Cornwall für Anfänger

15 Tage ist es nun her, dass ich in Cornwall war und weil das in meiner Erinnerung noch halbwegs frisch ist und ich zum ersten Mal im südwestlichsten Landesteil von England war, bin ich jetzt Expertin auf dem Gebiet Cornwall für Anfänger. Und weil der ausführliche Beitrag zu meinem Cornwall-Abenteuer noch in Arbeit ist, kehrt an dieser Stelle und nach langer Abstinenz endlich mein allseits beliebter How To Ratgeber (alle Ausgaben gibt’s hier) mit den wirklich klugen Tips für alle Lebenslagen zurück! Heute geht’s also um Cornwall, los geht’s!

1. Zeiten
Erste und wichtigste Regel: In Cornwall gibt es zwei Jahreszeiten. „In der Saison“ und alles andere. Wer nicht in der Saison da ist, ist wirklich wegen Cornwall hier, erklärte ein (äußerst liebenswürdiger! aber tatsächlich) bärtiger alter Mann im Pub. Im Winter leben so etwa 500.000 Menschlein in Cornwall, im Sommer sind es an die fünf Millionen!
Es war wunderbar Cornwall so ganz ohne Menschen und Touristen-Ströme zu entdecken und zu erleben, allerdings schlägt die Nicht-Saison jedoch auf viele Öffnungszeiten & Co, sodass wir des öfteren vor verschlossenen Türen von Lokalen, Museen und sogar Toiletten standen. Auch an Frühstücks- Mittags- und Abendbrotzeiten, sowie frühe Schließzeiten der Geschäfte muss sich der verwöhnte Berliner, der zu jeder Zeit alles haben kann, erstmal gewöhnen.

2. Essen
Der traditionelle Klassiker ist Cornish Pasty. Mjam Mjam Mjam! Pasty sind gefüllte Teigtaschen, die nicht nur super lecker, sondern auch sehr sättigend sind.  
Ihre Ursprünge gehen bis ins 13. Jahrhundert zurück, die Kruste am Rand ermöglichte es den cornishen Bergarbeitern in den Zinn-Minen mit schmutzigen Fingern zu essen und obendrein noch einer Arsenvergiftung zu entgehen. Denn die meisten Bergleute kamen in ihrer Essenspause nicht Übertage, sodass sie sich auch nicht waschen konnten. Um das giftige Arsen, das beim Abbau von Zinn freigesetzt wird, nicht mit der Nahrung zu sich zu nehmen, hielten sie die Teigtaschen an der dicken Kruste, während sie den Inhalt der Tasche aßen. Die kontaminierte Kruste warfen sie anschließend weg. Voll schlau, praktisch und obendrein noch umweltfreundlich in der Verpackung.
Klassische Füllungen sind übrigens aus Fleisch, aber auch Meeresfrüchte oder Obst wurden seit jeher eingebacken. Und heutzutage gibt es auch viele vegetarische oder vegane Füllungen, yippieh!

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Oggy Oggy? Oi Oi Oi! – Hast du Hunger? Ja!

Übrigens: Laut Wikipedia werden pro Jahr über 120 Millionen Cornish Pastys hergestellt, mit denen ein Handelswert von knapp 300 Millionen Pfund pro Jahr erwirtschaftet wird. Dies entspricht ca. 20 % des Gesamtumsatzes von Cornwalls Lebensmittelmarkt. Über Pasty lässt sich eine Menge erzählen, man kann sie aber auch schlichtweg einfach nur futtern (und genießen!).

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Wie man ein Pasty nicht hält // am westlichsten Punkt des englischen Festlandes.
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Scones + Cream Tea = Liebe!

Ach und dann wären da ja noch die Scones. In Cornwall habe ich Scones so richtig lieben gelernt! Im Gegensatz zum restlichen Teil Englands, wo Scones zuerst mit Clotted Cream und dann mit Erdbeerkonfitüre bestrichen werden, werden die süßen Teigteilchen in Cornwall zuerst mit Erdbeerkonfitüre und dann mit Clotted Cream bestrichen – das ist zwar etwas komplizierter, schmeckt aber wirklich ganz anders und meiner Meinung nach noch viel besser!

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3. Trinken
Ist viel günstiger als in den Londoner Pubs! Ich weiß nicht wie es sich „in der Saison“ verhält, aber Anfang März war ein Pint im Pub nur halb so teuer wie in London.

4. Kein Wasser
Außerdem ist Leitungswasser im Gegensatz zu London in Cornwall trinkbar, allerdings ist der Wasserdruck so unfassbar niedrig, dass unter Umständen auch einfach mal gar kein Wasser mehr aus dem zuvor eh schon nur tröpfelnden Hahn kommt. Haare waschen unmöglich. Als perfekte Cornwall-Reisefrisur empfiehlt sich wohl ein Kurzhaarschnitt…

5. Alles ganz anders im Schwimmbad
An einem stark verregneten Tag (und weil ich duschen wollte!) ging es mit Hasi ins Schwimmbad. Die versprochenen Schwimm-Attraktivitäten (Rutsche, Whirlpool, Wellenbad usw.) waren alle nicht funktionstüchtig und nach 40 Minuten Planschen -für die wir stolze sieben Pfund Eintritt bezahlt haben- wurden wir aus dem Becken gepfiffen. Dafür habe ich dann im Schwimmbad ungefähr genauso lange geduscht, hehe.

6. Bereite dich auf Häuser ohne Türschloss oder Schlüssel vor
In einer unserer Unterkünfte gab es weder Türschloss noch Schlüssel. Das Haus war (oder besser ist) immer offen. Und oh Wunder: Niemand ist reingekommen, niemand hat was geklaut. Sehr ungewohnt, aber dennoch schön so ein Frieden und Vertrauen in die Umgebung! 

7. Ein Paradies für Hundefreunde
In Cornwall sind Hunde wirklich überall willkommen, das ist soo schön! Viele Menschen haben natürlich mindestens einen Hund, alle Hunde dürfen überall hin (ein Hund saß auf einem Barhocker am Tresen im Pub hihi) und an jeder Ecke stehen Wassernäpfe für die Vierbeiner.

8. Kein Verkehrsnetz? Lüge!
Generell wird empfohlen Cornwall mit dem Auto zu bereisen. Um überall anzuhalten und spontan etwas zu sehen ist das sicher auch eine gute Variante. Allerdings habe ich vorab gelesen, dass es kein gutes Verkehrsnetz in Cornwall gibt. Das stimmt nicht! Ja, man muss sich darauf vorbereiten, dass manche Busse nur einmal pro Stunde fahren, aber man kann sich mit ganz normalen Linienbussen rumkutschieren lassen und die schöne Aussicht genießen. Die normalen Tickets sind bezahlbar und mit einer Tageskarte, die zwar 12 Pfund kostet, lässt sich entspannt so einiges sehen.

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Das Meer immer im Blick, so mag ich das!

9. Bus fahren ist aber auch immer ein Abenteuer!
Mal davon abgesehen, dass es weder Haltestellen, noch Schilder, noch sonstige Hinweise darauf gibt, wann ein Bus oder ein Fahrgast erscheinen, funktioniert es unglaublich gut, dass Menschen irgendwo im Nirgendwo stehen, der Bus kommt und sie mitnimmt. Wie das funktioniert ist mir bis heute ein Rätsel, hat jedoch etwas angenehm heimeliges. 
Weniger angenehm ist es dagegen, wenn sich auf einer der wirklich schmalen Straßen (manchmal so etwa ein Meter, vielleicht auch ein Meter fünfzig) ein Bus und ein anderes Fahrzeug begegnen! Die Busfahrer manövrieren sich tollkühn überall durch – ich als Autofahrer würde in Panik geraten!

10. Schuhe
Ich lachte noch über einen Ratgeber, der dazu riet, keine Flip Flops einzupacken. Wer packt denn bitte auch Flip Flops zum Wandern ein? Mein Tipp: Pack die bequemsten und ollsten Schuhe ein, die in deinem Schrank stehen! Meine Schuhe kann ich nach diesem Ausflug durch jede Menge Modder auf Wanderwegen, die noch sehr viel schmaler sind als die Straßen, wohl Wegschmeißen.

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Wanderwege so breit wie exakt zwei Füße. Ein kleines bisschen Matsch inklusive.

11. Das Wichtigste
Du findest Schätze wenn du nach Cornwall fährst. Egal ob Pub-Juwelen, erzählfreudige aufgeschlossene Menschen, kleine und große Naturwunder – wer nach Cornwall fährt, findet auf jeden Fall einen großen Schatz! 🙂

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