Auf Reisen: Halt den Sommer fest in Budapest

Neulich hatte ich Geburtstag und anlässlich dieses tollen Tages schenkte mir Hasi ein Rätsel in Form eines Puzzles. Ich nahm das erste Teil, irgendwas mit blauem Hintergrund und einem Türmchen drauf, und sagte: Oh toll, wir fahren nach Budapest! Hasi, verwirrt und schockiert von meiner blitzschnellen Auffassungsgabe, hat mir tatsächlich einen kleinen Ausflug in die schöne Donaustadt geschenkt und so verbrachten wir das letzte Wochenende bei feinstem Sommerwetter in der ungarischen Hauptstadt.


Als ich heute früh aus dem Haus ging, wehte mir eine eiskalte Brise frische Herbstluft um die Nase und sorgte für die unschöne Erkenntnis, dass hier in Berlin jetzt wohl endgültig Herbst ist. Deprimierend. Schließlich war ich bis zuletzt noch auf der Suche nach dem Sommer, der dieses Jahr scheinbar ausgefallen ist. Klar, es gab einige (herz-)erwärmende Momente, die ich für mich festgehalten und aufgesaugt habe, aber der Gedanke
an Kälte und Dunkelheit stimmt mich gerade alles andere als fröhlich. Und ich habe das Gefühl, dass mich diese ewig dauernde kalte Jahreszeit mit jedem Jahr mehr und mehr fertig macht. Mental alles andere als bereit für Schals und dicke Jacken, will ich mich verweigern, irgendwo in den Süden ziehen, wo immer Sommer ist und schwelge melancholisch in Erinnerungen. An dieses leichte Gefühl luftiger Kleidung, an das Gefühl von Sand unter den Füßen, nassen Haaren und Sonne auf der Haut und im Herzen. Ginge es nach mir, käme nach dem Sommer gleich wieder Sommer als neue Jahreszeit. Aber wer fragt mich schon? Niemand. Also bleibt mir wohl nichts anderes übrig, als den Verlust des Sommers voller emotionaler Dramatik und Melancholie zu betrauern, mir einen neuen Wollpulli zu kaufen und in Erinnerungen an die wohl letzten schönen sommerlichen Tage dieses Jahres zu schwelgen. Hier also ein paar Random Reisefactsz aus dem besonders schönen Budapest!


In Budapest stehen einige beeindruckende Hotels, allerdings gibt es auch viele richtig tolle AirBnB Wohnungen. Freunde von mir haben neulich in einem ausgebauten Bunker mit Schaukel und ähnlichen Interior-Späßchen genächtigt, ich bevorzuge die Altbau mit Fischgratparkett-Variante, um mich in Punkto Wohnen ganz hochherrschaftlich in dieser charmanten Stadt zu fühlen. Und zentraler hätte unsere Unterkunft wohl nicht sein können: Direkt vom Bett aus, konnte man den Blick auf Europas größte Synagoge genießen. Wohnhaft in der Dohány utca, der Tabakgasse, waren wir also mittendrin, im hippen (und vor allem wunderschönen!) jüdischen Viertel. Neben schweren alten Möbeln und dem hübschen Parkett hatten wir übrigens auch ein goldenes Bad.


Budapest ist voller Aussichtspunkte, da wären zum Beispiel der Gellertberg oder das Burg- und Schlossviertel. Um die meisten zu erreichen, muss man wandern. Das geht ordentlich in die Beine, wird aber -ist man erstmal oben angekommen- mit einer wunderbaren Aussicht über die ganze schöne Stadt belohnt. Wer faul ist, kann auch eine Runde mit dem Riesenrad drehen, das ist in Budapest vergleichbar mit anderen Städten wie London sehr günstig. (Knapp 5 Euro für mehrere Runden)


Wie schon erwähnt, wohnten wir direkt gegenüber der Synagoge, also mussten wir natürlich auch mal rein. Man sollte sich entsprechend eines Synagogen-Besuchs kleiden, sonst ist man am Ende des Tages der „Tourist of Shame“, der zur Bedeckung der Schultern ein großes Stück Küchenrolle umgewickelt bekommt. Hasi sieht mit einer Kippa übrigens ganz niedlich aus. Gleichermaßen ist die Synagoge auch einer von vielen Gedenk-Orten. An die Erschießungen jüdischer Ungarn, erinnern in der Nähe der Synagoge sechzig Paar Schuhe aus Metall, eines der schönsten und traurigsten Mahnmale zugleich.

 


Ist eine gefährliche Angelegenheit. Autofahrer kennen kein Pardon und nieten dich und dein Fahrrad eiskalt um, wenn es ihnen gerade so in den Kram passt. Mit dem Fahrrad mobil zu sein, macht die jedoch Stadterkundung unglaublich angenehm! Und wir hatten sehr großes Glück mit dem Fahrradverleih Yellow Zebra, der uns die Räder ohne eine horrende Summe an Kaution und sogar bis 21Uhr ausgeliehen und uns obendrein ganz liebevoll Ausflugs-Empfehlungen gegeben hat.

5. Noch mehr Verkehrsabenteuer: Unbedingt mal mit der M1, der Millenniumi Földalatti Vasút, fahren! Sie gehört zu den ältesten U-Bahnen der Welt. Außerdem sind viele der Budapester Bahnhöfe sehr hübsch gestaltet.

An einem 9. September so schönes Wetter zu haben, dass man um 18Uhr im Schein der allmählich untergehenden Sonne im Freibad noch seine Bahnen drehen kann, ist wohl selten und definitiv eines meiner Sommer-Highlights! Das Palatinus Strandbad auf der Magareteninsel hat mit seiner schönen Kulisse (Schwimmbecken, die von Tannenbäumen eingerahmt sind), einem halbstündigen Wellenbad, einem bunten Rutschenturm und warmen Solewasserbecken überzeugt, auch wenn man nach einem Bad in dem warmen Wasser stinkt, wie ein kleines altes Ei. Zum Glück waren ja kaum andere Besucher da, die das riechen konnten, hihi. Auch das Szechenyi Heilbad ist einen Ausflug wert, aber bei knapp 30 Grad war die Vorstellung in einem Warmwasserbecken abzuhängen nicht wirklich erstrebenswert und außerdem ist der Eintritt dort um einiges teurer als im Palatinus.


Den ganzen Tag in der Stadt rumlaufen oder Radeln ist anstrengend und macht hungrig. Wo die deftige ungarische Küche ihren Ursprung hat, weiß ich bis heute nicht. Es ist nicht unbedingt die einfachste Stadt für Veganer oder Vegetarier, aber bisher bin ich immer satt geworden und einige der Lokale sind auch am Aufholen, was das Essen betrifft. Es gibt mittlerweile jede Menge Asia-Food Läden, allerdings will ich in Ungarn lieber landestypische Küche als Pad Thai essen. Abhilfe schaffte da der kleine Streetfood Markt neben dem legendären Kulturcafé Szimpla, der neben Langos und Burger auch veganes Gulasch im Brot zu bieten hat. Auch feurige, gebratene ungarische Paprika ist einfach nur köstlich! Und egal was man isst: Es ist immer fettig und lecker! 🙂


Traue niemals einem Reiseführer aus dem Jahr 2011, denn dann stehst du voller Vorfreude auf Zuckerwatte und Karussell fahren plötzlich vor einem längst geschlossenen Freizeitpark und guckst doof. Alternativ befindet sich daneben jedoch ein Zoo, nicht die ethisch korrekteste aller Freizeit-Beschäftigtigungen aber zumindest gab’s viele süße Tiere: aufmerksamkeitsgeile Riesen-Otter, Erdmännchen, die sich streicheln ließen, flirtende Wellensittiche, kleine Kängurus und diese unfassbar niedlichen Faultiere! Kleines Quiz am Rande: Findet ihr das Faultier-Baby?


Einen Abend waren wir so müde, dass wir ein Stündchen vor dem Fernseher gelümmelt und uns lustige ungarische Musikvideos, sowie Werbung angesehen haben. Der beste Clip war wohl ein Video für ein Mittel gegen Vaginalpilz, in dem die Protagonistin versucht hat, den ungeliebten Gast zwischen ihren Beinen mithilfe eines Gartenschlauches abzuduschen. Genau mein Humor-Niveau! 😀


Das Nachtleben in Budapest tobt, vor allem wenn die Nächte so schön warm sind! Bierfreudige Briten tümmeln sich natürlich vor Pubs, ich mag günstigen Wein und so ziemlich jeden verschlägt es irgendwann mal ins Szimpla Kert, die wohl bekannteste „Bar“, die man auch Ruinen-Bar nennt. Sie besteht aus vielen offenen und unterschiedlich gestalteten Räumen, einem großen Innenhof, mehreren Tanzflächen und Bars und man kann irre viel Klimborium dort entdecken. Neben Partys und Live-Musik mag ich das bunte Publikum dort sehr: Vom Anzugträger bis zum Weltenbummler ist jeder im Szimpla zu finden.  

 

 

 

 

 

Generell ist Budapest nicht nur eine wunderschöne, sondern auch eine sehr offene Stadt mit vielen freundlichen Menschen, viel Kultur und noch mehr schönen Häusern. Ich kann’s kaum abwarten wieder hin zu fahren und behalte die letzten schönen Tage des Sommers ganz fest in meinem Herzen. Wart ihr auch schon mal in Budapest und habt darüber gebloggt? Schickt mir Eure Links, ich will gucken! ❤

Hier noch der letzte Random Fact:


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10 Kommentare zu „Auf Reisen: Halt den Sommer fest in Budapest

  1. Liebe Vickie, nachträglich alles Liebe zum Geburtstag! Budapest ist (bzw. Buda und Pest sind) wirklich eine schöne Stadt, ich würde gern mal wieder hinfahren und schauen, was sich in den 20 Jahren seit meinem letzten Besuch verändert hat…
    ❤ Kathy

    1. Hej Kathy, jaa, da hat sich sicher einiges verändert, in manchen Gegenden wird (ähnlich wie in Berlin) reger Hausbau betrieben, also es werden so unschöne Betonquadrate hochgezogen, die einfach nicht schön aussehen. Zum Glück besteht aber der Stadtkern noch aus ganz vielen schönen Gründerzeit-Bauten 🙂 Und auch sonst ist es wunderbar lebendig, viele junge Leute! 🙂 Würde gerade am liebsten hin ziehen…

      1. So ähnlich wie Dir mit Budapest geht es mir mit Amsterdam, da würde ich am liebsten immer gleich ganz da bleiben, wenn ich ein WE dort verbringe…

  2. Oh, Budapest! Ich war zum Schüleraustausch dort und es war sooo toll und meine Gastfamilie war auch super. Inzwischen war Flora, meine ungarische Austauschschülerin auch bei mir zu Gast. Anfänglich war ich etwas unsicher, ob ihr meine Heimatstadt überhaupt gefällt, denn Budapest ist wirklich um einiges cooler, aber sie war total begeistert. Inzwischen planen wir schon unsere nächsten Treffen. 😉

    Einen Blogpost habe ich bisher noch nicht über Budapest geschrieben. Wir haben dort soviel gesehen und gequatscht, dass ich meinen Blog völlig vergessen habe. Ich bin wohl eine schlechte Bloggerin. Aber manchmal ist das wirkliche Leben einfach zu schön für Fotos. 🙂 Beim nächsten Mal werde ich aber fotografieren was das Zeug hält.

    LG von Charli

    1. Liebe Charli, so ein Schüleraustausch ist ja mega cool! Wir hatten nur einmal einen, irgendwo in die Tschechische Provinz, bei dem ich auch gar nicht beteiligt war, weil ich glücklicherweise in einem Englisch-Sonderkurs war und mit denen nach ganz UK gefahren bin, aber nur zu Gastfamilien. Ich finde es super, dass du die Stadt lieber genossen und aufgenommen hast, als wild rum zu fotografieren, man sieht viel mehr von der Welt, wenn man mit offenen Augen durch geht, anstatt nur Bilder für instagram&co zu machen! Bist also keine schlechte Bloggerin!!! 🙂 ❤

  3. Pingback: Life Update 10/17

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