Was mich im Leben nervt: Die Gesellschaft und Liebeskummer.

Als ich heute morgen aufgestanden bin und sich beim Blick aus dem Fenster die Wolken dunkelgrau am Himmel zusammenzogen, dachte ich „heute ist ein guter Tag für ein kräftiges Unwetter“. Für Blitz, Donner und stimmungsuntermalende Regenströme, die ans Fenster prasseln, während ich mit dem Plan das Haus nicht zu verlassen, drinnen sitze und traurige Lieder höre.

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Heute ist außerdem ein guter Tag, um meinem Bananenblatt beim Sterben zu zusehen und zu überlegen, wie es deinem Bananenblatt so geht. Es ist längst tot, richtig? Es ist so tot, wie alles für dich, was je mit mir zu tun hatte.
Heute ist auch ein guter Tag, um dämliche Gedichte zu schreiben.

Und heute ist vielleicht ein guter Tag, um die Wahrheiten in den Zeilen sämtlicher Sad Songs aus meinem Kopf zu löschen.
Heute ist aber auch ein guter Tag, um alle alten Sachen zu verbrennen und die Kaffeemaschine, deren Existenz dir sicher nicht mal mehr bewusst ist, zu verkaufen. Heute ist ein guter Tag für ein gewaltiges Donnerwetter!

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Mit 19 habe ich etwas nicht verstanden: Eine Freundin trennte sich von ihrem Freund, weil deren Beziehung aus tausenderlei Gründen nicht mehr funktionierte. Trotzdem litt sie jahrelang unter der Trennung: Sie liebte ihn noch immer, wusste aber dass es einfach nicht funktioniert. Was meinem Verstand damals so fern war, erscheint mir heute logisch, denn während man sich als verlassener Mensch unter Umständen in Liebeskummer und Selbstmitleid suhlen kann und obendrein noch tröstende Beileidsbekundungen von Freunden und Familie erhält, bekommt man als Beziehungs-Beender lediglich ein Böse Böse – du hast ihn/sie so verletzt direkt ins Herz gestempelt.

Warum sagt eigentlich niemand zu einem Beziehungs-Beender: Hey, Glückwunsch, du hast es geschafft zu erkennen, dass dir etwas ganz gewaltig nicht gut tut, du hast erkannt, dass du dich so verändert, dich so selbst verloren hast, dass du aus dieser Situation raus musst und du hattest den Mut, wohlwissend, dass es furchtbar schmerzhaft sein wird, für dich einzustehen und dich aus einer ungesunden Beziehung zu lösen. Warum sagt niemand: Toll, du bist so viel mehr wert, alsdass deine Bedürfnisse nicht beachtet werden, ausgerechnet von dem Menschen, dem du dein ganzes Herz geschenkt hast ?

Wäre es nicht genau das, was in Zeiten des elendigen Selbstliebe Trends alle einander raten sollten?

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Und warum muss ich mir dann von der Seite, von einem vermeintlichen Freund anhören, dass „ich mich mal nicht so haben soll“, wenn ich über meine komplizierte emotionale Bindung zu meinem Ex-Freund sprechen will? Ist eine Wunde weniger schlimm, wenn man sie sich selbst zufügt? Gestern Abend begann ich also eine sinnlose Diskussion, um die festgefahrene Meinung, dass es mir „besser“ geht, weil ja schließlich ich die Beziehung beendet habe und außerdem jetzt jemand Neuen an meiner Seite weiß. 
Ja, da ist jemand an meiner Seite, jemand der mich aufgefangen hat, jemand der mich hält, mich so vieles lehrt, mich erobert, mich ärgert und nur so semi fähig ist zu kuscheln. Jemand, der auf mich zugeht, offen ist für wagemutige Pläne, spontane Ausflüge und intime Gesprächsthemen. Jemand, den ich mag.

Aber hat das im Umkehrschluss auf meine vergangene Beziehung zu bedeuten, dass die Trennung für mich automatisch viel leichter ist? Nein!
Wer hat bloß diese kuriose Idee in die Köpfe der Menschen gepflanzt? Und seit wann geht es nach Trennungen darum, wem es hinterher „besser“ geht? Beziehungsenden als Ego-Show? Nein Danke!!!

Viel zu oft lag ich Nachts heulend auf dem kalten Küchenboden, voller Selbstzweifel ob getroffene Entscheidungen richtig oder falsch waren, ob ich richtig oder falsch bin, oder gar Polyamor. Vielleicht bin ich Polyamor, vielleicht aber auch nicht. Was ich sicher weiß ist, dass Polyamorie in der Gesellschaft ein missverstandenes Thema ist und ich viele gesellschaftliche Konstrukte mittlerweile so richtig scheiße finde und da absolut keinen Bock mehr drauf habe.

Nur weil irgendwo, irgendwann, irgendwer mal beschlossen hat, wie die Dinge sein sollen.

Wer hat jemals bestimmt, dass man nur einen Menschen in seinem Leben lieben und mit ihm/ihr seine ganze Lebenszeit verbringen sollte?
Wer hat jemals festgelegt, dass mit dem Ende einer Beziehung auch automatisch auch sämtliche Gefühle für einen Menschen enden?
Wer hat jemals bestimmt, dass sowohl Frauen als auch Männer sexy oder klug sind, wieso dürfen wir nicht jeder einfach alles sein? Schön und schlau, dazu noch interessiert, mitfühlend, wehleidig und stark zugleich? Egal mit welchem Geschlecht, Glauben und Gewicht?
Wer hat jemals die hässliche Behauptung aufgestellt, dass hängende Brüste unerotisch sind?

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Wenn ich Lust habe, meine Weiblichkeit zu leben, dann mach ich das auch. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass ich nicht noch 1000 andere Fähigkeiten und Interessen habe.

Die (also meine!) Wahrheit ist doch die: Alle Brüste hängen, das ist natürlich. Und des Weiteren es ist eine wunderbare Fähigkeit, mehreren Menschen und unseren Brüsten Liebe und Zuwendung schenken zu können! Was soll dieses nicht endende Schwarz-Weiß-Sehen in einer Welt voller bunter Farben? Wirklich, ich ertrag das nicht mehr!

Jeder von uns kämpft so hart mit sich, da braucht niemand soziale Kontakte, die einen noch mehr runter ziehen. Notiz an mich selbst: Verbringe deine Zeit lieber mit Menschen, die dich stärken.
Mich nervt diese Gesellschaft, die nicht differenzieren kann, wie vielfältig die Dinge sind, wie viele kleine komplexe Universen in jedem einzelnen von uns stecken und dass der Großteil der Dinge einfach mehr ist, als ein „Jetzt hab dich mal nicht so“. Warum sollte ich es mir verwehren glücklich zu sein, wenn es gerade möglich ist und warum sollte ich nicht glücklich und traurig zugleich sein dürfen? 

Liebe Gesellschaft, ich will an dieser Stelle mal meine Weltanschauung kundtun: Ein Mensch ist mehr als eine Charaktereigenschaft, hat mehr als ein Talent und mehr als ein Gefühl. Alles hat seinen Platz und nichts ist richtig oder falsch, besser oder schlechter. Es liegt nun mal an uns Menschen, dass wir verschieden sind. Es ist vollkommen egal ob wir monogam, polygam, verliebt, verzweifelt, verwirrt, irgendwas zwischen alldem, all das gleichzeitig oder schlichtweg zufrieden mit uns selbst sind – es ist wie es ist und es ist völlig okay!
Das Einzige was nicht okay ist, ist die Tatsache, dass man dies auch im Jahr 2017 immer noch erklären und immer wieder betonen muss.

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2 Kommentare zu „Was mich im Leben nervt: Die Gesellschaft und Liebeskummer.

  1. Hey Vickie, Du weisst, dass es da zwei Leute mehr gibt, die Dich lieben, wie Du bist? Ich finde Deine Texte sowas von gut geschrieben und stehe auch zu allem, was Du hier so an Meinungen äusserst. Und die Fotos sind so toll. Hoffentlich treffen wir uns ja mal wieder. Dann gibt es auch Bio-Schokolade.

    1. Lieber Bernd, wie schön von dir zu lesen und dann auch noch so liebevolle Zeilen, ich danke dir! Ein Treffen und Schokolade nehme ich gerne an! 🙂 und hoffe es geht Euch gut, ich denk ganz oft an euch! Liebst, Vickie

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