Mit 16 schnappte ich mir mein Skateboard, schlich mich aus dem Haus und besuchte mit ein paar vermeintlichen Freunden zum ersten Mal in meinem Leben das MyFest in Kreuzberg.
1-mai-1-1Mein Papa hatte mir jahrelang verboten, mich am ersten Mai in der Stadt, insbesondere im ach-so-bösen Kreuzberg, rum zu treiben. Krawall und RemmiDemmi. Das war es früher. Und das ist es was auch heute noch viele denken, geblendet durch Medien, die gerne mal aus Geschichten ihre eigenen ‚Wahrheiten‘ basteln.

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Doch mein 16-jähriges Ich landete in einer Welt, die besser hätte kaum sein können: Umsonst&Draußen, Musik an jeder Ecke, Menschen über Menschen, alle fröhlich am Tanzen unter freiem Himmel, alle gut drauf. Alle Happy über dieses Straßenfest, über ihr MyFest am 1. Mai.
Der 1. Mai wurde zu einem festen Bestandteil meines Lebens; Zu meinem Liebsten Tag des Jahres.

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Noch besser als Weihnachten. Oder Geburtstag. 1. Mai war Freiheit. Der Sommer zum Greifen nah, Freisein und betrunken am hellichten Tag. Sich Verlieren und Finden in der großen Masse der großen Stadt. Lernen, dass man manchmal Geld braucht, häufig nicht. Gleiches mit dem Alkohol.

Der 1. Mai war Schaukeln und Seifenblasen pusten im Görli, Drängelei in Menschenmengen, leckeres, traditionelles Essen von türkischen Muttis, sich von Allem erholen auf der Wiese vor dem Bethanien (Vor allem wenn die Nacht vorher schon zu feierfreudig ausfiel). Tanzen in der untergehenden Sonne an der Coretex-Bühne.
Der 1. Mai lehrte mich, wie man sich verhält, wenn man ungewollt in eine Demonstration gerät. Wie sich brenzlige Situationen meistern lassen. Dass manche Polizisten auch nur Arschlöcher sind. Viele aber auch nur Menschen, die vielleicht lieber mitfeiern würden. Und dass wir unsere Steine doch lieber in den Pflastern der Straßen stecken lassen.
1-mai-61-mai-31-mai-41-mai-müllIm Laufe der Jahre hat sich das MyFest verändert. Vielleicht bin ich nach 10 Jahren einfach nur Älter geworden, vielleicht ist der 1. Mai zu Mainstream geworden.

Die Menschen sind immer mehr geworden. Und nicht unbedingt freundlicher. Der Müll ist mehr geworden. Bildbeiträge fluten das Internet. Jeder, der vor ein paar Jahren noch Ängstlich zu Hause hockte, postet jetzt ein Selfie vor Menschenmassen. Gerne von der Fotoleiter aus. Bester Beitrag dazu: „Memo an mich selbst, 1. Mai ist kein fancy Festival #nofestivalstyleinxberg #thisisnotcoachella #ootd“. – Ehhm ja. Fast schon ein typischer Fall von Nichtberliner-versuchen-Berlin-zu-erklären. Klappt einfach nicht. In Berlin sind einfach Dinge so wie sie sind und jut is. Auch der erste Mai. Also: Pfeffi trinken & Genießen!
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Ein Kommentar zu „Vickie goes MyFest #10

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