Life Update 6/17: Grandios gescheitert

Dies ist eine Geschichte, die ich nicht unbedingt gerne erzählen mag, wer redet schon gern über Niederlagen? Aber da ich sehr wohl weiß, dass es schlimmere Dinge auf der Welt und in meinem Leben gibt, kommt sie an dieser Stelle doch:

Heute vor einer Woche, gleich ganz früh morgens (wahrscheinlich zu früh!), habe ich etwas sehr Dummes getan. Es wäre lustig, wenn es nicht so tragisch wäre. Ich hatte meine praktische Führerscheinprüfung. Und bin dabei grandios gescheitert.
Angabe auf dem Prüfungsprotokoll: Prüfungsdauer 9.15 Uhr bis 9.17 Uhr. Bumm!
Gleich beim Verlassen des Dekra-Geländes habe ich laut Prüfschein die Sache mit der Vorfahrt vermasselt (darüber lässt sich diskutieren, ich habe schließlich gewartet bis die Verkehrsteilnehmer mit Vorfahrt weg waren und konnte auch nichts dafür, dass da jemand aus dem Nichts plötzlich sehr schnell angerast kam) und „durfte“ also neben meinem völlig entsetzt aussehenden Fahrlehrer schnurstracks zurück auf den Dekra Hof fahren. Als ich um 10.49 Uhr wieder Zuhause war, hab ich mir erstmal ein Gössi hintergekippt. Ich bin noch nie in meinem Leben durch eine Prüfung gefallen.

Ich hatte schon geahnt, dass ich es eh vermasseln werde, jedoch den Fehler, der für’s Nicht-Bestehen sorgt, eher an einer schaltenden Ampel oder einem verkorksten Spurwechsel (in Berlin lässt sich aufgrund fehlender Fahrbahnmarkierungen leider nicht so leicht erkennen, wie viele Spuren manche Fahrbahn hat) vermutet. Aber nicht sofort an dieser Stelle. Wie erwähnt: Eigentlich wäre es fast ein bisschen lustig, so richtig richtig dumm durch die Prüfung zu rasseln (Wenn schon, denn schon!“), wenn ich mich nicht so machtlos, so ohne die wirkliche Chance es überhaupt probiert haben zu können, fühlen würde. 
Nach meinem 10.49 Uhr-Trost-Gössi fuhr ich zu meinen lieben Freunden in den Garten, gestand dort ein wenig geknickt mein Versagen und vertrödelte mir den Tag. So weit so gut. Dinge passieren, kein Weltuntergang.

Letzten Freitag durfte ich dann wieder -natürlich äußerst motiviert- in der Fahrschule zu meiner wohl 1 Millionsten Fahrstunde antanzen. Was am Ende folgte, war Genörgel von meinem Fahrlehrer, den ich mittlerweile leider nur noch als ‚Arsch‘ klassifizieren kann, dass ich bei der erneuten Übungsrunde „alles falsch“ gemacht habe, viel zu ängstlich bin und er mich sowieso in der nächsten Zeit nicht zu einer erneuten Prüfung anmelden wird. Stattdessen hat er mir lieber noch viele neue Fahrstundentermine reingedrückt, die ich mir finanziell gar nicht leisten kann. Und auch gar nicht leisten will. Man kann sein spärliches Geld tatsächlich in viele bessere Dinge investieren, als für das Gefühl ein kompletter Versager zu sein. Den Rest des Tages saß ich mit einem Nervenzusammenbruch apatisch den ganzen Tag zuhause an der gleichen Stelle rum, wollte nicht reden, nicht essen, am liebsten wollte ich nicht mehr sein. (Soviel zum Thema Suicide is over ) Ich hatte wirklich den Gedanken, lieber tot sein zu wollen, als diesem Herrn R. noch einen einzigen weiteren Euro in seinen blöden Fahrlehrer-Rachen zu werfen.

Seit meinem Mental Breakdown am Freitag fühle ich mich leer. Leer und ratlos. Unwissend, wie es nun weitergehen soll. Schmeiß‘ ich die Fahrschule? Oder hilft vielleicht einfach ein Wechsel? Ich weiß es nicht, ich sag ja: Leer und ratlos. Eigentlich hatte ich gehofft, mal wieder ein fröhliches Life Update schreiben zu können, denn wenn es diesen belastenden Punkt Fahrschule in meinem Leben nicht gäbe, wäre es eigentlich ganz schön. Zumindest mit lösbaren Problemen. Die Fahrschule hingegen macht mich nur völlig machtlos, sie lähmt mich. Ich weiß, was ich kann, aber ständig Kritik und das Gegenteil von Vertrauen zu erfahren ist ein Zustand, den ich beim allerbesten Willen nicht länger aushalte.

Mein Gott, es geht hier ums Autofahren, das ist doch nicht so schwer denkt vielleicht der ein oder andere von Euch jetzt. Ja, das stimmt. Ich finde Autofahren auch ganz spaßig. Ohne strenge Beobachtung und Bewertung. Ohne dass mir jemand erzählt, was mein vermeintliches Problem ist. Sondern mit Vertrauen in meine Fähigkeiten.

wer-nicht-kämpft-hat-schon-verlorenSo eine dieser schnöden Lebensweisheiten, an denen ja auch immer ein bisschen was Wahres dran ist. Allerdings kam ich am Freitag nicht umher, mich zu fragen, ob es einen Punkt gibt, an dem man einfach einsehen sollte, dass manche Schlachten nicht zu gewinnen sind? Wie viel Sinn es macht, im Leben Tag für Tag für Tag zu kämpfen und dennoch nichts zu gewinnen? Ob es manchmal besser ist aufzugeben, um sich selbst nicht noch mehr zu schaden?

ich-habe-gekämpft
Meine Eltern haben mir beigebracht, Dinge durchzuziehen, die Zähne zusammen beißen, nicht jammern, schön auf das hören, was Erwachsene oder Autoritätspersonen zu sagen haben. Und mitten in meinem Nervenzusammenbruch kam die große Erkenntnis: Ich bin auch ein Erwachsener! Und ich als erwachsener Mensch würde mir wohl selber raten, es sein zu lassen.

what-am-i-fighting-for
Ich kann die Welt auch mit dem Fahrrad bereisen.
Auto fahren ist so scheiß unnötig. Und umweltbelastend. Ja, ich bin ein gottverdammter Öko, was das angeht.
Ich habe nicht einen Monat im künstlichen Koma überlebt, um mich von diesem Scheiß fertig machen zu lassen.
Ich könnte mir von meinem bisschen gesparten Restgeld ein Tattoo stechen zu lassen, ein Flugticket nach Brighton zu kaufen oder neue Schuhe, weil meine schon auseinander fallen.
Ich könnte ein glückliches Leben zu führen, ganz ohne Führerschein. Den brauche ich dafür nämlich nicht.

Morgen habe ich wieder Fahrschule.

fight-me
Wie ich nach einem Mental Breakdown nicht aussehe.

 

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3 Kommentare zu „Life Update 6/17: Grandios gescheitert

  1. 1. Ich bin auch eher eine, die sich durchbeißt und würde jetzt sagen: du schaffst das – wenn Du es WILLST! Ich höre aber irgendwie heraus, daß Du es nicht so wirklich WILLST.
    2. Du bist als Fahrschülerin KEINE Schülerin, sondern Du bist Auftraggeberin für einen Lehrgang, die Fahrschule hat diese Leistung zu erbringen und nicht über Dich zu meckern.
    3. Auto fahren (u. parken) in BERLIN? Bist Du knülle? (Sorry, aber das konnte ich mir jetzt nicht verkneifen 🙂 ) Fahrrad (Tipp: Pedelec) + Öffis + ab und zu Taxi = gesünder, ökologischer, billiger, entspannender, intelligenter, …

    So praktisch ein Auto auch sein mag, es NERVT! Ständig tanken, waschen, reparieren, im Stau stehen, Parkplatz suchen, Reifen wechseln, zum Tüv fahren, und bezahlen-bezahlen-bezahlen.

    Wer behauptet ‚Ich brauche aber mein Auto‘, ist eigentlich nur ein Weichei.
    So wie ich. 😦

    ❤ Kathy

    1. Liebe Kathy, jaaa du hast sowas von Recht! 1. wurde ich jobbedingt „gezwungen“ den Führerschein zu machen und will das eigentlich gar nicht freiwillig und zweitens lebe ich schon mein ganzes liebes Leben lang mit allen Alternativen, die es eben zum Auto gibt und das ausgesprochen gut! 🙂
      Und jaa: In Berlin fahren zu lernen ist echt nicht gerade angenehm! XD aber dafür sagt man ja bekanntlich, dass es einem dann später überall recht leicht fährt zu fahren, hihi.

      Und trotz allen Unannehmlichkeiten des Auto habens bist du für mich kein Weichei, schließlich hast du nen Führerschein, Bäm! 🙂 Liebe Grüße ❤

      1. Meinen Führerschein hab‘ ich damals in einem 10.000 Einwohner Städtchen in der Eifel gemacht, der wurde mir fast ’nachgeworfen‘. Mit Weichei meinte ich nur, daß ich finde, daß ich mit dem Auto den leichteren Weg gehe, für die Öffis bin ich einfach zu faul und bequem (bin aber langsam auf dem Weg der Besserung 🙂 ).

        Jedenfalls bin ich sicher, daß Du packst, was Du Dir vornimmst!

        ❤ Liebe Grüße, Kathy

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