Ich bin mit dem Internet aufgewachsen, ich wohne und arbeite im Internet und eigentlich ist für mich in diesem „Neuland“ alles möglich (außer Online-Banking, da bin ich ein echter Spießer, der den Diebstahl seiner 24 Euro auf dem Konto befürchtet). So weit, so gut, das Internet ist toll.
Tage, an denen ich vor mich hin vickietiere und nichts sinnvolles anstellen mag, verbringe ich am liebsten bei Instagram, und auch wenn meine Entdeckung jetzt alles andere als eine Neuigkeit ist, muss ich es doch mal loswerden: Ich bin genervt. Und zwar von dieser scheinbar endlosen Geschichte des Insta-Hypes.

Immer häufiger hat mich in den letzten Wochen das Gefühl beschlichen, dass es für den Insta-„Fame“ als Mädchen gar nicht viel braucht: Sei jung, einigermaßen hübsch (oder gut gefiltert), leb den vegangen #healthyliving Lifestyle, sei ein Fitness-Görl, hab die ein oder andere Markenklamotte vorzuweisen und im Idealfall bunte Haare und Tattoos. Und vor allem: Zeig so viel Haut, wie es deine eigene Moral zulässt! (Ein bisschen mehr ist aber nie schädlich).

sexy-denken-like-me

Jedes Mal bin ich verwundert, wenn mich die Laune überkommt ein Selfie hochzuladen, dass das immer die Bilder mit den meisten Likes sind, weil ich tatsächlich lieber Bilder von Tannenbäumen und Segelbooten like. Es ist an dieser Stelle natürlich unfair, sich über etwas zu beschweren, was eigentlich total lieb von meinen Verfolgern & Insta-Freunden ist, und außerdem freue ich mich ja auch über den EgoPush, der zwar niemals länger als einen Bruchteil von Sekunden andauert (jeder Flirt mit Blickkontakt an der Supermarktkasse dauert länger! Trotzdem Danke, haha) aber mein kleines Ego auch wissen lässt, dass ich scheinbar nicht so scheiße aussehe, wie der Spiegel im Bad es behauptet. Lang leben die Filter! (Im schlimmsten Fall auch zwei übereinander)

Dennoch bestaune ich immer wieder, das Like Verhalten von Menschen, die fleißig folgendes doppelt tippen: Da gibt es diese Sorte Mädchen, die entweder jeden Tag das gleiche Gesicht mit der gleichen Schminke und der gleichen Schnute in die Kamera halten (Gääähn!) oder die, die sich mit ihrer bunt bemalten Haut im Schlüppi auf dem Bett rumrollen und dafür einfach tausende Herzchen kassieren.
Ist Insta eigentlich eine geheime Schmuddel-//Schnell-mal-Wichsen-Plattform und ich weiß davon nix? Das Herzchenverhältnis ist zumindest recht ausgeglichen: Sowohl Männer als auch Frauen liken Bilder halbnackter Girls, die sich zwischen ihren immer gleiche Ikea-Betttlaken wälzen. Die Gründe hierfür sind scheinbar simpel: Dem einen gefällts, die andere bewunderts – in welcher Form auch immer. Kommt es nur mir so vor, als würde immer der gleiche Quark die gleiche Aufmerksamkeit abbekommen? Und bin ich die Einzige, die das tierisch langweilt?
Oder bin ich schlichtweg ein missgünstiges Biest, weil ich viel weniger Herzen abbekomme? Nö, ich glaube nicht. Wenn es mich so derart jucken würde, wüsste ich ja was ich zu tun habe; Dann würde ich auch mal meine Schlüppi Sammlung und mein peinliches Intim-Tattoo präsentieren, mit den entsprechenden #hotchicksmittattoosimschlüpper Hashtags versehen und dann würde die Herzchen-Maschine bestimmt schon rattern, aber ich hab keine Lust darauf, die Fickvorstellungen anderer anzuregen, nur um mehr von einem Internet-Hype abzubekommen, der so echt ist, wie die ganze bunte Bilderwelt, die sich so manch einer da bei Insta mühevoll zusammen bastelt. Klar, im Internet ist alles erlaubt, aber wäre es nicht an genau dieser Stelle um einiges schöner, noch mehr Vielseitigkeit abseits der grau-weißen Mainstream Optik zu bejahen? Wäre es. Wollen viele. Macht aber trotzdem kaum jemand. Und wenn, dann muss er bzw. sie dafür halt das ein oder andere virtuelle Herzchen einbüßen – ein Zustand, mit dem es sich natürlich nur schwer leben lässt. Dann doch lieber tagein tagaus Arsch & Titten raus.

vickie-übt-sexy-selfies

„Die Klickzahlen sind nicht so gut, wir machen diese Woche nur Sex-Themen“, hieß es vor ein paar Wochen an meinem Arbeitsplatz. Also machten wir uns eifrig dran, alle sexy Themen auszupacken, die wir vorzuweisen hatten. Klickzahlen optimiert, alles gut. ‚Sex Sells‘ war einmal, Sex Klicks scheint die Devise unserer Zeit zu sein. „Wir müssen jetzt auch anfangen, Nackt-Selfies zu machen“, lachten eine Freundin und ich neulich vor uns hin – ungewillt eben dies zu tun, weil das ja auch plötzlich irgendwie komisch (und sicher auch ganz schön verzweifelt) rüberkäme. Schließlich sind einige meiner Körperteile für mich Privatsache und solche lustigen Fotos höchstens an jemanden bestimmt, dem ich mit großer Freude die sexy Nacktbitch per Bild gebe –  aber vielleicht sollte ich es einfach mal versuchen und sehen was passiert? Wie ist Euer Sexy-Life auf Instagram? Let me know! :-*

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7 Kommentare zu „The New Old Fame

  1. Am nächsten WE habe ich ein Shooting in Köln für ein Online Magazin. Die wollen auch „Alles“ sehen (u.a.) – Da bin ich mal gespannt, was passiert, wenn ich die Bilder twittere …

    Aber ich denke, dass DU Dir keine Gedanken über „SEX SELLS“ machen musst !

  2. Hallo nochmal,

    ein sehr schöner Post. Also ich finde diesen Einheitsbrei bei Insta auch teilweise sehr langweilig. Ich schaue mir natürlich auch super gern schöne Bilder an, aber eher nicht die üblichen nackten Beinchen und Co. mit Kaffeetasse oder Müsli im Bett.

    Da es auf meinem Account eher weniger sexy zugeht (bin ja schliesslich erst 14), ist mein meistgeliktes Bild ein Urlaubsbild vom Pool am Comersee (ohne Bikinischönheit darin). Katzenbilder gehen auch immer, ha, ha… Hat ja schon Banksy festgestellt und deshalb sein Katzenbild im Gazastreifen angebracht.

    Mein Papa hat da immer einen schönen Spruch parat: „Wenn der Regisseur nicht weiter weiß, helfen Blut und Nackedeis.“ Von wem es ist wissen wir nicht, aber es stimmt wohl.
    Ich hoffe, dass ich immer wissen werde, wie es weitergeht! 😉

    Liebe Grüsse
    Charli von http://frischgelesen.de

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