Montag: Wir wollen um 19.45 in die Kino-Vorstellung von Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind in den Zoopalast gehen. Ich war noch nie im Zoopalast und freue mich darüber, mal wieder etwas zum ‚ersten Mal‘ zu machen. Er ruft an und erzählt, dass er früher da ist – ich auch und wir beschließen noch eine Runde über den Weihnachtsmarkt zu bummeln. Ich bestaune die Lichter und die kleinen Hütten, in denen Menschen gemütlich sitzen und Glühwein trinken können. Er begeistert sich für Schokoküsse und gemeinsam teilen wir uns ein Langos. Dann gehen wir ins Kino.
Der Zoopalast ist herrlich; Auf eine schräge Art dekadent, ich sinniere über die schönen Schriftzüge und wir kichern über die Reihe hinter uns, die ständig nach der Kino-Kellnerin klingelt. Auch der Film ist wunderbar – bis auf die Reihe vor uns, in der gleich drei Menschen während der zauberhaften Geschichte mit ihren Handys rumspielen. Wie mich das nervt, kann man heute nicht mal mehr einen Film in Ruhe gucken? Als die Verfilmung des Harry Potter Lehrbuchs vorbei ist, steht eine der am Handy hängenden Damen auf und schreit durch den Kinosaal, dass wir besser nicht raus gehen sollen, weil „draußen ein Terroranschlag ist“. Verwirrung. Auf meinem Handy: Viel zu viele Nachrichten in viel zu vielen WhatsApp Chats. Freunde sind besorgt. Niemand weiß, wie nah ich an diesem Unglück bin. Dass ich in einer ganz anderen Welt war, als der Typ den LKW, der nicht mal ihm gehörte, quer über den Weihnachtsmarkt lenkte. Wo wir vor knapp einer Stunde selbst standen. Keiner im Kino weiß was los ist, niemand traut sich so recht nach draußen. Die Angestellten im Kino sind geduldig, jeder darf gehen, wann er oder sie möchte. Meine Begleitung steht unter Schock. Wir sitzen da eine Weile, jemand hat mir einen Link vom Live-Ticker der BZ geschickt. Nicht sehr seriös, dennoch vermittelt der Feed einen kleinen, groben Überblick über das Geschehene. Nichts ist klar, aber natürlich ist sofort von Terror die Rede.

Ich wende das alles ab, Terror klingt nach Krieg, nach Bomben, nach Angst, nach Elend. Der LKW Fahrer kann ja auch einen Herzinfarkt, ein Hirnaneurysmata oder sonstwas gehabt haben. Es kann ja auch einer gewesen sein, der sich umbringen und mit einem lauten Knall oder einem Schrei nach Aufmerksamkeit von der Welt gehen wollte. Wer weiß das schon.
Nach einiger Zeit verlassen wir das Kino. Vor einem Absperrband steht ein Reporter und erzählt irgendwem irgendwas. Dahinter eine Meute Menschen, alle haben ihre Smartphones gezückt, machen Fotos, Videos, irgendwas. Vermutlich Selfies. Hashtag: Binlivedabei. Ich könnte kotzen. Und zu allem Übel müssen wir uns noch durch die Meute Richtung Bahnhof drängeln.

terror-in-berlin-kommentar

Das ist Terror. Das ist, was dieser Begriff mit uns macht.

Die Bahn ist leer, ähnlich wie mein Newsfeed bei Facebook. Scheinbar sind die Schreckensmeldungen noch nicht überall angekommen. Ich kann es schon vor mir sehen, Leute ändern ihre Facebook-Profilbilder in irgendwas mit Pray for Berlin oder einen Bären oder so. Ich kann mir vorstellen, wie in meinem staubigen Fernseher bei RTL eine Dauersendung namens „Terror in Berlin“ läuft. Und genauso ist es, als ich endlich zuhause ankomme. Keine sinnvollen Informationen, nur mediale Sensationsgier. Gefühlt jeder aus meiner Freundesliste hat sich via Facebook als „in Sicherheit“ markiert.
Was sich in den nächsten Tagen an merkwürdigen Meldungen und unnützen Informationen häuft, habt ihr sicher selbst gesehen. Täter da, Täter weg, Leute, die eher Videos drehen als erste Hilfe zu leisten, unglaublich viel Zuspruch von allen Seiten, dass sich Berlin nicht unterkriegen lässt, die dämlichsten Kommentare von Menschen, an deren Existenz ich gar nicht glauben mag, der IS bekennt sich, plötzlich finden sich Personaldokumente und so weiter. Ein diesen mediales Durcheinander. Mit Glaube, Liebe, Hoffnung. Aber auch mit Schattenseiten. Und mit der Frage: Wie kann es sein, dass einer einen LKW in einen Weihnachtsmarkt lenkt, aussteigt und davon spaziert? Wie kann das sein? Das Ende der Geschichte kennt ihr sicher auch. „Attentäter“ tot, alle zurück in ihr Daily-Life. Was soll man auch anderes machen?

Auch meine Gedanken und Gefühle sind in erster Linie bei den Opfern und deren Angehörigen. ❤
Ich weiß wie furchtbar es ist, kurz vor Weihnachten ein Familienmitglied zu verlieren.

Ich weiß, wie schlimm es ist überhaupt jemanden zu verlieren, egal ob Familie oder nicht. Egal ob Weihnachten oder Frühling oder Sommer.

Ich habe selber mal auf einem Weihnachtsmarkt gearbeitet, ich weiß wie scheiße es ist, den ganzen Tag da in der Kälte zu stehen. Aber ich weiß nicht, wie es sein muss, da für das bisschen Geld zu stehen und zu arbeiten und dann Abends nicht in Ruhe nach Hause gehen zu können. Weil irgendein Mensch von etwas überzeugt war, an das wir alle nicht glauben. Ich konnte damals immer gehen. Ich konnte auf diesen Weihnachtsmarkt gehen, ohne jemanden zu verlieren, ohne mein eigenes Leben zu verlieren. Der Gedanke verwirrt mich so sehr: Dass ich mal wieder knapp davon gekommen bin. Es war nicht das erste Mal…pray-for-berlin
Und sonst so? Dienstag haben wir uns einen Weihnachtsbaum organisiert und ihn ganz mädchenhaft in rosa geschmückt, außerdem war ich den Geburtstag meiner liebsten Freundin aus der Uni feiern, erst gab es furchtbar leckeres Essen und danach waren wir beim Poetry-Slam. Auch dort wurde unter anderem das Thema ‚Anschlag in Berlin‘ aufgegriffen und neben anderen Themen wie Flüchtlingen, häuslicher Gewalt und Bier in absoluter literarischer Finesse aufgegriffen. Mittwoch war ich bei der Physiotherapie und Geschenke besorgen, Donnerstag und Freitag war ich ebenfalls kräftig mit Weihnachtskram beschäftigt (Wichtelmodus); habe gebacken, Badebomben und Handcreme selber gemacht und bin zwischendurch noch zur Fahrschule gerannt, wo mir mein Fahrlehrer einen baldigen Führerschein angedroht hat. Oh gott, ich weiß gar nicht ob ich den überhaupt haben will! 😀 Und dann war da ja noch Weihnachten… ich also zwischen emotionalen Schwankungen. Aber zumindest happy über die süßen Geschenke, die ich bekommen habe!

weihnachten-2016-christmas-christmastree-flamingo

Außerdem happy: über das menschenleere Berlin an Weihnachten. Man konnte ewig laufen ohne jemandem zu begegnen, ein unglaubliches Gefühl!

Hä? Kurz vor Weihnachten waren alle möglichen Süßigkeiten die ich haben wollte (Schoko-Mandeln von Niederegger, Kirschbomben & Co.) einfach ausverkauft! Da war doch eine Schoki-Verschwörung oder so in Gange…

Genervt: Von Leuten, die diese ganzen Rentier-Wichtel-Snapchat-Filter nutzen, um in quiekender Stimme irgendetwas zu erzählen, was wegen dem hohen Quieken eh niemand versteht. Mir macht das eher Kopfschmerzen. Und außerdem davon, dass ich gefühlt 20 Blogposts im Kopf habe und nicht dazu komme sie alle fertig zu stellen. HMPF!

Auf dem Plan: Zwischen den Feiertagen ist wie an den Feiertagen. Ich treffe ganz viele liebe lang-nicht-gesehene Leute, habe noch zwei Fahrschulstunden vor mir, will den neuen Film mit Jake Gyllenhaal sehen und hoffentlich meine im Kopf schwirrenden Blogposts veröffentlichen, schließlich bietet die letzte Woche des Jahres viel Platz für Gedanken, Träume und Bäume – nein Scherz, für Jahresrückblickgedöhns und mein legendäääres JahresRückblicksGIF! Lasst Euch überraschen! ❤

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s