Die Queen war bei der London Fashion Week – leider ohne mich!

All the feels:
Mit voranschreitendem Alter wird man ja angeblich bezüglich dieser Lebensnummer ein bisschen klüger. Ich bin mir da noch nicht ganz sicher, ob ich dem zustimmen kann, denn ich bin zwar heute älter als letztes Jahr, aber das Chaos in mir ist irgendwie das Gleiche. In mir tobt und tost ein Wirbelsturm, gleich der Wellen, die ich schon in Cornwall gegen die Klippen der Küste rauschen sehen kann. Ich kann den frischen Wind schon fühlen, den Sand unter meinen Füßen förmlich spüren und das Salz auf den Lippen schmecken. Es fühlt sich wunderbar lebendig an. Ich freue mich so auf frische Luft, endlose Weiten, auf das Abenteuer Cornwall – und gleichzeitig bin ich furchtbar unruhig, seit ich gestern Abend so richtig realisiert habe, dass die Zeit hier in London so gut wie vorbei ist. Panik macht sich breit. Wie immer wenn ich hier in Großbritannien bin, bin ich einfach noch nicht bereit, wieder zu gehen. Nein. Alles in mir sträubt sich. Und dann wäre da noch die Frage danach, wo die Zeit eigentlich geblieben ist und wie es überhaupt sein kann, dass die Zeit so unfassbar schnell dahin rast. Ist ja fast schon eine Unverschämtheit!
Ich weiß noch, wie ich mich als Kind mal bei meiner Mama beklagte, dass ich noch sechs Wochen bis zu meinem Geburtstag warten muss, damals eine Ewigkeit! Und was sind ein paar Jahre später acht Wochen? Ein Wimpernschlag der Zeit. Und ich komme nicht mehr mit, ich komme nicht hinterher. Ich bin älter geworden und ich weiß trotzdem nicht, wie man den Moment lebt. Wie man im Hier und Jetzt weilt, ohne Panik, ohne die innere Unruhe, dass das alles viel zu schnell vorbei ist. Ich wusste, dass die Zeit in London schnell vergehen wird, aber so schnell? Unglaublich. 
In meinem Hinterkopf sitzt meine Therapeutin verschmitzt in ihrem Sesselchen und grinst: „Sehen Sie, sie haben definitiv ein Problem mit Abschieden, ich hab’s Ihnen ja gleich gesagt“ triumphiert sie. Schön, dass sie das so toll analysiert hat, aber die Lösung wie man mit Abschieden umgeht, hat sie mir natürlich nicht verraten. Mit dieser glorreichen Erkenntnis auf mich selbst gestellt bleibt mir nur eins: Der Versuch, mir die nahe Zukunft möglichst nett zu gestalten und mich auf alles zu freuen, was kommt. Weil das auch schön wird. Nur halt nicht in England.

vickie-goes-greenwich

Eine Sache bringt aber die Erfahrung des Wachsens mit sich: Ich weiß, ich kann die Zeit nicht aufhalten, nicht anhalten aber ich kann mich entscheiden. Ich kann mich von Ideen, Dingen und Vorhaben verabschieden, wenn ich merke, dass es zeitlich nicht funktioniert. Ein Beispiel: Ich wollte einen Beitrag über meine Erfahrungen bei der London Fashion Week machen. Und danach ein neues Life Update. Ich werde es aus Zeitmangel nicht schaffen. Deswegen wird dies ein sehr langer Beitrag, der alles in sich vermischt. Erlebnisse, Erfahrungen, Gefühle. Ein buntes Durcheinander, so wie ich es gerade bin. Und es ist okay für mich, seit ich beschlossen habe, das so zu machen. Dies gilt auch für einige andere Sachen. Ich habe gelernt einzuschätzen, wann es sich lohnt, sich für bestimmte Sachen zu stressen und wann es viel befreiender wird, die Dinge nicht zu wichtig zu nehmen und einfach los zu lassen. 

But this isn’t giving up, no this is letting go

Ich könnte die Fashion Week theoretisch auch ausführlich besprechen, wenn ich Zeit und Ruhe dafür habe, aber 1. wird das eh nicht der Fall sein und 2. ist diese Form von Veranstaltung so schnelllebig, dass es spätestens eine Woche danach eh nicht mehr von Relevanz und Interesse wäre. Deswegen hier der vielleicht kürzeste Fashion Week Bericht, den ich jemals geschrieben habe:

vickie-goes-london-fashion-week-aw-2018

1. Das Ober-Highlight: Womit vertreibt sich eine 92-jährige Lady, die ganz beiläufig den Titel Queen trägt, ihre Freizeit? Genau, sie geht zur London Fashion Week! Da kam sogar Mode-Oberchefin Anna Wintour nicht mehr aus dem Grinsen heraus. Gemeinsam amüsierten sich die beiden bei der Show des britischen Designers Richard Quinn und zogen in der Frontrow wahrscheinlich mehr Aufmerksamkeit auf sich, als die vom Designer präsentierten Leder-Kleidchen. Und ich war nicht dabei. Not amused!!! 

2. Ich hätte nicht gedacht, dass ich die Berliner Fashion Week mal loben werde, aber im Gegensatz zu London ist in der Heimat alles deutlich besser organisiert und strukturiert. Selbst Angestellte in einer Location wussten in dem Gebäude, in dem sie gearbeitet haben, nicht wo ich hin muss. Also kam ich zu spät zu einer Präsentation und habe nur noch das letzte Kleid gesehen. 
3. Selbstdarsteller gibt es überall. In Berlin nervt mich das schon immer sehr, aber das Selbstdarstellungsgame wird hier in London auf einem ganz anderen Level gespielt: Vom operierten Gesicht bis zum aufgeplusterten Ego wollen alle nur eins – Gesehen werden. Und natürlich fotografiert. Die vermeintlich coolen London Streetstyle Kids stehen bei jedem Event vor der  jeweiligen Location und mit viel, wirklich viel Glitzer, Regenbogenfarben, TamTam und eigentlich allem, was in irgendeiner Form auffällt, präsentieren sich die Attention-Seeker vor den Kameralinsen der Fotografenmeute. 
4. Ich habe mich gefragt, wieso man das macht? Was diesen Leuten im Leben fehlt? Und ob das wirklich Spaß macht? Und mal wieder gemerkt, dass mich das weder bereichert, noch inspiriert und ich mein Leben lieber mit anderen Dingen fülle. (Okay, das ist jetzt wirklich sehr kurz, mir ist in diesen Tagen echt ne ganze Menge mentaler Bullshit durch Kopf und Herz gegangen und ich war tatsächlich aufgrund all dieser Gefühle nicht fähig am Samstag das Haus zu verlassen, aber das ist eine andere Geschichte.)
5.  Mein emotionales Highlight war ein Mädchen, das mich gefragt hat, warum „die Leute“ (also die Fashion Crowd) alle so merkwürdig angezogen sind. Ich hätte sie am liebsten ganz doll geknuddelt, hihi.
6. Was ich sehr mochte, war die Möglichkeit weitere neue Orte in London zu entdecken, die man sonst vielleicht nicht besuchen würde, zum Beispiel die opulente Freimaurerhalle oder das Royal Horseguards Hotel, dessen Toiletten-Vorraum schon so groß war, wie meine ganze Wohnung. Natürlich mit Kamin.

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7. Mein Mode Highlight war die Show von Dr. Pam Hogg, einer britischen Designlegende, die seit den 80er Jahren Mode macht und genau so viel Punk ist, wie ich es mal wieder sein sollte. Nicht nur während der Fashion Week, sondern generell ist London ja eine riesen Inspirationsquelle für coole Styles, fernab vom deutschen Einheitsbrei. Ich mag das und hoffe, dass ich davon ein bisschen was mit in die Heimat nehmen werde!

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Living Legend & die coolste Braut der gesamten LFW: Pam Hogg und ihre Model-Girlgang! ❤

Ach ja. Und was war sonst so los? 
Die besten Freunde von Hasi sind vorbei gekommen und wir hatten ein erlebnisreiches Wochenende. Wir waren im Skygarden, einer kostenlosen und der wohl coolsten Aussichtsplatform, die mit ihren ganzen Pflanzen einem botanischen Garten ähnelt (Danke Timmie! <3), sind kilometerweit durch die Stadt gestreunert, haben in einem wunderschönen Pub gegessen und in unserem Stammpub getanzt und waren bei einem Konzert im Koko, der wohl grandiosesten Konzertlocation, die ich jemals in meinem Leben gesehen habe. Sonntags ging es zum Gottesdienst in der Westminster Abbey, wo ich mal wieder für mich gemerkt habe, dass ich mit Glauben und Kirche leider wirklich gar nichts am Hut habe und tingelten wir im Bus gemütlich nach Greenwich. Auch von dort aus hat man eine wunderbare Aussicht über London, wer sich aber auf den Nullmeridian stellen will, muss zahlen. Dafür ist das naheligende National Maritime Museum für umsonst und mindestens genauso spannend wie die Ausstellungen im Royal Observatory, wo sich alles ums Weltall dreht. Dort haben wir übrigens das älteste Objekt aller Zeiten angefasst, einen 4,500,000,000 Mio Jahre alten Stein. #wow Wir waren zwischen Wolkenkratzern auf den Isle of Docks unterwegs und natürlich auf dem Camden Market. Irgendwann zwischendrin habe ich noch den Portobello Road Market und die umliegende Gegend mit ihren zauberhaften bunten Häuschen erkundet und mich ein bisschen für die Fashion Week neu eingekleidet. Nach dem Besuch kam der Pancake Day, bei dem die Leute in einem Wettrennen um die goldene Pancake-Bratpfanne kämpfen und Spenden für gute Zwecke sammeln. Und der Valentinstag, an dem Hasi mich mit einer Bootstour auf der Themse überrascht hat. Dann ging der Fashion Week Trubel auch schon los, zwischendurch gab es noch das Chinese New Year zu feiern und ich bin mit Hasi durch das Bankenviertel gezogen, weil da Sonntags kein Mensch anzutreffen ist und man die prächtigen Gebäude wie z.B. die Bank of England, die Guildhall und St Dunstan in the East, die coolste Kirche Londons, in Ruhe bestaunen kann.  Weiter ging es mit dem Besuch eines meiner liebsten Lieblingsgirls, einem Ausflug in die National Gallery und einer kurzen aber schönen Zeit.

dav
shiny happy people in london
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Happy Chinese New Year!

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Lost in this amazing colour! ❤

Hell No: Ich habe 12 Pfund in Karten für eine richtig coole Party, die die alten Emo- und MySpace Zeiten würdigt investiert und bin nicht hin gegangen, weil ich nach einem ausgiebigen Abendessen und zwei Gläsern Wein zu müde war. Natürlich ärgere ich mich wie verrückt! Zumal der Sänger von Yellowcard dort als DJ aufgelegt hat. Wann bin ich so alt geworden?? 

Gehört: Und wenn wir schon bei Musik sind, ich hätte es wirklich nicht gedacht, aber das neue Album von Slaves ist richtig gut geworden! Ich mag die Songs Patience is the Virtue und Let This Haunt You bisher am meisten und bin wirklich stolz auf Drogen-Jonny Craig, dass er sein Leben scheinbar mal halbwegs im Griff hat und die ganze Schönheit seiner Stimme wieder zum Vorschein kommt.

Ich würde gerne: Mir als Erinnerung an die Zeit hier ein Tattoo stechen lassen. Irgendwas Dummes, ein Herz mit einem Union Jack drin. Oder eine Telefonzelle. Aber ich glaube, daraus wird nichts mehr, schade schade!

Aufgeregt: Über Arbeit- bzw. Auftraggeber, für die man zum Teil umsonst arbeitet oder für kleines Geld – die dann auch noch mehr als besprochen erwarten oder über zu lange Zeit nörgeln, die manche Dinge eben benötigen. Wann hat die Welt angefangen zu erwarten, dass manche Menschen sich und ihr eigenes Leben komplett für andere aufgeben? Und dann nicht mal Geld dafür bekommen. Nee sorry, aus dem Alter bin ich wirklich raus.

Auf dem Plan: Die letzten Tage mit noch mehr lieben Freunden verbringen, die zu Besuch kommen, meinen Kram fertig erledigen und dann auf auf nach Cornwall! Klippen, Küste, Wind und Meer – ich kann es kaum erwarten! Denn wahrscheinlich ist das die geheime Lösung zum Thema Abschiede: Weiter gehen, einfach immer weiter gehen…
if-we-were-meant-to-stay

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