Ich weiß nicht, ob irgendwo unter Euch jemand ist, der das deprimierende Gefühl kennt, dass das Einzige was man an einem Tag erfolgreich geschafft hat ist, sich die Fingernädel zu lackieren.
Das ungute Gefühl, dass man trotz aller Zeit, aller Freiheit und Möglichkeiten nichts schafft und es auch total egal ist, ob irgendwas geschafft wird oder eben nicht. Ob es eine Rolle spielt, dass man überhaupt da ist oder ob sich die Welt nicht genauso gut auch ohne einen weiter dreht.
Die Welt um mich herum rauscht, dreht sich und kreiselt, während ich seit Wochen an der selben Stelle trete. Seit Wochen tanze ich gefährlich nahe am Rande eines großen, brodelnden Depressions-Vulkans und mit jedem neuen Tag fürchte ich den Fall. Hinein.

Ich halte die Beziehungen zu einigen Menschen um mich herum für völlig unecht, hinterfrage Freundschaften und mich selbst und hasse das Internet. Ich kann es einfach nicht mehr sehen, wie vermeintlich toll und erfolgreich und glücklich andere Menschen sind, denen ich ähnliche Gefühlszustände wie mir selbst zutraue. Jeder ist unsicher und ängstlich – und doch fehlt mir etwas, das bei dem Großteil der „Gesellschaft“ noch vorhanden ist: Antrieb. Die Motivation die Welt nicht wissen zu lassen, mit welchen Sorgen jeder Einzelne sich plagt. Und ich glaube, wir alle sind ziemlich gut darin. Lächeln für’s Foto, lachen für die Freunde. Da sein. Und sich nichts anmerken lassen. Damit bloß keiner merkt, wie es wirklich ins uns aussieht.

Damit bloß keiner von deinen, in diesem Fall von meinen, dunkelsten Gedanken erfährt. Was sollen die, die so toll sind und sich so toll fühlen oder zumindest hart dafür kämpfen von anderen als toll angesehen zu werden, auch antworten, wenn ich sage, was ich fühle, dass ich ein großes dummes Nichts fühle, während gleichzeitig alle meine Gefühle auf mich einstürzen. Was sollen sie entgegnen, wenn ich sage, dass wir irgendwann sowieso alle sterben, dass das Leben ein einziger unnötiger (und unfassbar kurzer) zeitlicher Abschnitt in einem Universum ist, das sich eh irgendwann zusammenzieht und – je nach Auffassung – im-oder explodiert oder gar von einem schwarzen Loch gefressen wird. Wenn ich sage, dass das leider alles so Unsinnig und Nutzlos ist und ich nicht verstehe, warum ich eigentlich überhaupt hier bin und nichts weiß was ich mit meinem einzigen Leben anfangen soll?
Selbst meine Therapeutin konnte an dieser Stelle keinen klugen Gedanken hervorbringen, außer mich wissen zu lassen, dass das ein „sehr depressiver Gedanke“ sei.

take-the-air-out-of-me

Depression. Da bin ich also angekommen, nach Schule, Ausbildung und Studium? Weil ich jetzt dastehe, mit einer Fernbeziehung und ohne einen festen Job, der mich mit viel zu viel Arbeit von meinem Leben ablenkt? Depressiv, weil ich jetzt Zeit habe, alles zu überdenken und – gegebenenfalls – neu zu ordnen. Die Freiheit, die ich mir immer gewünscht habe, führt mich jetzt also in ein schwarzes Loch, das immer größer wird und mich zu fressen droht?
Ein unverschämtes Loch, das mich lähmt, meine Arme so kraftlos und schwer sein lässt und mein Inneres so leer? Das mich dazu veranlasst, das ich kaum mehr schaffe als mich im Bad einzuschließen und meine traurigsten Lieder zu singen?

Manchmal muss man wohl erst ganz unten ankommen, um den Boden der Tatsachen wieder unter den Füßen zu spüren. Das Gute daran ist, dass es dann 1. nur wieder ’nach oben‘ gehen kann und 2. man auf dem Boden, auf dem man angekommen ist, wieder etwas aufbauen kann.

Da stehe ich also, am Rande des Vulkans. Wanke ewig hin und her und warte. Auf den Fall.

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Ein Kommentar zu „The Fall

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