Was mich im Leben nervt: Die Gesellschaft und Liebeskummer.

Als ich heute morgen aufgestanden bin und sich beim Blick aus dem Fenster die Wolken dunkelgrau am Himmel zusammenzogen, dachte ich „heute ist ein guter Tag für ein kräftiges Unwetter“. Für Blitz, Donner und stimmungsuntermalende Regenströme, die ans Fenster prasseln, während ich mit dem Plan das Haus nicht zu verlassen, drinnen sitze und traurige Lieder höre.

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Heute ist außerdem ein guter Tag, um meinem Bananenblatt beim Sterben zu zusehen und zu überlegen, wie es deinem Bananenblatt so geht. Es ist längst tot, richtig? Es ist so tot, wie alles für dich, was je mit mir zu tun hatte.
Heute ist auch ein guter Tag, um dämliche Gedichte zu schreiben.

Und heute ist vielleicht ein guter Tag, um die Wahrheiten in den Zeilen sämtlicher Sad Songs aus meinem Kopf zu löschen.
Heute ist aber auch ein guter Tag, um alle alten Sachen zu verbrennen und die Kaffeemaschine, deren Existenz dir sicher nicht mal mehr bewusst ist, zu verkaufen. Heute ist ein guter Tag für ein gewaltiges Donnerwetter!

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Mit 19 habe ich etwas nicht verstanden: Eine Freundin trennte sich von ihrem Freund, weil deren Beziehung aus tausenderlei Gründen nicht mehr funktionierte. Trotzdem litt sie jahrelang unter der Trennung: Sie liebte ihn noch immer, wusste aber dass es einfach nicht funktioniert. Was meinem Verstand damals so fern war, erscheint mir heute logisch, denn während man sich als verlassener Mensch unter Umständen in Liebeskummer und Selbstmitleid suhlen kann und obendrein noch tröstende Beileidsbekundungen von Freunden und Familie erhält, bekommt man als Beziehungs-Beender lediglich ein Böse Böse – du hast ihn/sie so verletzt direkt ins Herz gestempelt.

Warum sagt eigentlich niemand zu einem Beziehungs-Beender: Hey, Glückwunsch, du hast es geschafft zu erkennen, dass dir etwas ganz gewaltig nicht gut tut, du hast erkannt, dass du dich so verändert, dich so selbst verloren hast, dass du aus dieser Situation raus musst und du hattest den Mut, wohlwissend, dass es furchtbar schmerzhaft sein wird, für dich einzustehen und dich aus einer ungesunden Beziehung zu lösen. Warum sagt niemand: Toll, du bist so viel mehr wert, alsdass deine Bedürfnisse nicht beachtet werden, ausgerechnet von dem Menschen, dem du dein ganzes Herz geschenkt hast ?

Wäre es nicht genau das, was in Zeiten des elendigen Selbstliebe Trends alle einander raten sollten?

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Und warum muss ich mir dann von der Seite, von einem vermeintlichen Freund anhören, dass „ich mich mal nicht so haben soll“, wenn ich über meine komplizierte emotionale Bindung zu meinem Ex-Freund sprechen will? Ist eine Wunde weniger schlimm, wenn man sie sich selbst zufügt? Gestern Abend begann ich also eine sinnlose Diskussion, um die festgefahrene Meinung, dass es mir „besser“ geht, weil ja schließlich ich die Beziehung beendet habe und außerdem jetzt jemand Neuen an meiner Seite weiß. 
Ja, da ist jemand an meiner Seite, jemand der mich aufgefangen hat, jemand der mich hält, mich so vieles lehrt, mich erobert, mich ärgert und nur so semi fähig ist zu kuscheln. Jemand, der auf mich zugeht, offen ist für wagemutige Pläne, spontane Ausflüge und intime Gesprächsthemen. Jemand, den ich mag.

Aber hat das im Umkehrschluss auf meine vergangene Beziehung zu bedeuten, dass die Trennung für mich automatisch viel leichter ist? Nein!
Wer hat bloß diese kuriose Idee in die Köpfe der Menschen gepflanzt? Und seit wann geht es nach Trennungen darum, wem es hinterher „besser“ geht? Beziehungsenden als Ego-Show? Nein Danke!!!

Viel zu oft lag ich Nachts heulend auf dem kalten Küchenboden, voller Selbstzweifel ob getroffene Entscheidungen richtig oder falsch waren, ob ich richtig oder falsch bin, oder gar Polyamor. Vielleicht bin ich Polyamor, vielleicht aber auch nicht. Was ich sicher weiß ist, dass Polyamorie in der Gesellschaft ein missverstandenes Thema ist und ich viele gesellschaftliche Konstrukte mittlerweile so richtig scheiße finde und da absolut keinen Bock mehr drauf habe.

Nur weil irgendwo, irgendwann, irgendwer mal beschlossen hat, wie die Dinge sein sollen.

Wer hat jemals bestimmt, dass man nur einen Menschen in seinem Leben lieben und mit ihm/ihr seine ganze Lebenszeit verbringen sollte?
Wer hat jemals festgelegt, dass mit dem Ende einer Beziehung auch automatisch auch sämtliche Gefühle für einen Menschen enden?
Wer hat jemals bestimmt, dass sowohl Frauen als auch Männer sexy oder klug sind, wieso dürfen wir nicht jeder einfach alles sein? Schön und schlau, dazu noch interessiert, mitfühlend, wehleidig und stark zugleich? Egal mit welchem Geschlecht, Glauben und Gewicht?
Wer hat jemals die hässliche Behauptung aufgestellt, dass hängende Brüste unerotisch sind?

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Wenn ich Lust habe, meine Weiblichkeit zu leben, dann mach ich das auch. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass ich nicht noch 1000 andere Fähigkeiten und Interessen habe.

Die (also meine!) Wahrheit ist doch die: Alle Brüste hängen, das ist natürlich. Und des Weiteren es ist eine wunderbare Fähigkeit, mehreren Menschen und unseren Brüsten Liebe und Zuwendung schenken zu können! Was soll dieses nicht endende Schwarz-Weiß-Sehen in einer Welt voller bunter Farben? Wirklich, ich ertrag das nicht mehr!

Jeder von uns kämpft so hart mit sich, da braucht niemand soziale Kontakte, die einen noch mehr runter ziehen. Notiz an mich selbst: Verbringe deine Zeit lieber mit Menschen, die dich stärken.
Mich nervt diese Gesellschaft, die nicht differenzieren kann, wie vielfältig die Dinge sind, wie viele kleine komplexe Universen in jedem einzelnen von uns stecken und dass der Großteil der Dinge einfach mehr ist, als ein „Jetzt hab dich mal nicht so“. Warum sollte ich es mir verwehren glücklich zu sein, wenn es gerade möglich ist und warum sollte ich nicht glücklich und traurig zugleich sein dürfen? 

Liebe Gesellschaft, ich will an dieser Stelle mal meine Weltanschauung kundtun: Ein Mensch ist mehr als eine Charaktereigenschaft, hat mehr als ein Talent und mehr als ein Gefühl. Alles hat seinen Platz und nichts ist richtig oder falsch, besser oder schlechter. Es liegt nun mal an uns Menschen, dass wir verschieden sind. Es ist vollkommen egal ob wir monogam, polygam, verliebt, verzweifelt, verwirrt, irgendwas zwischen alldem, all das gleichzeitig oder schlichtweg zufrieden mit uns selbst sind – es ist wie es ist und es ist völlig okay!
Das Einzige was nicht okay ist, ist die Tatsache, dass man dies auch im Jahr 2017 immer noch erklären und immer wieder betonen muss.

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Schwimmtiere, die viel cooler sind als dein langweiliges Einhorn

Pünktlich zum Sommerbeginn hat mich eine schlimme Allergie befallen: Ich ertrage keine Einhörner mehr.
Vom Klopapier bis zum Milchshake wird ja seit geraumer Zeit alles mit den Fabelwesen verkauft, als ob es heutzutage keinen anderen Weg mehr gäbe, die vom Konsum übersättigte Menschenmasse zum Kauf anzuregen. Drucken wir also überall Einhörner drauf, lautet die wohl lahmste Marketingstrategie aller Zeiten. Einhorn is everywhere, sogar auf dem billigsten Bier bei Netto. Gähn!

Und als wäre diese ganze Einhorn-Produktmaschinerie nicht genug, explodierte letztes Jahr – genau genommen eigentlich vorletztes Jahr, als Taylor Swift todesmutig einen Schwan ritt und damit den Instagramtrend schlechthin setzte – der Trend des begleiteten Badevergnügens. Das Schwimmtier ersetzte im Sommer promt die schicke Designertasche.
Und obwohl ich noch nie von schwimmenden Einhörnern gehört habe, tümmelten sich diese urplötzlich an Pools und Badestränden. Jeder, der was auf sich hält, zeigt sich mittlerweilen an der passenden Wasserstelle in Begleitung eines Flamingos, Donots oder eben Einhorns. Noch nie hat mich ein medialer Trend so gelangweilt und jedes Mal erleide ich einen heftigen allergischen Anfall, nicht zuletzt beim Gedanken an das ganze Plastik, das bei der Schwimmtierherstellung verbraten wird. Da spür ich förmlich die Einhornkotze in mir aufsteigen. 

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Als ich noch klein war und der familiäre Ausflug zum Badesee zelebriert wurde, war das höchste der Schwimmtier-Gefühle ein bunter, aufblasbarer Wasserball. Damit hatte man noch echten Spaß: Man konnte das Ding anderen Badegästen gegen den Kopf werfen, seine Freunde zum weit raus schwimmen zwingen oder sich dran klemmen – und das alles ganz ohne den Zwang, ein perfektes Instagram Foto zu machen. Nur wer richtig cool und/oder reich und/oder krass war, hatte eventuell ein Aufblaskrokodil.

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Meine Freundin Christina ist cool und hat ein Schwimmhorn. Ich glaube aber nicht, dass ich automatisch cooler bin, weil ich da drauf sitze.

Das OK Magazine behauptete tatsächlich in einem Artikel es wäre „out“, sich heutzutage ohne Schwimmvieh ans Wasser zu begeben. Wie bitte? Bin ich wirklich uncool, wenn ich den Sprung in den Badesee meines Vertrauens ohne Plastik-Partner wage? Ich sage: NÖ!

Falls Euch aber die Angst befällt eventuell doch uncool zu sein, präsentiere ich an dieser Stelle ein paar aufblasbare Badebegleiter, die viel besser sind als der Einhorn-Einheitsbrei. Auf in die Wasserschlacht, ein bisschen Badespaß muss schließlich sein! 

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Vogelkunde leicht gemacht: Jeder der mich kennt, weiß um meine Vorliebe zu niedlichen Piepmätzen. Einen Flamingo erkennt ja jedes Kind! Diese Geier dürften sicher für mehr Naturvielfalt am Badesee sorgen.
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Planschen macht hungrig. Ich möchte aber, dass die Schwimmtier-Erfinder endlich mal ne Tüte Pommes auf den Markt bringen, die gehört ja wohl zu jedem anständigen Freibad Besuch dazu!
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Ich war noch nie in München schwimmen, aber bei der Überlegung, dass da vielleicht wirklich Typen mit Badelederhose und Schwimmwurst abhängen, ist das auch kein Sommerziel für mich. Da ich so viel Heimatstolz insgeheim aber doch beneide, wünsche ich mir einen Berliner Schwimmfernsehturm!
Und sollte jemals eine Lederhose irgendwo rumschwimmen, lässt sich mit diesem Schwimmscheiß bestens kontern:

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Ich liebe bis heute den ersten Teil von Free Willy, allerdings bin ich schon als Kind nicht damit klar gekommen, dass der arme Orcawal sein Dasein in einem Freizeitpark verbringen musste. Dieser Badewilly gibt mir das Gefühl zurück, dass jeder Fisch frei sein kann, wenn ihm der gemeine Mensch nicht in die Quere kommt. Hach!

Und auch dicke Walfischies sollten mehr auf den Seen dieser Welt zu sehen sein! Denn 1. sind Waale voll selten und 2. kommt nun mal nicht jeder so schön und schlank, anmutig und grazil daher, wie der feine Schwimmschwan. Ist mit den Menschen am Strand schließlich genauso und überhaupt nicht schlimm. In diesem Sinne: Happy Plansching! 🙂

Mfg, die Belanglosigkeit.

Eben saß ich in der Bahn und habe mich beim Lesen von Sebastian Lehmanns Buch Kein Elch. Nirgends kringelig gelacht. 


Traurige Gesichter starrten mich entsetzt an und promt folgte eine Bahndurchsage: „Beep, Beep, Victoria, was fällt dir ein zu lachen? Du hast gar nix zu lachen, also raus hier!“ Gackernd verlasse ich das öffentliche Gefährt – wenn man nicht lachen darf, wird es ja immer nur noch schlimmer- eine Station zu früh und laufe über die Elsenbrücke nach Hause. Dabei lache ich laut dem Wind in sein Gesicht, den stört meine Kringeligkeit nämlich nicht.


Hach ja: Sad Sad is everywhere. Lachen ist verboten, wir sind schließlich alle deprimiert. Die Menschlein quälen sich durch ihr gottverdammtes Leben, basteln sich Online-Identitäten aus perfekten Welten, ertrinken und versinken im schönen Schein und knallen sich im echten Leben irgendetwas Betäubendes rein (unbewusster Reim an dieser Stelle), weil sie -wie ich- alle nicht so richtig klar kommen, auf ihr Dasein.


Sechzehnuhrvier: Zuhause angekommen, schlurft meine Mitbewohnerin verschlafen aus ihrem Zimmerchen, ihre Wäsche hat sie heute Früh in Form eines großen Kleiderknäuels auf unserem Wohnzimmertisch platziert, ihn seitdem keines Blickes mehr gewürdigt und verständnislos glotzend fragt sie mich „Was lachst du so?“. Na toll, die auch noch, denke ich mir und wir beschäftigen uns mit Kaffeetrinken.

Statt meine unter dem Wäscheknäuelberg verloren gegangenen Unterlagen zu sortieren und wichtige Papiere dem Finanzamt zu schicken, hocke ich seit Wochen in der Küche, kippe mir einen Kaffe nach dem nächsten hinter, zwischendrin mal ein Gösser oder Pfeffi, je nachdem was der Geldbeutel eben gerade so hergibt und frage mich, was mir all die klugen Wesen raten würden, die sich ebenfalls schon mit Sinn und Unsinn unserer Existenz auseinander gesetzt haben. Vielleicht sollte ich Freud oder Bukowski mal auf einen Kaffee einladen, für Bukowski bin ich auch gewillt, das lebenserhaltende Heißgetränk mit einem Schuss Pfeffi zu verfeinern. Da die Anwesenheit beider zu einem Kaffeekränzchen jedoch eine unrealistische Angelegenheit ist, tröste ich mich mit dem Gedanken, dass in Berlin doch eh alle arbeitslos, verzweifelt und ohne Geld sind und ein durchaus hilfreiches Gemeinschaftsgefühl keimt in mir auf.

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Da sich zumindest meine Mitbewohnerin mit einem schnöden Supermarktjob glücklich schätzen darf, muss sie leider die Wohnung verlassen und ich kann mir den Tag hübsch alleine vertrödeln. Den Nachmittag verbringe ich also damit, dass ich laut Musik hörend, die Nachbarn mit meinem schiefen Gesang (oder eher Geschrei) belästige und hunderte von Sätzen in meinen Computer tippe, die dann am Ende des Monats immer noch keinen sinnvollen Text ergeben. In der Hoffnung, dass er sich von alleine füllt, starre ich den leeren Kühlschrank an und füttere meinen ebenfalls leeren Magen mit der Hoffnung, dass aus mir eines Tages noch eine erfolgreiche, zufriedene Person wird, deren sinnlose Texte gelesen und gemocht werden. Oder einfach nur bezahlt, das würde mir unter Umständen natürlich auch schon reichen, die Belanglosigkeit lehrt einen schließlich Bescheidenheit.

Siebzehnuhrsieben: 

Traurig lassen meine Pflanzen ihre Blätter hängen und auch die teuer neu-erworbene Zitronengurke (von dem Geld hätte ich mir dreieinhalb Gössi kaufen können) auf dem Balkon konnte ich nicht vor ihrem Tod durch windbedingtes Abknicken bewahren. Ich sollte eine Trauerfeier organisieren, stattdessen gieße ich die Blumen mit kaltem Kaffee und checke meine Mails. Mein Postfach ist voll mit Urlaubs- und Shopping Sonderangeboten, doch ich lese immer und immer wieder die gleiche Mail „Vielen Dank. Wir haben Ihre Bewerbung erhalten und werden uns in Kürze bei Ihnen melden. Bis dahin haben sie eine gute Zeit.“ Danke, ich hätte sicher eine gute Zeit, wenn ich in all meinem Life-Schlamassel wenigstens Geld hätte. Randnotiz: Liebes Finanzamt, frag bitte die Fahrschule nach meinem Geld, die hat es nämlich. 



Ich überlege einen Ratgeber zu schreiben, wie man sich möglichst sinnfrei aber dafür mit Genuss das Leben vertrödelt. Stattdessen schwelge ich in Erinnerungen: Bibibibibibibibibibibiiiieb, machte ich unaufhörlich, als ich am Montagabend von drei Afri-Cola völlig aufgedreht, unter dem hell leuchtenden Vollmond auf der Oranienstraße in Kreuzberg rumsprang,  er mir einen Kuss auf die Stirn gab und „Du brauchst wirklich einen Job“ sagte, bevor wir nach Hause hüpften. Ich krame in meinem Kopf und finde keine Erinnerung an die Zeit, in der ich noch locker 12 Stunden meines Tages im Sinne der Arbeit verbrachte und glücklicher war, als an diesem Abend.

Siebzehnuhrsiebenundzwanzig: Auf meinem Telefon finde ich einen verpassten Anruf und des Zeitvertreibs wegens, rufe ich zurück. „Hallo, es grüßt und herzt Sie die zentrale Rufnummer der Belanglosigkeit, Willkommen in ihrem sinnlosen Leben. Wir wollten Ihnen nur mitteilen, dass Sie als Modejournalistin völlig überflüssig sind und das Weltkommitee für unnütze Konsumgüter lieber Blogger und Instagramstars für das Bewerben dämlicher Produkte bezahlt. Übrigens: Ihre Existenz ist vollkommen unnötig, Sie kriegen ja eh nichts gebacken, schönen Tag noch!“ 


Das JahresRückBlick GIF 2016

Nachdem ich das letztes Jahr schon so supergrandiostoll gemacht habe (hier könnt Ihr es nochmal sehen), komme ich an dieser Stelle nicht umher, als letzten Blogpost 2016 einen Gesamt-Jahresrückblick in Form eines neuen, spektakulären GIF zu machen!

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Mir ist natürlich nicht entgangen, dass dieses Jahr für viele Menschen nicht so geil war – allerdings ist natürlich immer die Frage, ob für die vielen verschiedenen Schicksale immer einfach so ein bestimmtes Jahr verantwortlich gemacht werden kann!? Und ob durch den bloßen Wechsel des Kalenderblatts plötzlich alles besser wird?!?

Mein 2016 war ebenfalls schwierig. Freude und Trauer lagen oft beieinander und erwiesen sich als treue Begleiter.

2016 habe ich gelernt, dass wir manchmal gehen müssen, wenn uns bleiben kaputt macht. Auch wenn es großen Schmerz bedeutet. Wir können unseren Problemen und schwierigen Gefühlen nicht davonlaufen. Wir können uns nicht verstecken. Denn je mehr wir es versuchen, desto mehr wachsen diese Gefühle in unserem Inneren, wie ein Alien, das uns dann irgendwann auffrisst. Was wir nicht zulassen, kann uns nicht loslassen. Und was wir verdrängen holt uns immer wieder ein. Und ja: Es tut weh, sich mit unbequemen Wahrheiten auseinander zu setzen. Sehr weh.

2016 habe ich mich viel gefragt. Wie das zum Beispiel geht, mit dem Leben. Wie man ein glücklicher Mensch wird. Wie man seine innere Leere füllt, abseits von Konsum (von was auch immer).

2016 habe ich viel vermisst.

2016 war ich haltlos, viel unterwegs. Jobbedingt in allen möglichen Städten quer durch Deutschland. Aber ich war auch reiselustig und unterwegs: In London, in Brighton, in Lissabon, in Budapest (Reisebericht folgt!). Ich war Wildcampen auf Rügen, der wohl schönste Tag des Jahres. Mit meinen Mädels auf dem Müggelsee. Und an meinem Geburstag auf der Pfaueninsel. 

Und ja, bei aller Traurigkeit und bei aller Schwierigkeit kann ich dem Jahr 2016 jede Menge fröhliche Momente zuschreiben. Nur, ob die Stunden im Fahrschulauto zu den fröhlichen Momenten gehören, da bin ich mir noch nicht so sicher. Aber ja: Ich habe endlich angefangen meinen Führerschein zu machen! Ein großes Abenteuer für mich!  Schließlich würde ich 2017 gerne mit einem Auto losfahren und ganz viele Orte auf der Welt erkunden, die ich noch nicht gesehen habe. Reisen und Entschleunigen, das sind meine großen Pläne und Wünsche für 2017.

die-wu%cc%88rze-im-lebenLeben und Erleben, das ist mein Ziel für das kommende Jahr und obwohl ich so gar keinen Plan habe, was überhaupt auf mich zukommt, hoffe ich, dass ich dieses Thema ein bisschen mehr in den Fokus des Blogs rücken kann. Ich hab keinen Bock mehr auf den ganzen Konsumkram, den ich hier zwar eh schon weitesgehend auslasse, aber von dem (gefühlt) die ganze Welt gefressen wird. Das regt mich auf und wie schon erwähnt: Ich habe da keine Lust mehr zu.

Worauf ich 2017 aber Lust hätte, wäre eine eigene Wohnung. Der Berliner Wohnungsmarkt ist der pure Horror aber ich träume von Raum für mich, von einem Ort, an dem ich mich entfalten und sein kann wie ich will. Mal sehen ob das klappt. Gedrückte Daumen oder Wohnungsangebote nehme ich also gern entgegen! 🙂

Soa, genug der Schwafelei! Jetzt fliegen gleich die Löcher aus dem Käse und bevor alle Polonaise tanzen und Konfetti schmeißen, gibt es hier mein grandioses GIF (mit so einem leichten komischen blaustich, von dem ich nicht weiß, warum der da ist, HMPF)! TÄM TÄM TÄM TÄM!

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Feiert schön und kommt gut ins neue Jahr!

Tattoo 2k16: Viel viel bunte Haut

Wenn mich im Jahr 2016 etwas abseits von Herzschmerz, Musik hören und Fahrschule beschäftigt hat, dann war es bunte Haut. Okay, Tattoos beschäftigen mich schon seit immer (mein Erstes habe ich mit 13 stechen lassen #würdeichmeinemkindnichterlauben #aberdankemutti) aber dieses Jahr habe ich auffällig viel Zeit bei meinem Tätowierer vertrödelt und ein bisschen was von meinem hart verdienten Kleingeld bei ihm gelassen. Andere investieren in Handtaschen, ich in farbenfrohe Freude für meine Seele.

Ja, es kann sein, dass ich vielleicht irgendwann mal irgendwas bereuen werde, aber das Leben ist kurz, bunte Haut schön und ich bin ganz nah bei jeder kleinen „Geschichte“, die mir meine Tattoos so erzählen. Also so richtige Geschichten sind es nicht – eher Bedeutungen für mich, Erinnerungen, Hinweise. So steht zum Beispiel mein Walfisch in der Glasflasche dafür, dass es schwierige Gemütszustände im Leben gibt und geben kann – man sich aber bei aller Kraftlosigkeit aus allem befreien kann, was einen bedrückt. Mein Walfischie, wie ich ihn liebevoll nenne, hat die Stärke sich aus schwierigen Situationen zu befreien, er hat Kraft. Und ich auch, ich weiß das. Nur manchmal ist man eben vergesslich. (Da hilft dann also ein rascher Blick auf den Bauch, haha)
Trotz dem ein oder anderen Hinweis an mich selber, bin ich der festen Überzeugung, dass man sich auch einfach etwas tätowieren kann, weil man es schlichtweg schön aussieht. Und sollte etwas mal weniger schön sein, hilft im Glücksfall ein Cover-Up. Das habe ich zumindest dieses Jahr erfolgreich hinter mich gebracht und lasse Euch hiermit under my skin, wie es zumindest Avril Lavigne sagen würde.

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Mein erstes Tattoo 2016 kam auf meinen Rücken und ist sehr persönlich, weshalb ich es hier nicht zeige. Aber auf alle anderen könnt ihr jetzt einen Blick erhaschen. Ich war übrigens immer beim gleichen Tätowierer, er ist der coolste Spanier in Berlin! 🙂

Nach dem ersten Streich auf dem Rücken wurde erstmal mein Segelboot ausgemalt, die Outlines dafür hatte ich schon im Vorhjahr machen lassen.

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Es folgten zwei Rosen, die mein Tätowierer einfach per Hand auf meine Schulter malte und an denen ich mich riesig erfreue, weil Form und Farbe einfach wunderbar gelungen sind.

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Dann folgte mein Walfischie und die Erfahrung, dass tätowieren im Bauchbereich sehr schmerzhaft ist. Au.girls-with-tattoosZum Geburtstag meines Papas schenkte ich mir (und ihm) ein Papa-Gedenk-Tattoo, das an ein Foto aus meiner Kindheit anlehnt. Er hält mich als gut verpacktes Baby in seinen Armen und passt auf mich auf. Da ich aber kein Fan realistischer Darstellungen bin, habe ich es umgewandelt, indem wir ihn als dicken Seebären und mich als kleines Walfisch-Baby dargestellt haben. Und weil mein Tätowierer so ein cooler Typ ist, kann man solche Ideen auch immer ausführlich mit ihm besprechen oder diskutieren. Auch mein Papa-Tattoo liebe ich sehr – er würde wohl meckern, wenn er es sehen könnte, ich allerdings denke immer an einen wunderbaren und liebevollen Menschen zurück. ❤

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Nach dem Seebären ging es weiter mit einem kleinen Seil, dem keine große Bedeutung hinzuzufügen ist. Aber es fühlt sich wie ein praktisches Armband an, das nie im Weg ist hihi.

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Nach einer kleinen Sommerpause ging es dann im Herbst weiter mit einer großen Arbeit. Aus meiner Teenager-Tattoojugendsünde, einem Tribal im Leistenbereich, wollte ich etwas Neues machen. Nicht weil ich das Tribal so schlimm fand – im Gegenteil: Es war immer für einen Lacher gut, aber ich mochte es tatsächlich nicht mehr sehen. Also kam zu den anderen Seemotiven passend, ein Oktopus drüber. Und ich sags euch: Es war schmerzhaft. Sehr sehr schmerzhaft. Aber es hat sich gelohnt!

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Passend zum Ungetüm der Tiefen der Meere musste dann noch ein Hinweis her:

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Und zum Jahresabschluss folgte noch ein etwas größer geratenes, als gedachtes Motiv mit Vögeln. Genau genommen ein Kardinal und eine Krähe. Old crows, young cardinals. Musik-Fans wissen wovon bei diesem Tattoo die Rede ist #theonlybandever aber auch so sind Kardinal und Krähe nicht nur zwei tolle Piepmätze, sondern ein wunderbares Sinnbild für Jugend und Lebendigkeit und das zum Leben dazugehörende Alter inklusive Weisheit. Remember that!

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Soa, da das Leben manchmal so trist und grau ist freue ich mich über bunte Farbe, bin aber erstmal so Tattoo-Überladen, dass ich vorerst keine weiteren Pläne habe. Aber mal sehen wie lange dieser Zustand andauert. Das kommende Jahr wird’s zeigen. 🙂

 

Happy Vickie! 28 voll Random Facts about Me

Liebe Leute, wenn Ihr das hier lest, habe ich den Club 27 irgendwie überlebt! Yaaay! In der Vickie-Welt beginnt also ein neues Lebensjahr und weil ich mir unter der Zahl 28 jetzt nichts weiter Besonderes vorstellen kann, habe ich mich mal kurz auf die Suche nach Bedeutung und Sinn dieser zwei Zahlen gemacht, die in ihrer Quersumme einfach nur 10 ergeben. An meinen 10. Geburtstag kann ich mich noch erstaunlich gut erinnern.

Ein äußerst seriöses Esoterikforum sagt der 28 eine „vitale, stimulierende, erfindungsreiche Qualität, die allzeit bereit zu neuen Taten und Pionierunternehmungen ist“ nach. Und „mit Kühnheit und Courage bist du der Meister deines Schicksals, der souveräne Herrscher deiner Welt. Dein Talent, andere zu inspirieren, dein ausgeglichener Verstand, deine Freundlichkeit und Großzügigkeit, schaffen eine karmische Reaktion, die dir Erfolg und Befriedigung bringt. Du bist für das andere Geschlecht anziehend.“ Höhö. Diese verlockend klingenden Attribute, für die man bestimmt nicht erst 28 werden muss, nehme ich jetzt mal dankend an und lehne mich mit einem guten Tropfen zurück, während es für Euch an dieser Stelle wieder richtig nicht-wissenswertes Vickie-Wissen gibt. Auf ein Neues!

1. Ich liebe es Listen zu führen. Aufzählungen mit Dingen, die ich mag oder eben nicht mag, To-Do Listen, Einkaufslisten, alles was sich auflisten lässt.

2. Ich besitze keinen Hut. Mützen ja, aber keinen Hut.

3. Ich ekel mich nicht vor Vogelfedern. Ganz im Gegenteil: ich sammle einige. Am liebsten die von Elstern, weil die Farben so schön changieren.

4. Und ich sammle die gelben Deckelchen vom Gösser Naturradler. Zur Zeit sind es 84.

5. Ich saß schon häufig auf dem Boden oller Club-Toiletten und habe entweder geheult oder mitten in der Nacht gefühlsduselige Nachrichten verschickt. Ich bin nämlich ziemlich gut in gefühlsduseligen Nachrichten.Und auf dem Boden sitz ich auch ganz gern.

6. Das Leben hat mich aber gelehrt, sie besser nicht abzuschicken. Dann erspart man sich nämlich jede Menge Peinlichkeit am nächsten Morgen.

7. Wenn ich zu Liedern mitsinge, singe ich auch immer die Instrumente mit.

8. Ich hasse es, wenn fremde Menschen ganz dicht hinter mir laufen oder stehen.

9. Man ist kreativer, wenn man unglücklich ist. Fester Grundsatz in meinem Leben, dem jeder Widerspruch zwecklos ist. Wenn ich glücklich bin, bin ich unkreativ. Schließlich bin ich ja dann mit Glücklichsein beschäftigt.

10. Musik ist meine größte Inspirationsquelle.

11. Ich nehme Dinge häufig sehr persönlich und bin schnell bockig.

12. Entgegen dem allgemeinen Ernähr-Dich-Gesund-Wahn muss ich gestehen: Ich esse richtig gerne Chips! 

13. Ich beobachte liebend gern Menschen, kleine Situationen, wie kurze Filme oder Filmszenen und schreibe diese in mein Notizbuch.Aber noch lieber beobachte ich Vögel!

14. Ich finde Bildung sexy. Abgehobenes Ich-bin-ja-so-viel-geiler-als-du-Gehabe hingegen nicht so.

15. Ich würde es befürworten, wenn jeder Mensch das Grundrecht auf eine Stunde Massage und eine Stunde beim Therapeuten in der Woche hätte.

16. Ich vermisse meine Anker-Halstücher. Seit dem letzten Sommer sind sie einfach spurlos verschwunden und sie fehlen mir sehr.

17. Wenn man mich fragen würde, welche berühmte verstorbene Person ich treffen wollen würde, wäre meine Antwort: Mein Papa und mein Opa. ❤

18. Es gibt ein paar Menschen, die in meinem Leben mal eine Rolle gespielt haben, von denen ich zu gerne wissen würde, was aus ihnen geworden ist. Zum Beispiel mein Kindergartenfreund Tim, der schon im zarten Alter von 4 oder 5 Jahren beschlossen hat, mich zu heiraten. 😀

19. Ich verstehe nicht, warum man besetzte Häuser in Städten unbedingt räumen lassen muss, warum der Drang besteht, aus kunterbunten, individuellen Vierteln, glatte, schnöde und belanglose Wohngegenden für steife, schnöde Menschen zu machen.

20. Ich kann gut Dinge wegschmeißen.

21. Tätowiert werden ist ein schönes Gefühl für mich.

22. Ich schiebe schon seit fast einem Jahr einen MRT Termin vor mir her, bei dem gecheckt werden soll, was meine drei Hirn-Aneurysmata so treiben. Au wei. In dieser Röhre zu stecken, ist aber auch einfach nicht geil. 😦

23. Früher hielt ich Kerzen für total überflüssig und verbranntes Geld. Heute mag ich Kerzenlicht und -Duft total gern.

24. Ich habe einen heimlichen Händewaschzwang. Immer wenn ich von Draußen irgendwo rein komme, muss ich mir als erstes die Hände waschen.

25. Ich bin keine Crazy-Old Catlady, sondern eine Crazy-Old Plantlady. Ich liebe meine Pflanzen und passe ganz doll auf sie und ihr Wachstum auf.

26. Mit guter Körperspannung habe ich es nicht so… Aber bei anderen achte ich sehr auf Haltung.

27. Ich würde gern Klavier spielen können.

28. Ich frage mich häufig, an welchem Tag und unter welchen Umständen ich sterben werde. Wahrscheinlich wird es Sarkasmus im falschen Moment sein… 

Heute wird aber erstmal gefeiert! Was gibt es über Euch Unnützes zu wissen? Verratet es mir!

 

Ich bin kein Blogger.

„Aha, und dann bist du also Modejournalistin oder sowas, hast du auch so einen Modeblog?“, fragt der etwas in die Jahre gekommene Fotograf neben mir, der mich mit der Präsentation seiner unscharfen Fotos (wir sitzen in der Front-Row und selbst meine scheiß Handykamera macht bessere Bilder) während der Show von Designer XY davon abhält, mir Notizen zu machen und ich frage mich, wann jemals festgelegt wurde, dass Modejournalisten einen Modeblog zu führen haben. Hat denn jeder Sportjournalist auch einen Sportblog? Oder macht 7 Mal in der Woche Sport? Ein merkwürdiges Gesetz ist das…

„Hast du ne Karte?“, fragt mich später in der Nacht irgendjemand, den ich nicht kenne und nur weil ich ziemlich besoffen bin, krame ich einen meiner selbstgebastelten Papierrestschnipsel aus meinem Portemonnaie, auf denen neben einem ausgestanzten Anker meine mit Fineliner aufgeschriebene Blogadresse steht. Normalerweise habe ich offiziell keine pseudocool designten Visitenkarten, die ich meistens eh hässlich finde und nachdem ich für meine Selfmade-Papierschnipselkarten einmal so unglaubwürdig angeguckt wurde, als käme ich aus einem anderen Universum, verstecke ich sie lieber und nenne die Magazine, für die ich arbeite. Das interessiert die Leute dann meist nicht weiter, weil das Wissen um Modemagazine schnell bei Vogue und der Brigitte aufhört.  Und mit der Vielzahl an gut gemachten Online-Formaten will man ja schließlich niemandem beim Smalltalk überfordern.
vickie-von-freedrinkshain-visitenkartenJa, ich blogge. Und ich blogge mitunter auch ganz gerne. Aber: Ich bin kein Blogger. Ein Blogger arbeitet meiner Sichtweise nach ziemlich hart an einem Projekt, mit dem nicht jeder erfolgreich, reich und berühmt wird. Ich bin nicht darum bemüht das perfekteste aller Fotos zu schießen. Ich bin nicht gewillt das Internet mit irgendwelchem Content zu füllen, mit dem sich jeder beschäftigt. Ich habe keine Lust irgendwelchen Kram zu verkaufen, nur weil er gerade angesagt ist und erstrecht scheiße ich auf einen cleanen grau-weißen Instagram Account, der mal von einem Hauch Rosa oder Babyblau geziert wird! Mir fehlt der Enthusiasmus dazu, irgendwelche Dinge säuberlich geordnet auf einen möglichst hellen Hintergund zu legen. Und
 nicht notwendig zu erwähnen, dass mich Klick- und Followerzahlen herzlich wenig berühren. Bei Gesprächen a la „Also von meinen 20K Followern haben nur 600 mein Bild geliked, ich fühle mich heute soo furchtbar…“ nehme ich sofort reißaus, denn man kann sich bei aller Liebe zu Social Media doch bestens über andere unnütze oder oberflächliche Dinge unterhalten! 



Ich blogge. Weil es mir Spaß macht, weil ich manchmal den Drang habe, der mysteriösen Außenwelt im Internet meinen unnötigen Gedankensenf dazu zu geben. Und weil man mitunter zu diesen lustigen Blogger Events eingeladen wird. 

Regelmäßig bedanken sich Blogger über diese tollen Veranstaltungen, zu denen ich in erster Linie gehe, weil es da Gratis was zu Futtern und Alkohol gibt und obendrein noch eine Tüte Geschenke, die ich meist gar nicht brauche, aber mit denen man seinen Freundinnen immer spontan eine kleine Freude machen kann. Der O-Ton ist dann immer: „Ach Danke, so ein herrliches Event, da konnte ich so viele tolle neue Bekanntschaften schließen und mich endlich mal mit anderen Bloggern austauschen.“ –  Dass ich sozial eher inkompatibel bin weiß ich, vielleicht bin ich einfach nicht zum „Networken“ geboren. Doch wenn ich mich mit Bloggern austauschen will, kann ich das zum Einen auch über deren Blogs tun und zum Anderen stelle ich mir bei solchen Sätzen immer wieder die Frage: Warum trefft Ihr euch nicht einfach? Wieso muss Euch da erst einer ein Event organisieren? Klar gibt es dann keine Goodie-Bags, aber man lernt sich bei einem Kaffee um die Ecke sicher viel authentischer kennen. 

Das führt dann vielleicht zu echten, liebsamen Bloggerfreundschaften. Aber Bloggerfreundschaften sind so ein Ding für sich.
Auch ich habe Freundinnen, die bloggen. Und ich bewundere ihren Ehrgeiz, ihren Eifer und ihre Leidenschaft. Aber das allgemeine Problem mit vielen Bloggerfreundschaften ist und bleibt der Konkurrenzkampf. Jeder will es schaffen. Jeder kämpft. Jeder bloggt. Und nicht jeder wird damit erfolgreich. Und wenn jemand Erfolg hat, muss immer noch mehr drin sein. Versace wirft dir Klamotten hinterher und du darfst im 7 Sterne Hotel in Marrakesch nächtigen? Nicht genug. Es muss doch noch mehr drin sein!
Jeder denkt an sich, an SEINE Follower, an SEINE Fotos, an SEINE Posts. Sagt das nicht schon einiges aus? Verstärkt ging gerade zur Fashion Week das Thema um, dass sich einige Blogger zu zweit ganz anders miteinander verhalten als in Gruppen. Da will jeder Aufmerksamkeit und ein Stück vom großen Kuchen, von dem die Geschmacksrichtung nicht mal ganz bekannt ist. Plötzlich verändern sich diese vermeintlichen Freundschaften, einfach aufgrund der Egomanie. Statt sich also für Bloggerkollegen- und/oder Freunde zu freuen, kommt Neid auf. 
Weil die Bloggerfreundin mit ihrem hübschen Gesicht 200 Follower mehr bekommt, während man selbst zerknittert im Bett liegt und auch das Foto vom perfekten Müsli den Tag nicht mehr retten kann. Weil die coole Bloggerfreundin plötzlich lieber mit jemanden abhängt und Fotos schießt, der noch mehr Follower und somit mehr ‚Nutzen‘ mitsich bringt. Genügsamkeit ist ja sowas von Gestern.
Komische Freundschaften sind das und ich bin froh, dass ein Großteil meiner Freunde fernab der Modebranche sein Geld verdient. Und die, die ebenfalls was mit Mode machen, für die freue ich mich. Egal ob es eine bestandene Masterarbeit in Bekleidungstechnik ist, eine super Blogkooperation oder der endlich ergatterte Traumjob bei einem coolen Label. Ich bin dann immer stolz und bekomme auch ein kleines Stück von der Erfolgstorte ab: Nämlich den Antrieb auch weiter zu machen, egal womit und egal wofür es gut sein wird. Manchmal macht man Scheiß-Erfahrungen, aber man lernt. Und das ist es, was Mode für mich bedeutet und ausmacht: Man hört sein Leben lang nicht auf zu lernen. 



Ich blogge. Aber ich bin auch Journalistin. Ich schreibe für andere Magazine. Ich helfe als Assistentin Stylisten oder übernehme Stylings komplett alleine. Manchmal wandel ich noch auf den Pfaden meiner Schneiderlehre und setze mich an meine leicht-angestaubte Nähmaschine. Die Regelung nur noch einen Jobtitel mit sich rum zu tragen, gilt ja längst nicht mehr. In unseren Zeiten werden die Grenzen immer fließender und ein bisschen Schreibtalent kann das Bloggen genauso gut unterstützen, wie die Fähigkeit gute Fotos zu machen. „Irgendwann musst du einfach von allem etwas können„, sagte schon ein Dozent zu Beginn meines Studiums zu mir. Man kann also nicht mehr nur Blogger sein, man muss sich auch -egal als was- selbst vermarkten können. Und man sollte obendrein auch noch irgendwie alles andere sein. Und das ist schrecklich, denn wer ist denn schon schön und talentiert und alles andere gleichzeitg? Und doch ist es auch irgendwie schön, denn es öffnet uns für neue Dinge, erweitert unsere eigenen Horizonte und stärkt (vielleicht verborgene) Fähigkeiten. Wer will da schon ’nur‘ Blogger sein?