Es ist Freitagabend und die Bahn bummelt sich durch die Dunkelheit. Drinnen saßen stehend Leute, schweigend ins Gespärch vertieft. Und mittendrin ich. Mit müden Augen,  geblendet vom viel zu grellen Kunstlicht, verliere ich mich in den draußen vorbeiziehenden Lichtern, ach könnte die Bahn doch ewig vor sich hin fahren… In der Tiefe meiner Gedanken krame ich nach dem Problem. Die Lösung ist mir schleierhaft, genau wie der Weg. Der Weg nach Nirgendwo, weg von dir, zumindest dieser Teil der Route ist sicher.

Jonny ist mit mir und ich weiß, dass wir gemeinsam einsam einen wunderbaren Abend haben werden, einen dieser vielen Abende, an denen ich einfach nur stundenlang auf dem Bett liege und die Decke anstarre. Seine Stimme dringt tief in meine Ohren, in meinem ganzen Körper breitet er sich aus – so wie sonst nur du dich darin ausbreiten konntest und gemeinsam liegen wir da, Stunde um Stunde und warten, dass es Hell wird. Doch es bleibt Dunkel. Für jetzt, vielleicht für immer, wer weiß das schon.

Zeit haben. Und Geld. Was für ein trauriger Luxus. 
Was wohl der wahrgewordene Traum aller Leute ist, die mir spontan so in den Sinn kommen, ist mein blanker Horror. Stürzt mich in das böse, dunkle Loch. 
Denn was bringen schon Zeit und das liebe Geld?
 Wenn Du nicht einfach losreisen kannst, abhauen, davonziehen? Loslassen. Einfach so, einfach weg, so wie ich von dir gegangen bin. Weil einfach alles zu viel war. Too Close To Touch. 

Was bringen dir Zeit und das liebe Geld, wenn Du sämtliche Konsumgüter einfach nur als Belastung, als überflüssigen Müll empfindest, von dem Du weißt, dass der Kauf deine innere Leere nicht zu füllen vermag? 

Was bringt jede Menge Geld, das du hast und das nicht auf deinem Konto liegt?

Was bringt dir die Zeit, wenn sie sich unendlich und leer anfühlt?

and-as-i-tighten-the-ropes
Unendlich und leer. So viele Zeilen, so viele Stunden. Er singt immer noch. Flüstert mir seine Weisheiten ins Ohr. Und ich bin verloren. So fucking verloren, inmitten all dem Chaos der sich ständig drehenden Welt.

Früher war es so leicht zu wissen wo mein Platz ist. 
Immer auf der anderen Seite. 
Später dann immer an deiner Seite. 
Und heute, heute warte ich nur auf einen weiteren sinnfreien Ratschlag von dir, irgendetwas über mein Leben, was ich selbst schon längst weiß -Dankeschön- und mir niemand mehr sagen muss. Doch stattdessen kommt nur die Ansage der Endhaltestelle; Aussteigen ist angesagt und manchmal sogar doch leichter als man denkt.

Auf dem Heimweg raube ich einen Späti aus, gehe mit mehr raus als ich rein gekommen bin und fühle mich furchtbar schlecht. Schaffe es irgendwie nach Hause, wo ich aufs Bett falle und Jonny, er ist immer noch da, in meinen Ohren, er breitet sich in meinem ganzem Körper aus, so wie sonst nur Du dich darin ausbreiten konntest und während er singt und singt und mich die Dunkelheit fest in ihre Arme nimmt, weiß ich: Dein Neid auf meine Freiheit ist nicht mein Problem.

Advertisements

Ein Kommentar zu „Hell is what you make it

  1. oh wow! ich liebe es, wenn du so schreibst. Dieser Text hat keinen Anspruch auf Tiefe – er IST es einfach. Eine Traurigkeit, ohne verzweifelt zu sein. Eine Melancholie, die irgendwo in sich ruhen kann. Oder verstehe ich das falsch?
    Und: du kramst nach dem Problem? Weißt du denn nicht, was das Problem ist?
    Liebste Grüße aus (viel zu fernem) München ❤ ❤ ❤
    Esra

    http://nachgesternistvormorgen.de/

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s