Ein prima Wochenstart ist, wenn dir gleich am Montag nach der Mittagspause mitgeteilt wird, dass dein Job gekürzt wird. Die Arbeitszeit und natürlich auch das Gehalt.
Ein typischer Fall von das ist das Leben. Auf dem Weg zum Essen erzählte ich meiner Kollegin noch munter, dass ich meine aktuelle Situation sehr genieße: Ein Job der mir Spaß macht, wenig Zeit in Anspruch nimmt und (für mich) finanziell äußerst lukrativ ist. Ich erzählte ihr von freier Zeit, Freude und der Überlegung mir mal einen fetten Luxusurlaub auf einer netten einsamen Insel im indischen Ozean zu gönnen. 

Aber das Leben eines Freiberuflers ist wie das ganz normale Leben: Es ist eben Nichts sicher. Mein Credo lautet All we have is now. Ich sollte es mir mal irgendwo hin tättoowieren. Oder damit die Stadt plakatieren, damit jeder weiß, dass es eben so ist. Wer hat sie schon, diese ewig-währende Sicherheit? Und wer will die überhaupt?

Zum Glück liegt es nicht an mir, sondern an der finanziellen Lage des Unternehmens, in dem ich zur Zeit lässige zwei Tage die Woche tätig bin. (Puh!) Und es gibt Lösungen. Meine Arbeitsstruktur wird sich ändern, sodass ich direkter und zielgerichteter arbeiten kann. Ein Vorteil, wie ich finde. Ich kann andere Jobs machen und meinen jetzigen nebenbei. Noch so ein Vorteil. Ich kann sogar nach England gehen und von dort aus arbeiten. Ein Riesen-Vorteil! In solchen Momenten liebe ich das Internet und die Zeit in der wir leben. Diese Unabhängigkeit.
wege
Wie soll man an einem Montag schon wissen, wohin der Lebensweg einen führt, wenn ein paar freie Tage vor einem liegen und man nicht mal einen genauen Plan hat, wie die Tage von Mittwoch bis Sonntag aussehen?

Bewerbe ich mich jetzt für einen anständigen Nine-To-Five-Job, mit durchschnittlichem Gehalt und einer – zur Uni vergleichbar – mickrigen Anzahl an Urlaubstagen? Lasse ich endlich alles hinter mir und segel davon, nach Brighton? Oder ziehe ich einfach los in die weite Welt, guck sie mir an und pfeif auf Berliner Möchtegern-Modeszene, auf sämtliches Fashiön Gedöhns und fülle meinen Magen mit geklauten Melonen vom Straßenrand? Oder gehe ich ins Krankenhaus und lass meine drei Hirn-Aneurysmata untersuchen? Bleibe ich vielleicht einfach hier sitzen, in meiner Chaosbude und entwerfe endlich mal meine beiden Modekollektionen, die ich schon seit Ewigkeiten plane? Ist abwarten und Tee trinken die Lösung für alles? Oder doch die 42? Ich könnte ja mal den Stapel Wäsche bügeln. Bringe ich endlich mein Blog auf Vordermann? Schließlich könnte ich meine freie Zeit prima damit füllen, mich der allgemeinen grau-weiß-rosa Bloggeroptik anzupassen und mein Essen von oben zu fotografieren. Die Zeit lässt sich in veganen Hipster-Cafés sicher gut vertrödeln, während man seine Chai Latte im Licht, rechtwinklig zum Tulpenstrauß, zurecht rückt. Und wer weiß schon, auf welche spannenden Start-Up Heinis man so trifft, die alle ebenfalls kein Geld haben – aber dafür vielleicht ein bisschen mehr Leben als die, die sich täglich für viel zu wenig Geld und Wertschätzung in ihren Büros verstecken.
think-positive
Mein dringlichster Plan setzt sich in meinem Kopf ganz automatisch um: Positiv denken. Mir wurde ja schließlich nicht gekündigt. Und für mich ist sicher: Es gibt eh nicht viel in meinem Leben, was mir noch Angst macht.

Die Veränderung nicht, denn Stillstand ist viel schlimmer.
Die Leere nicht, denn ich habe sie bereits gespürt.
Die finanzielle Schwäche nicht, denn damit bin ich groß geworden.
Geld ist so unnötig, wie das neueste Trendteil aus der Zara-Kollektion.
Die Einsamkeit nicht, denn sie ist ein stetiger Begleiter.
Der Neuanfang nicht, denn Anfänge stehen immer vor dem Ende.
Der Hunger nicht, denn irgendwo gibt es immer Sättigung.
Der Verlust von vermeintlichem Fame nicht, denn den hatte ich eh noch nie.
(Ist wahrscheinlich genauso unnütz wie Geld.)

Der Tod nicht, denn mit ihm kann ich leben.

Natürlich gibt es auch Dinge, um die ich mich sorge: Geliebte Menschen. Weltfrieden. Die Verschmutzung der Meere. Gesundheit. Und manchmal ist meine einzige Angst, mutig zu sein. Aber wenn mir etwas keine Angst macht, sind es Änderungen. Ich bin bereit, voller Neugierde und Elan – auf der Suche nach der Antwort auf die Frage wohin mein Weg mich führen wird.

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Ein Kommentar zu „Keine Existenzangst.

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