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es ist Freitag, eine Woche nach der Fashion Week in Berlin und während meine liebe Freundin Elsi und ich letzte Woche um diese Uhrzeit völlig übermüdet auf den letzten Shows hingen, kommt es mir so vor, als wäre diese Veranstaltung schon viel länger her! Und weil ich zur Zeit ja dem großen Nichts-Tun fröne (spektakuläre Neuigkeiten davon im kommenden Life Update), präsentiere ich dieses Mal statt einem pseudokreativen Diary oder unnützem Fashion Week Wissen einfach nur eine Flut von Bildern und ein paar Gedankenabrisse! Let’s Fetz!

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In Punkto Modewoche hat die (mediale) Schnelllebigkeit einfach absurde Dimensionen angenommen: Es ist Fashion Week, das Internet dreht ein paar Tage durch, weil alle die gleichen Snaps und Instagram-Stories von umherspazierenden Models auf Laufstegen posten und schwupps – am letzten Tag der FW fehlt schon die Hälfte der Leute und spätestens nach der letzten Show ist alles wieder vergessen. Kurzlebige Informationswerte, die eher auf einem „Seht-her-ich-war-da“ basieren, als an einem ernst gemeinten Interesse an der Arbeit der Designer – was ist bloß los mit allen?

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Langlebig ist zumindest meine Leidenschaft für die Mode von Lena Hoschek, mit der ich in die Fashion Week startete und die gleich mit ganz viel Glitzergirlpower loslegte.

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Großes Thema waren für alle Fashion Week Freunde wohl die sogenannten Influencer (ich nenne sie gerne Influenza, weil einige dieser Personen ja tatsächlich einem Virus nahe kommen 😉 )
Okay: was es heutzutage für Erfolg braucht ist nicht etwa Bildung, sondern ein möglichst junges, massentaugliches Gesicht und einen möglichst massenkonformen Stil, bei dem immer wieder die eigene Individualität betont wird. Du brauchst kein Studium, du brauchst Reichweite! Und dann kann der ganze Spaß auch schon losgehen: Frontrow, Leih-Klamotten vom Designer, Show-Einladungen von den zuständigen PR Agenturen und im besten Fall noch irgendeine fancy Kooperation.

Was ist das eigentlich für eine schräge Welt, in der 20-jährige Kids mit operierten Lippen in einem eigenen Schuttle auf der Fashion Week rumgefahren werden?
Was macht das mit denen, wenn sie beigebracht bekommen, dass hübsch aussehen wichtiger ist als Bildung? Wo sind die Verantwortlichen, die ihren Kindern mit auf den Weg geben, dass hübsch aussehen eventuell irgendwann endet oder die ästhetischen Ansprüche der Gesellschaft sich schneller wandeln, als sich das Wort „Instagram-Star“ aussprechen lässt? Wo sind die Eltern, die ihrem Kind beibringen, dass es nur ein billiges Werbegesicht ist, das zu Marketingzwecken benutzt wird??  Was soll aus denen später mal werden? Und wieso zur Hölle mache ich mir eigentlich Sorgen um die Zukunft Anderer??

Weil es eben auch mich ein bisschen nervt. Also, wenn du 50k Follower hast und dir alle den Arsch abwischen: Herzlichen Glückwunsch! Ich bin nicht neidisch. Ich bin aber genervt, wenn ich mich mit Leuten austauschen, Menschen hinter Blogs oder Instagram-Profilen kennen lernen will und die nicht mal verstehen, was man als Journalist überhaupt bei einer Fashion Week macht. Oder deren ‚Reichweite‘ bei Gesprächsthemen einfach nur auf die Anzahl ihrer Instagram-Follower begrenzt ist. Woooow, spannend.

Auch ein tolles Beispiel bei dieser Fashion Week: Ein Mädchen hat einfach nicht verstanden, dass es einen Beruf namens Stylist gibt – jaa, jemand der sich um Klamotten, Outfits und Looks für Models bei Fotoshootings kümmert. Als ich von einem Shooting im vergangenen Sommer und der Freude davon erzählte, dass ich ein wunderschönes Kleid von Steinrohner von einer PR Agentur geliehen bekommen habe, das ich in Szene setzen konnte und dieses Foto auch noch auf dem Cover eines Online-Modemagazins gelandet ist – wurde ich mit völlig verständnislosen Augen angeguckt. „Wie, du hast das jemand anderem angezogen und nicht selbst???“ Ehm ja. Wie gesagt: Reichweite zählt. Und natürlich Ego.

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Der Faktor Selbstvermarktung: ist einfach enorm wichtig. Das Model mit der größeren Reichweite bekommt den Job, nicht das, welches gut laufen kann. Der Fotograf mit dem größeren Bekanntheitsgrad bekommt den Auftrag, nicht der, der eigentlich die besseren Bilder schießt. Und so greift es um uns: Egal welcher Job – die gegenwärtige Zeit zwingt förmlich dazu, dass wir uns möglichst geil selbst darstellen müssen. Gähn!

vladimir-karaleev-mbfw-aw-2017Außerdem habe ich mir noch die ein oder andere -natürlich sehr wichtige- Frage gestellt:

1. Geht Mr. Massimo eigentlich zu jeder Modenschau auf der seine Modelfreundin Rebecca Mir läuft? Ist das nicht irgendwie weirdo, wenn der Partner immer mit zur Arbeit kommt?

2. „Was mache ich eigentlich hier??“

3. Wo sind eigentlich immer die Goodie Bags, mit denen HashMag wirbt? Ist jetzt schon das zweite oder dritte Mal, dass ich keine bekommen habe. Ich bin zwar nicht sonderlich geil auf so eine Tasche, aber wenn man sein Event hauptsächlich mit tollen Tüten bewirbt, sollte man doch auch fähig sein jedem Besucher eine zu geben? Wozu gibt es denn vorab eine Anmeldeliste?

4. Ist es wirklich eine Revolution, wenn Marcel Ostertag eine Rede davon hält, dass wir in unserem Textilkonsum entschleunigen müssen (in dem Punkt stimme ich ja noch zu) – aber im gleichen Atemzug mit seinem gesporten Seat-Auto auf dem Laufsteg rumfährt? Winkt da nicht die Doppelmoral?!

Und 5. Hilft ein Modelabel namens Depression gegen die allgemein aufkommende Internet-und Modeweltsdepression? Ja! Mit lässig-coolen und ein bisschen crazy Entwürfen und halbnackten Menschen, war diese Show am vergangenen Freitag ein ebenso gutes Heilmittel, wie die Tatsache, dass ich während der FW mit ganz lieben Freundinnen rumhängen konnte. Und die sind allesamt keine Influencer! 😉 ❤
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Ein Kommentar zu „Irgendwas mit Fashion Week…

  1. Hallo Vicki,

    ich wollte nur sagen, hier ist ein Mädchen mit Eltern, die ihr anderes beibringen als sich von Dau(e)r-Werbesendungen leiten zu lassen. Das Wortspiel stammt von meinem Papi, er steht dieser Szenerie sehr skeptisch gegenüber. Ist aber als Werbemensch auch fasziniert, wie heute Dinge funktionieren, die früher total falsch waren. Na, mal sehen, wie lange noch.
    Im Übrigen habe ich in meinem letzten Post auch diesen Influenza-Aspekt gebracht. Mich gucken immer alle komisch an, wenn ich den bringe, darum habe ich mich gefreut, dass du ihn genutzt hast. 😉
    Ein schöner Artikel, aber sag mal: Was ist eine Stylistin? Ha,ha…

    Liebe Grüße
    Charli von frischgelesen.de

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