Life Update 4/18: Wer bin ich & was mache ich eigentlich hier?

Boscastle, Cornischer Norden. Hand in Hand stehen wir auf den Felsen aus Granit. Der Himmel ist nicht blau, er ist grau, aus dicken Wolken nieselt es unaufhörlich vor sich hin und mit voller Wucht tost das Meer gegen die Klippen.
Ich wünschte, ich könnte diesen Moment konservieren, am besten in einer Flasche, so wie einen edlen Tropfen, den man über Jahre im Schrank aufbewahrt und von dem man ab und zu mal einen Schluck nimmt, an guten Tagen oder an schlechten. An Tagen, an denen das Fernweh nach der Heimat des Herzens laut wird…

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Natürlich hat es keine sieben (eher so drei) Tage gedauert, da hat mich die Heimkehr-Depression schon voll und ganz erwischt. Am Anfang war es noch lustig: Jede Ecke, jede Straße, jeder Stein so vertraut. Der Berliner Boden, auf dem ich aus Unwissenheit darüber, wo sich meine Fahrkarte befand, bereitwillig entlang lief, fühlte sich so herrlich heimelig an. Wie ein oller Flausche-Teppich, der eigentlich längst entsorgt gehört, von dem man sich jedoch aus Liebe zu den guten alten Zeiten nicht trennen kann. 

Drei Tage später nervt mich schon der bloße Blick aus dem Fenster in die blasse Beton-Tristesse. „Der Frühling kommt“, wurde prophezeit und wie alle anderen Menschlein warte ich mit einer immensen Ungeduld auf wärmere Tage. Die Realität besteht jedoch aus Minusgraden und eingefrorenen Fingern, so manch ein Autofahrer hält es nicht für notwendig für Fußgänger zu bremsen und die Barfrau einer ollen Kneipe serviert mir einen Drink mit Dreck und pöbelt als ich sie freundlich darum bitte mir einen neuen zu machen – Jubel, Trubel, Pöbelei, Welcome back in Berlin!

Am liebsten möchte ich gerade den ganzen Tag weinen und mich selbst bemitleiden. Weil ich Berlin so hässlich finde. Weil der Boden hier kein liebenswürdiger Flauscheteppich, sondern kalt und dreckig ist. Weil mir die oberflächliche Höflichkeit der Engländer genauso fehlt, wie Cream Tea, Scones und die Schönheit dieser Insel generell. Meine Ankunft glich eher einer Bruchlandung, mitten in einen Berg aus Chaos, das mich emotional viel stärker mitgenommen hat, als ich es im entsprechenden Moment bemerkte. Ich habe mich vielleicht etwas zu schnell auf die Sorgen und Probleme meines Umfelds eingelassen, als erstmal sanft zu landen und für mich anzukommen. Denn gerade jetzt könnte ich ein Aufgefangen werden gut gebrauchen, ein bisschen Mut, ein bisschen Trost, ein bisschen Ablenkung, ein bisschen Frühling, Ermunterung oder alles zugleich. Die doofe Frage, wer ich überhaupt bin und wo ich wirklich hin gehöre, sitzt mir hartnäckig und quälend im Hinterköpfchen und das nervt!

Aber auch wenn die Erkenntnis darüber, was ich in den letzten Wochen alles hatte und nun nicht mehr habe (und damit meine ich keine Konsumgüter, sondern eine große innere Freiheit und Ruhe!) genauso sehr schmerzt, wie die Tatsache, dass die schöne Insel so weit weg ist, bin ich gewillt, dem Pessimismus keine große Chance zu geben. Ich habe keine Lust auf ein schweres Herz voller Melancholie, ich habe Lust auf neue Abenteuer und darauf, mir die gleiche (oder zumindest eine ähnliche) innere Freiheit hier zu erkämpfen!

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Berlin wird niemals so schön sein wie London.

Was war sonst so los: Die letzten Tage in London waren toll, es kamen noch super liebe Freunde zu Besuch, mit Hasi war ich in den Harry Potter Studios, wo es die ganzen Original Kulissen, Kostüme und Requisiten zu bestaunen gab, es folgte ein großes Schneechaos und ganz London sah in Weiß noch schöner aus als sonst schon. Nach einer langen Zitterpartie und diversen Zugausfällen haben wir es letztlich nach Cornwall geschafft, wo wir eine super Rundreise hingelegt haben, bevor es zurück nach Deutschland ging. Außerdem hat uns das Umherreisen mit ständig wechselnden Unterkünften einigermaßen darauf vorbereitet, jetzt in Berlin noch bis Anfang April Wohnungslos zu sein. Und auch wenn es unruhig und anstrengend ist, ist so ein Vagabunden-Dasein auch irgendwie sehr lehrreich!

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New In: Meine erste quietscheentchengelbe Regenjacke – die wohl beste Investition aller Zeiten! Ich habe schon ewig nicht mehr „so viel“ Geld für ein Kleidungsstück ausgegeben aber wie Hasi (zu Recht) meinte, ist das eine Investition für’s Leben. Wind und Regen können mir in diesem Ding gar nichts mehr anhaben, ha!

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Gefreut: In England sieht man häufig Fasane in freier Wildbahn, das fand ich voll schön. Am Berliner Stadtrand war das in meiner Kindheit auch möglich, jetzt aber nicht mehr. Ich vermute mal, dass die Fasane alle nach England gezogen sind, hihi.

Hell Noo: Meine liebe Esra wollte mich aufmuntern und zu einem Spontantrip nach Görlitz zum Euro Fashion Award mitnehmen. Dann hat sich aber herausgestellt, dass der Veranstalter ein richtig mieser Typ ist. Winfried Stöcker, Eigentümer des Kaufhauses Görlitz und Geldgeber hinter dem Award, ist offensichtlich sexistisch, rassistisch und mit Aussagen wie „Zeugt viele Kinder, dass wir dem mutwillig herbeigeführten, sinnlosen Ansturm unberechtigter Asylanten etwas entgegensetzen können“ schlichtweg ein Arschloch! Genau wie die beiden Absolventinnen der UDK, die sicherlich auf den Award und das Geld angewiesen wären (großen Respekt an ihren Mut und ihr Statement!!!), wollen wir so einen Menschen nicht unterstützen und überlegen uns jetzt eine Alternative!

Voll Bock auf: Neu einrichten! Am liebsten würde ich zwar komplett umziehen, um mir eine neue Wohnung ganz im Stil eines englischen Pubs einzurichten, aber für’s Erste reicht mir auch ein Make Over meines Zimmers. Mal gucken was dabei raus kommt, Geld und vor allem Platz sind begrenzt – allerdings sehe ich da auch die gute Chance weiter auszumisten und mich von Kram zu trennen, den kein Mensch braucht! Und ein Tag mit den Lieblingsfreundinnen auf dem Flohmarkt war auch noch nie die schlechteste Idee…

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Auf dem Plan: Eine ganze Menge! Auch wenn er noch auf sich warten lässt, freue ich mich auf den Frühling und schmiede schon eifrig Pläne, wo es mich dieses Jahr noch hin verschlagen könnte, ich habe Lust mein Fahrrad frühlingsfit zu machen und zu radeln, endlich wieder zu Gärtnern und kleine neue Pflanzen aufzuziehen und vor allem arbeite ich gerade an zwei Blogposts über Cornwall, denn über Cornwall habe ich noch einiges zu erzählen! Ach, und sowas wie Arbeiten steht ja nebenbei auch wieder an… Also wenn ich eine Sache über mich selbst sicher sagen kann: Langeweile kenne ich zumindest nicht!

Und wer weiß, vielleicht finde ich ja noch meinen Frieden damit, wieder hier zu sein… Bis bald ❤

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