährung) immer stärker wahrgenommen, diskutiert und verbreitet wird!

https://s3.amazonaws.com/blog.oxfamamerica.org/politicsofpoverty/2012/09/cotton-field.jpg

Ich will jetzt nicht predigen, dass jetzt alle nur noch fair produzierte Kleidung tragen sollen, das ist ja eher ein „Prozess“ und gar nicht von heut auf gleich umsetzbar – trotzdem hier mal von mir ein paar Ideen & Denkanstöße zur Verbesserung eures Konsumverhaltens, mit Schwerpunkt auf Mode (lässt sich teilw. aber auch auf andere Konsumgüter anwenden):

1. Sich darüber klar werden, dass Kleidung nunmal Geld kostet:

Schon mal überlegt, dass ein Kleidungsstück einen langen Weg hinter sich hat, bevor es bei dir Zuhause einzieht? Da wäre die Baumwolle, die wächst auf dem Feld. Das Feld will bewirtschaftet werden, die Baumwollfarmer müssen zudem auch von etwas leben. Dann werden aus der Baumwolle Garne gesponnen. Und aus einzelnen Fäden muss erst einmal eine textile Fläche entstehen, aus der wiederum einzelne Teile ausgeschnitten werden, bevor diese zusammengenäht werden. Damit das Ganze auch noch nach Etwas aussieht, muss sich jemand Gedanken über das Design gemacht haben. Stoffe werden vor dem Zuschnitt gefärbt. Meist mit katastrophalen Auswirkungen auf die Umwelt. Und wenn das Kleidungsstück fertig genäht & gebügelt ist wird es in der Qualitätskontrolle überprüft. Dann wird es sortiert. Verpackt. Verschickt (Meist einmal um die halbe Welt). Verkauft.
Hinter jedem einzelnen Schritt steckt Arbeit. Arbeit, die von Menschen gemacht wird. Und auch die müssen (oder besser: Sollten!) bezahlt werden!
Dafür müssen wir generell wieder bereit sein für Kleidung mehr zu zahlen. Ich weiß aus eigener Erfahrung bestens, dass das schwer ist, weil das Geld bei den wenigsten von uns so locker sitzt – aber wenn eine Hose 10 Euro kostet, müsste doch klar sein, dass da etwas nicht stimmen kann!

2. Das Gleichgewicht halten:

Klar ist es cool so stark zu sein, dass man ab sofort voll und ganz auf „unfaire“ Kleidung verzichten kann, aber nicht jeder kann das und was nützt es den Menschen irgendwann frustriert vor lauter selbst-auferlegten Verboten zu sein? Na? Genau: Gar nichts!
Deswegen: Wenn H&M, Zara & Co. mal wieder mit etwas locken, von dem ihr meint es unbedingt haben zu wollen, kauft euch auch mal was. Ein Teil. Und passt gut darauf auf, schätzt es, mögt es, tragt es. Mag sich für den ein oder anderen vielleicht inkonsequent anhören (so bin ich nunmal) aber ich finde, man darf das machen. Aber bitte nicht täglich!
Ich habe sogar was vom „Feind“, von Primark, einen Mantel, der ist 5 Jahre alt geworden und hängt immer noch in meinem Kleiderschrank ab. Ich trage ihn mittlerweile zwar auch nicht mehr, aber Primark ist eine tolle Überleitung zum nächsten Punkt:

3. Schluss mit Masse!

Es ist nichtmal so, dass ich Primark total verachte – eher sind es die Menschen, die sich dort gedankenlos mit 6 großen Einkaufstüten beladen und selbiges zwei Wochen später wieder tun. Was da anfällt. Was will der Mensch mit all dem Scheiß? Allein der Gedanke an den Textilen Müll – da schaudert es mir zutiefst!

Schon mal darüber nachgedacht, was man eigentlich wirklich braucht? Wie viele Sachen man überhaupt anzieht und dann auch noch regelmäßig? Schon mal darüber nachgedacht, woher das Verlangen kommt ständig irgendetwas Neues zu wollen? Dahinter steckt – und jetzt bitte einen Trommelwirbel dafür, dass ich dieses mysteriöse Geheimnis lüfte – eine ganze Industrie: Die Werbung. Heutzutage extrem ausgeklügeltes Marketing, das nur ein Ziel hat: Dich zum Konsum zu animieren. Und das geht natürlich weit über Mode hinaus.
Den Wegen und Mitteln sind dabei keine Grenzen gesetzt: Von klassischen Werbungen in TV, Radio oder Print über Blogs und Google-Optimierten Werbungen im Internet bis hin zu gaaanz unauffälligen Product-Placements in Sendungen wie Germanys Next Topmodel & Co. Verkaufen ist das Ziel. Vermeintliche „Bedürfnisse“ zu wecken der Weg dorthin.

Ich selbst behaupte auch nur zu gern gegen all das resistent zu sein – aber nix da! Ehe man sich’s versieht, hat sich ein Produkt ins Unterbewusstsein geschlichen und man meint irgendwas zu brauchen, was man sonst nie gewollt hat. Aber Schluss damit! Stattdessen empfehle ich, einfach mal gründlich überlegen: Was brauche ich wirklich? Was kann ein Produkt, ist es für mich geeignet, hat es Potential sich für länger als 1x Nutzen in meinem Leben zu bewähren? Sollte ich nicht erstmal die 50 Nagellacke leer machen, die Zuhause rumstehen? So ist es auch mit Kleidungsstücken: Wenn ihr gerne T-Shirts tragt ist das toll, aber bedenkt, dass ihr im Durchschnitt eigentlich nicht zwangsläufig mehr als 7 Stück pro Woche braucht!

4. Macht eine Kleiderschrank-Inventur:

Guckt mal in all eure Schränke und Schubladen, kramt alles raus, checkt mal eure Klamotten. Dabei könnt ihr Altes neu entdecken und Ungewolltes verkaufen, spenden oder verschenken (so kann man zum Beispiel auch mal die Freundin glücklich machen). Es hilft nicht nur sich vor Augen zu führen was man alles hat, sondern auch das altbekannte ‚Ausmisten‘ kann sehr befreiend sein!

Und wenn ihr dann ausgemistet habt und etwas Neues nachkaufen wollt/könnt, guckt doch vorher erstmal was die Fair Fashion Modelabels anbieten. Ist zum Teil individueller als der Zara-Einheitslook!

5. Bleibt kritisch! Immer!

Mir wollte mal ein Dozent weiß machen, dass sich in einer Fabrik in Bangladesch die Zustände gebessert hätten, nachdem dort in eine Strickmaschine investiert wurde. Dass die Arbeiter/innen immer noch 14 Stunden und mehr für ihren Hungerlohn arbeiten mussten, ließ man dabei aber ganz elegant unter den Tisch fallen. Frechheit! Also: Informiert euch, fragt nach, denkt nach! Und seid dabei aufgeschlossen für Neues. Faire Mode – das ist heut längst nicht mehr Tante Lottchens Strickpulli in Öko-Optik!

Das Bereichern auf Kosten Anderer sollte irgendwann mal ein Ende finden & es ist nun mal so: Die Nachfrage bestimmt das Angebot! Und wir Konsumenten sind mächtiger als wir oft denken. Es ist ein schwieriges Thema über das man viel diskutieren kann & auch ich bin bezüglich des Kleiderkaufs kein Unschuldsengel. Doch viele Gründe sprechen für fair produzierte Mode, also überdenkt doch häufiger mal eure Kaufentscheidungen.

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Ein Kommentar zu „Die Sache mit der fairen Mode

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