Life Update 6/17: Grandios gescheitert

Dies ist eine Geschichte, die ich nicht unbedingt gerne erzählen mag, wer redet schon gern über Niederlagen? Aber da ich sehr wohl weiß, dass es schlimmere Dinge auf der Welt und in meinem Leben gibt, kommt sie an dieser Stelle doch:

Heute vor einer Woche, gleich ganz früh morgens (wahrscheinlich zu früh!), habe ich etwas sehr Dummes getan. Es wäre lustig, wenn es nicht so tragisch wäre. Ich hatte meine praktische Führerscheinprüfung. Und bin dabei grandios gescheitert.
Angabe auf dem Prüfungsprotokoll: Prüfungsdauer 9.15 Uhr bis 9.17 Uhr. Bumm!
Gleich beim Verlassen des Dekra-Geländes habe ich laut Prüfschein die Sache mit der Vorfahrt vermasselt (darüber lässt sich diskutieren, ich habe schließlich gewartet bis die Verkehrsteilnehmer mit Vorfahrt weg waren und konnte auch nichts dafür, dass da jemand aus dem Nichts plötzlich sehr schnell angerast kam) und „durfte“ also neben meinem völlig entsetzt aussehenden Fahrlehrer schnurstracks zurück auf den Dekra Hof fahren. Als ich um 10.49 Uhr wieder Zuhause war, hab ich mir erstmal ein Gössi hintergekippt. Ich bin noch nie in meinem Leben durch eine Prüfung gefallen.

Ich hatte schon geahnt, dass ich es eh vermasseln werde, jedoch den Fehler, der für’s Nicht-Bestehen sorgt, eher an einer schaltenden Ampel oder einem verkorksten Spurwechsel (in Berlin lässt sich aufgrund fehlender Fahrbahnmarkierungen leider nicht so leicht erkennen, wie viele Spuren manche Fahrbahn hat) vermutet. Aber nicht sofort an dieser Stelle. Wie erwähnt: Eigentlich wäre es fast ein bisschen lustig, so richtig richtig dumm durch die Prüfung zu rasseln (Wenn schon, denn schon!“), wenn ich mich nicht so machtlos, so ohne die wirkliche Chance es überhaupt probiert haben zu können, fühlen würde. 
Nach meinem 10.49 Uhr-Trost-Gössi fuhr ich zu meinen lieben Freunden in den Garten, gestand dort ein wenig geknickt mein Versagen und vertrödelte mir den Tag. So weit so gut. Dinge passieren, kein Weltuntergang.

Letzten Freitag durfte ich dann wieder -natürlich äußerst motiviert- in der Fahrschule zu meiner wohl 1 Millionsten Fahrstunde antanzen. Was am Ende folgte, war Genörgel von meinem Fahrlehrer, den ich mittlerweile leider nur noch als ‚Arsch‘ klassifizieren kann, dass ich bei der erneuten Übungsrunde „alles falsch“ gemacht habe, viel zu ängstlich bin und er mich sowieso in der nächsten Zeit nicht zu einer erneuten Prüfung anmelden wird. Stattdessen hat er mir lieber noch viele neue Fahrstundentermine reingedrückt, die ich mir finanziell gar nicht leisten kann. Und auch gar nicht leisten will. Man kann sein spärliches Geld tatsächlich in viele bessere Dinge investieren, als für das Gefühl ein kompletter Versager zu sein. Den Rest des Tages saß ich mit einem Nervenzusammenbruch apatisch den ganzen Tag zuhause an der gleichen Stelle rum, wollte nicht reden, nicht essen, am liebsten wollte ich nicht mehr sein. (Soviel zum Thema Suicide is over ) Ich hatte wirklich den Gedanken, lieber tot sein zu wollen, als diesem Herrn R. noch einen einzigen weiteren Euro in seinen blöden Fahrlehrer-Rachen zu werfen.

Seit meinem Mental Breakdown am Freitag fühle ich mich leer. Leer und ratlos. Unwissend, wie es nun weitergehen soll. Schmeiß‘ ich die Fahrschule? Oder hilft vielleicht einfach ein Wechsel? Ich weiß es nicht, ich sag ja: Leer und ratlos. Eigentlich hatte ich gehofft, mal wieder ein fröhliches Life Update schreiben zu können, denn wenn es diesen belastenden Punkt Fahrschule in meinem Leben nicht gäbe, wäre es eigentlich ganz schön. Zumindest mit lösbaren Problemen. Die Fahrschule hingegen macht mich nur völlig machtlos, sie lähmt mich. Ich weiß, was ich kann, aber ständig Kritik und das Gegenteil von Vertrauen zu erfahren ist ein Zustand, den ich beim allerbesten Willen nicht länger aushalte.

Mein Gott, es geht hier ums Autofahren, das ist doch nicht so schwer denkt vielleicht der ein oder andere von Euch jetzt. Ja, das stimmt. Ich finde Autofahren auch ganz spaßig. Ohne strenge Beobachtung und Bewertung. Ohne dass mir jemand erzählt, was mein vermeintliches Problem ist. Sondern mit Vertrauen in meine Fähigkeiten.

wer-nicht-kämpft-hat-schon-verlorenSo eine dieser schnöden Lebensweisheiten, an denen ja auch immer ein bisschen was Wahres dran ist. Allerdings kam ich am Freitag nicht umher, mich zu fragen, ob es einen Punkt gibt, an dem man einfach einsehen sollte, dass manche Schlachten nicht zu gewinnen sind? Wie viel Sinn es macht, im Leben Tag für Tag für Tag zu kämpfen und dennoch nichts zu gewinnen? Ob es manchmal besser ist aufzugeben, um sich selbst nicht noch mehr zu schaden?

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Meine Eltern haben mir beigebracht, Dinge durchzuziehen, die Zähne zusammen beißen, nicht jammern, schön auf das hören, was Erwachsene oder Autoritätspersonen zu sagen haben. Und mitten in meinem Nervenzusammenbruch kam die große Erkenntnis: Ich bin auch ein Erwachsener! Und ich als erwachsener Mensch würde mir wohl selber raten, es sein zu lassen.

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Ich kann die Welt auch mit dem Fahrrad bereisen.
Auto fahren ist so scheiß unnötig. Und umweltbelastend. Ja, ich bin ein gottverdammter Öko, was das angeht.
Ich habe nicht einen Monat im künstlichen Koma überlebt, um mich von diesem Scheiß fertig machen zu lassen.
Ich könnte mir von meinem bisschen gesparten Restgeld ein Tattoo stechen zu lassen, ein Flugticket nach Brighton zu kaufen oder neue Schuhe, weil meine schon auseinander fallen.
Ich könnte ein glückliches Leben zu führen, ganz ohne Führerschein. Den brauche ich dafür nämlich nicht.

Morgen habe ich wieder Fahrschule.

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Wie ich nach einem Mental Breakdown nicht aussehe.

 

Mfg, die Belanglosigkeit.

Eben saß ich in der Bahn und habe mich beim Lesen von Sebastian Lehmanns Buch Kein Elch. Nirgends kringelig gelacht. 


Traurige Gesichter starrten mich entsetzt an und promt folgte eine Bahndurchsage: „Beep, Beep, Victoria, was fällt dir ein zu lachen? Du hast gar nix zu lachen, also raus hier!“ Gackernd verlasse ich das öffentliche Gefährt – wenn man nicht lachen darf, wird es ja immer nur noch schlimmer- eine Station zu früh und laufe über die Elsenbrücke nach Hause. Dabei lache ich laut dem Wind in sein Gesicht, den stört meine Kringeligkeit nämlich nicht.


Hach ja: Sad Sad is everywhere. Lachen ist verboten, wir sind schließlich alle deprimiert. Die Menschlein quälen sich durch ihr gottverdammtes Leben, basteln sich Online-Identitäten aus perfekten Welten, ertrinken und versinken im schönen Schein und knallen sich im echten Leben irgendetwas Betäubendes rein (unbewusster Reim an dieser Stelle), weil sie -wie ich- alle nicht so richtig klar kommen, auf ihr Dasein.


Sechzehnuhrvier: Zuhause angekommen, schlurft meine Mitbewohnerin verschlafen aus ihrem Zimmerchen, ihre Wäsche hat sie heute Früh in Form eines großen Kleiderknäuels auf unserem Wohnzimmertisch platziert, ihn seitdem keines Blickes mehr gewürdigt und verständnislos glotzend fragt sie mich „Was lachst du so?“. Na toll, die auch noch, denke ich mir und wir beschäftigen uns mit Kaffeetrinken.

Statt meine unter dem Wäscheknäuelberg verloren gegangenen Unterlagen zu sortieren und wichtige Papiere dem Finanzamt zu schicken, hocke ich seit Wochen in der Küche, kippe mir einen Kaffe nach dem nächsten hinter, zwischendrin mal ein Gösser oder Pfeffi, je nachdem was der Geldbeutel eben gerade so hergibt und frage mich, was mir all die klugen Wesen raten würden, die sich ebenfalls schon mit Sinn und Unsinn unserer Existenz auseinander gesetzt haben. Vielleicht sollte ich Freud oder Bukowski mal auf einen Kaffee einladen, für Bukowski bin ich auch gewillt, das lebenserhaltende Heißgetränk mit einem Schuss Pfeffi zu verfeinern. Da die Anwesenheit beider zu einem Kaffeekränzchen jedoch eine unrealistische Angelegenheit ist, tröste ich mich mit dem Gedanken, dass in Berlin doch eh alle arbeitslos, verzweifelt und ohne Geld sind und ein durchaus hilfreiches Gemeinschaftsgefühl keimt in mir auf.

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Da sich zumindest meine Mitbewohnerin mit einem schnöden Supermarktjob glücklich schätzen darf, muss sie leider die Wohnung verlassen und ich kann mir den Tag hübsch alleine vertrödeln. Den Nachmittag verbringe ich also damit, dass ich laut Musik hörend, die Nachbarn mit meinem schiefen Gesang (oder eher Geschrei) belästige und hunderte von Sätzen in meinen Computer tippe, die dann am Ende des Monats immer noch keinen sinnvollen Text ergeben. In der Hoffnung, dass er sich von alleine füllt, starre ich den leeren Kühlschrank an und füttere meinen ebenfalls leeren Magen mit der Hoffnung, dass aus mir eines Tages noch eine erfolgreiche, zufriedene Person wird, deren sinnlose Texte gelesen und gemocht werden. Oder einfach nur bezahlt, das würde mir unter Umständen natürlich auch schon reichen, die Belanglosigkeit lehrt einen schließlich Bescheidenheit.

Siebzehnuhrsieben: 

Traurig lassen meine Pflanzen ihre Blätter hängen und auch die teuer neu-erworbene Zitronengurke (von dem Geld hätte ich mir dreieinhalb Gössi kaufen können) auf dem Balkon konnte ich nicht vor ihrem Tod durch windbedingtes Abknicken bewahren. Ich sollte eine Trauerfeier organisieren, stattdessen gieße ich die Blumen mit kaltem Kaffee und checke meine Mails. Mein Postfach ist voll mit Urlaubs- und Shopping Sonderangeboten, doch ich lese immer und immer wieder die gleiche Mail „Vielen Dank. Wir haben Ihre Bewerbung erhalten und werden uns in Kürze bei Ihnen melden. Bis dahin haben sie eine gute Zeit.“ Danke, ich hätte sicher eine gute Zeit, wenn ich in all meinem Life-Schlamassel wenigstens Geld hätte. Randnotiz: Liebes Finanzamt, frag bitte die Fahrschule nach meinem Geld, die hat es nämlich. 



Ich überlege einen Ratgeber zu schreiben, wie man sich möglichst sinnfrei aber dafür mit Genuss das Leben vertrödelt. Stattdessen schwelge ich in Erinnerungen: Bibibibibibibibibibibiiiieb, machte ich unaufhörlich, als ich am Montagabend von drei Afri-Cola völlig aufgedreht, unter dem hell leuchtenden Vollmond auf der Oranienstraße in Kreuzberg rumsprang,  er mir einen Kuss auf die Stirn gab und „Du brauchst wirklich einen Job“ sagte, bevor wir nach Hause hüpften. Ich krame in meinem Kopf und finde keine Erinnerung an die Zeit, in der ich noch locker 12 Stunden meines Tages im Sinne der Arbeit verbrachte und glücklicher war, als an diesem Abend.

Siebzehnuhrsiebenundzwanzig: Auf meinem Telefon finde ich einen verpassten Anruf und des Zeitvertreibs wegens, rufe ich zurück. „Hallo, es grüßt und herzt Sie die zentrale Rufnummer der Belanglosigkeit, Willkommen in ihrem sinnlosen Leben. Wir wollten Ihnen nur mitteilen, dass Sie als Modejournalistin völlig überflüssig sind und das Weltkommitee für unnütze Konsumgüter lieber Blogger und Instagramstars für das Bewerben dämlicher Produkte bezahlt. Übrigens: Ihre Existenz ist vollkommen unnötig, Sie kriegen ja eh nichts gebacken, schönen Tag noch!“ 


SUICIDE IS OVER

Es ist Montag, gleiche Zeit, gleicher Ort, wir sitzen da, einander gegenüber. Ich weiß nicht wohin ich gucken soll und spiele wie immer mit dem Zopfgummi an meinem Handgelenk. 
Sie erklärt irgendwas, was ich wie so häufig nicht recht verstehen mag und verloren in der Überlegung, wie sich so viel geistiger Input in eine kleine Stunde packen lässt, sagt sie ganz Beiläufig so etwas wie „Bravo, Sie hängen kaum noch an Ihren suizidalen Gedanken.“ Unsicher, ob sie da gerade Glückwunsch oder Bravo gesagt hat – schrecke ich erst bei suizidal aus meiner Gedankenwirbelei hoch und nehme wieder mit Interesse an dieser Unterhaltung teil. Suizidale Gedanken. Aha.

Sie grinst vorsichtig, so als wäre sie ein bisschen stolz und vielleicht gibt sie sich gerade ein innerliches High Five dafür, dass sie ihren Job richtig gemacht hat. Moment, Moment!  Suizid? Ich bin verwirrt. Und empört! Ich hatte niemals vor, einen Selbstmord zu begehen. Schon gar nicht jetzt, wo mich das Leben von einem schrägen Erlebnis zum nächsten taumeln lässt und meine kleine Welt mehr denn je auf den Kopf stellt.
Nachdem ich mich also kurz empört habe, rudert sie ein wenig zurück. ‚Das ist doch nur das Zeichen dafür, dass Sie dem Leben wieder näher kommen, weil Sie zuvor immer zu sehr auf der Seite des Todes rumhingen‘, erklärt sie. ‚Der Tod ist eben ein netter Homie, auf den ist Verlass. Bei dem einen früher, bei dem anderen später, auf jeden Fall treffen wir ihn alle irgendwann und er bleibt für immer‘, gebe ich zurück. Sie guckt mich entgeistert an und starrt dann aus dem Fenster.

Ist es denn so verwerflich, sich über den Tod Gedanken zu machen? Was ist so schlimm daran, sich damit auseinander zu setzen, dass das eigene Sein auch mal enden wird? Dass Alles irgendwann endet? 



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Schon in der Grundschule bekam ich Ärger, weil ich nicht wie alle anderen Kinder brav ein Gedicht über bunte Blumen schrieb, sondern über Rosen an einem Grab (sind doch auch Blumen!) und das Todesthema beschäftigte mich von der Kindheit, über das künstliche Koma hinweg bis zu meiner Abschlussarbeit in der Uni.

Wer keine Angst vor dem Tod hat, lebt nicht richtig, zitiert meine Therapeutin fleißig eines dieser pseudo-klugen Sprichwörter. Ich hatte nie Angst vor dem Tod. Nur keine Lust darauf, tot zu sein. Aber vielleicht ist etwas Wahres dran, dass meine intensive Beschäftigung mit dieser Form der Endgültigkeit mich tatsächlich mehr vom Leben abgehalten hat, als ich bisher dachte. Oh je.

Mein Leben ist gerade fernab von perfekt: Ich habe weder Job, noch Geld, noch sind alle Wunden verheilt, die mir die Vergangenheit zugefügt hat. Mein Kopf ist voll und gleichzeitig leer, aber ich bin mit so vielen Dingen beschäftigt, dass ich tatsächlich kaum noch dazu komme, mich in der ewigen Grübelei über das Ende meiner Existenz zu verlieren. Ich atme und denke und fühle. Vor allem dieses Fühlen ist eine der schwierigsten Aufgaben. Aber ich übe: Ich lasse zu, was schön sein kann. Ich wehre mich gegen das, was mir nicht gut tut. Ich finde mich selber mutig. Noch nicht schön oder stolz, aber mutig. Ich wachse. Stück für Stück. Und das fühlt sich irgendwie ganz gut an.

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Klar, es gibt neben den wachsenden Positiv-Momenten auch noch viel negtiven Bullshit, der mich immer wieder auf den harten Boden der Realität zurück wirft, aber zumindest befinde ich mich gerade in einer ziemlich intensiven Zeit. Sie ist Erkenntnis- und Lehrreich, aufregend, turbolent, manchmal laut, manchmal ganz ruhig und erstaunlich faszinierend. Ich habe mir schon so oft vorgenommen, ‚jetzt einfach mal zu leben‘, aber meist klemmte ich in den ewig gleichen Mustern fest, planlos von all den Möglichkeiten und Gegebenheiten und dieser Vielzahl an kleinen Dingen, die so ein Leben so richtig lebenswert machen. Statt alles in und von meinem Kopf bestimmen zu lassen, werde ich immer besser darin, die leise Stimme meines Herzens zu erhören (Okay, jetzt klingt es ziemlich esoterisch, sorry!) und mich auf dieses leichte Herzklopfen einzulassen.

Ich hab‘ nämlich keine Lust mehr mich wie Gemüse zu fühlen – ich will erleben, erfahren, Momente sammeln, Bilder an die Wände meines Herzens kleben und einfach alles aufsaugen, was mir begegnet. Meine Therapeutin hat also ein bisschen Recht: Ich habe das Gefühl zur Zeit ziemlich lebendig zu sein. Mein Abstand zum Sterben hat sich vergrößert.

Hell is what you make it

Es ist Freitagabend und die Bahn bummelt sich durch die Dunkelheit. Drinnen saßen stehend Leute, schweigend ins Gespärch vertieft. Und mittendrin ich. Mit müden Augen,  geblendet vom viel zu grellen Kunstlicht, verliere ich mich in den draußen vorbeiziehenden Lichtern, ach könnte die Bahn doch ewig vor sich hin fahren… In der Tiefe meiner Gedanken krame ich nach dem Problem. Die Lösung ist mir schleierhaft, genau wie der Weg. Der Weg nach Nirgendwo, weg von dir, zumindest dieser Teil der Route ist sicher.

Jonny ist mit mir und ich weiß, dass wir gemeinsam einsam einen wunderbaren Abend haben werden, einen dieser vielen Abende, an denen ich einfach nur stundenlang auf dem Bett liege und die Decke anstarre. Seine Stimme dringt tief in meine Ohren, in meinem ganzen Körper breitet er sich aus – so wie sonst nur du dich darin ausbreiten konntest und gemeinsam liegen wir da, Stunde um Stunde und warten, dass es Hell wird. Doch es bleibt Dunkel. Für jetzt, vielleicht für immer, wer weiß das schon.

Zeit haben. Und Geld. Was für ein trauriger Luxus. 
Was wohl der wahrgewordene Traum aller Leute ist, die mir spontan so in den Sinn kommen, ist mein blanker Horror. Stürzt mich in das böse, dunkle Loch. 
Denn was bringen schon Zeit und das liebe Geld?
 Wenn Du nicht einfach losreisen kannst, abhauen, davonziehen? Loslassen. Einfach so, einfach weg, so wie ich von dir gegangen bin. Weil einfach alles zu viel war. Too Close To Touch. 

Was bringen dir Zeit und das liebe Geld, wenn Du sämtliche Konsumgüter einfach nur als Belastung, als überflüssigen Müll empfindest, von dem Du weißt, dass der Kauf deine innere Leere nicht zu füllen vermag? 

Was bringt jede Menge Geld, das du hast und das nicht auf deinem Konto liegt?

Was bringt dir die Zeit, wenn sie sich unendlich und leer anfühlt?

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Unendlich und leer. So viele Zeilen, so viele Stunden. Er singt immer noch. Flüstert mir seine Weisheiten ins Ohr. Und ich bin verloren. So fucking verloren, inmitten all dem Chaos der sich ständig drehenden Welt.

Früher war es so leicht zu wissen wo mein Platz ist. 
Immer auf der anderen Seite. 
Später dann immer an deiner Seite. 
Und heute, heute warte ich nur auf einen weiteren sinnfreien Ratschlag von dir, irgendetwas über mein Leben, was ich selbst schon längst weiß -Dankeschön- und mir niemand mehr sagen muss. Doch stattdessen kommt nur die Ansage der Endhaltestelle; Aussteigen ist angesagt und manchmal sogar doch leichter als man denkt.

Auf dem Heimweg raube ich einen Späti aus, gehe mit mehr raus als ich rein gekommen bin und fühle mich furchtbar schlecht. Schaffe es irgendwie nach Hause, wo ich aufs Bett falle und Jonny, er ist immer noch da, in meinen Ohren, er breitet sich in meinem ganzem Körper aus, so wie sonst nur Du dich darin ausbreiten konntest und während er singt und singt und mich die Dunkelheit fest in ihre Arme nimmt, weiß ich: Dein Neid auf meine Freiheit ist nicht mein Problem.

Ich bin kein Blogger.

„Aha, und dann bist du also Modejournalistin oder sowas, hast du auch so einen Modeblog?“, fragt der etwas in die Jahre gekommene Fotograf neben mir, der mich mit der Präsentation seiner unscharfen Fotos (wir sitzen in der Front-Row und selbst meine scheiß Handykamera macht bessere Bilder) während der Show von Designer XY davon abhält, mir Notizen zu machen und ich frage mich, wann jemals festgelegt wurde, dass Modejournalisten einen Modeblog zu führen haben. Hat denn jeder Sportjournalist auch einen Sportblog? Oder macht 7 Mal in der Woche Sport? Ein merkwürdiges Gesetz ist das…

„Hast du ne Karte?“, fragt mich später in der Nacht irgendjemand, den ich nicht kenne und nur weil ich ziemlich besoffen bin, krame ich einen meiner selbstgebastelten Papierrestschnipsel aus meinem Portemonnaie, auf denen neben einem ausgestanzten Anker meine mit Fineliner aufgeschriebene Blogadresse steht. Normalerweise habe ich offiziell keine pseudocool designten Visitenkarten, die ich meistens eh hässlich finde und nachdem ich für meine Selfmade-Papierschnipselkarten einmal so unglaubwürdig angeguckt wurde, als käme ich aus einem anderen Universum, verstecke ich sie lieber und nenne die Magazine, für die ich arbeite. Das interessiert die Leute dann meist nicht weiter, weil das Wissen um Modemagazine schnell bei Vogue und der Brigitte aufhört.  Und mit der Vielzahl an gut gemachten Online-Formaten will man ja schließlich niemandem beim Smalltalk überfordern.
vickie-von-freedrinkshain-visitenkartenJa, ich blogge. Und ich blogge mitunter auch ganz gerne. Aber: Ich bin kein Blogger. Ein Blogger arbeitet meiner Sichtweise nach ziemlich hart an einem Projekt, mit dem nicht jeder erfolgreich, reich und berühmt wird. Ich bin nicht darum bemüht das perfekteste aller Fotos zu schießen. Ich bin nicht gewillt das Internet mit irgendwelchem Content zu füllen, mit dem sich jeder beschäftigt. Ich habe keine Lust irgendwelchen Kram zu verkaufen, nur weil er gerade angesagt ist und erstrecht scheiße ich auf einen cleanen grau-weißen Instagram Account, der mal von einem Hauch Rosa oder Babyblau geziert wird! Mir fehlt der Enthusiasmus dazu, irgendwelche Dinge säuberlich geordnet auf einen möglichst hellen Hintergund zu legen. Und
 nicht notwendig zu erwähnen, dass mich Klick- und Followerzahlen herzlich wenig berühren. Bei Gesprächen a la „Also von meinen 20K Followern haben nur 600 mein Bild geliked, ich fühle mich heute soo furchtbar…“ nehme ich sofort reißaus, denn man kann sich bei aller Liebe zu Social Media doch bestens über andere unnütze oder oberflächliche Dinge unterhalten! 



Ich blogge. Weil es mir Spaß macht, weil ich manchmal den Drang habe, der mysteriösen Außenwelt im Internet meinen unnötigen Gedankensenf dazu zu geben. Und weil man mitunter zu diesen lustigen Blogger Events eingeladen wird. 

Regelmäßig bedanken sich Blogger über diese tollen Veranstaltungen, zu denen ich in erster Linie gehe, weil es da Gratis was zu Futtern und Alkohol gibt und obendrein noch eine Tüte Geschenke, die ich meist gar nicht brauche, aber mit denen man seinen Freundinnen immer spontan eine kleine Freude machen kann. Der O-Ton ist dann immer: „Ach Danke, so ein herrliches Event, da konnte ich so viele tolle neue Bekanntschaften schließen und mich endlich mal mit anderen Bloggern austauschen.“ –  Dass ich sozial eher inkompatibel bin weiß ich, vielleicht bin ich einfach nicht zum „Networken“ geboren. Doch wenn ich mich mit Bloggern austauschen will, kann ich das zum Einen auch über deren Blogs tun und zum Anderen stelle ich mir bei solchen Sätzen immer wieder die Frage: Warum trefft Ihr euch nicht einfach? Wieso muss Euch da erst einer ein Event organisieren? Klar gibt es dann keine Goodie-Bags, aber man lernt sich bei einem Kaffee um die Ecke sicher viel authentischer kennen. 

Das führt dann vielleicht zu echten, liebsamen Bloggerfreundschaften. Aber Bloggerfreundschaften sind so ein Ding für sich.
Auch ich habe Freundinnen, die bloggen. Und ich bewundere ihren Ehrgeiz, ihren Eifer und ihre Leidenschaft. Aber das allgemeine Problem mit vielen Bloggerfreundschaften ist und bleibt der Konkurrenzkampf. Jeder will es schaffen. Jeder kämpft. Jeder bloggt. Und nicht jeder wird damit erfolgreich. Und wenn jemand Erfolg hat, muss immer noch mehr drin sein. Versace wirft dir Klamotten hinterher und du darfst im 7 Sterne Hotel in Marrakesch nächtigen? Nicht genug. Es muss doch noch mehr drin sein!
Jeder denkt an sich, an SEINE Follower, an SEINE Fotos, an SEINE Posts. Sagt das nicht schon einiges aus? Verstärkt ging gerade zur Fashion Week das Thema um, dass sich einige Blogger zu zweit ganz anders miteinander verhalten als in Gruppen. Da will jeder Aufmerksamkeit und ein Stück vom großen Kuchen, von dem die Geschmacksrichtung nicht mal ganz bekannt ist. Plötzlich verändern sich diese vermeintlichen Freundschaften, einfach aufgrund der Egomanie. Statt sich also für Bloggerkollegen- und/oder Freunde zu freuen, kommt Neid auf. 
Weil die Bloggerfreundin mit ihrem hübschen Gesicht 200 Follower mehr bekommt, während man selbst zerknittert im Bett liegt und auch das Foto vom perfekten Müsli den Tag nicht mehr retten kann. Weil die coole Bloggerfreundin plötzlich lieber mit jemanden abhängt und Fotos schießt, der noch mehr Follower und somit mehr ‚Nutzen‘ mitsich bringt. Genügsamkeit ist ja sowas von Gestern.
Komische Freundschaften sind das und ich bin froh, dass ein Großteil meiner Freunde fernab der Modebranche sein Geld verdient. Und die, die ebenfalls was mit Mode machen, für die freue ich mich. Egal ob es eine bestandene Masterarbeit in Bekleidungstechnik ist, eine super Blogkooperation oder der endlich ergatterte Traumjob bei einem coolen Label. Ich bin dann immer stolz und bekomme auch ein kleines Stück von der Erfolgstorte ab: Nämlich den Antrieb auch weiter zu machen, egal womit und egal wofür es gut sein wird. Manchmal macht man Scheiß-Erfahrungen, aber man lernt. Und das ist es, was Mode für mich bedeutet und ausmacht: Man hört sein Leben lang nicht auf zu lernen. 



Ich blogge. Aber ich bin auch Journalistin. Ich schreibe für andere Magazine. Ich helfe als Assistentin Stylisten oder übernehme Stylings komplett alleine. Manchmal wandel ich noch auf den Pfaden meiner Schneiderlehre und setze mich an meine leicht-angestaubte Nähmaschine. Die Regelung nur noch einen Jobtitel mit sich rum zu tragen, gilt ja längst nicht mehr. In unseren Zeiten werden die Grenzen immer fließender und ein bisschen Schreibtalent kann das Bloggen genauso gut unterstützen, wie die Fähigkeit gute Fotos zu machen. „Irgendwann musst du einfach von allem etwas können„, sagte schon ein Dozent zu Beginn meines Studiums zu mir. Man kann also nicht mehr nur Blogger sein, man muss sich auch -egal als was- selbst vermarkten können. Und man sollte obendrein auch noch irgendwie alles andere sein. Und das ist schrecklich, denn wer ist denn schon schön und talentiert und alles andere gleichzeitg? Und doch ist es auch irgendwie schön, denn es öffnet uns für neue Dinge, erweitert unsere eigenen Horizonte und stärkt (vielleicht verborgene) Fähigkeiten. Wer will da schon ’nur‘ Blogger sein?

Keine Existenzangst.

Ein prima Wochenstart ist, wenn dir gleich am Montag nach der Mittagspause mitgeteilt wird, dass dein Job gekürzt wird. Die Arbeitszeit und natürlich auch das Gehalt.
Ein typischer Fall von das ist das Leben. Auf dem Weg zum Essen erzählte ich meiner Kollegin noch munter, dass ich meine aktuelle Situation sehr genieße: Ein Job der mir Spaß macht, wenig Zeit in Anspruch nimmt und (für mich) finanziell äußerst lukrativ ist. Ich erzählte ihr von freier Zeit, Freude und der Überlegung mir mal einen fetten Luxusurlaub auf einer netten einsamen Insel im indischen Ozean zu gönnen. 

Aber das Leben eines Freiberuflers ist wie das ganz normale Leben: Es ist eben Nichts sicher. Mein Credo lautet All we have is now. Ich sollte es mir mal irgendwo hin tättoowieren. Oder damit die Stadt plakatieren, damit jeder weiß, dass es eben so ist. Wer hat sie schon, diese ewig-währende Sicherheit? Und wer will die überhaupt?

Zum Glück liegt es nicht an mir, sondern an der finanziellen Lage des Unternehmens, in dem ich zur Zeit lässige zwei Tage die Woche tätig bin. (Puh!) Und es gibt Lösungen. Meine Arbeitsstruktur wird sich ändern, sodass ich direkter und zielgerichteter arbeiten kann. Ein Vorteil, wie ich finde. Ich kann andere Jobs machen und meinen jetzigen nebenbei. Noch so ein Vorteil. Ich kann sogar nach England gehen und von dort aus arbeiten. Ein Riesen-Vorteil! In solchen Momenten liebe ich das Internet und die Zeit in der wir leben. Diese Unabhängigkeit.
wege
Wie soll man an einem Montag schon wissen, wohin der Lebensweg einen führt, wenn ein paar freie Tage vor einem liegen und man nicht mal einen genauen Plan hat, wie die Tage von Mittwoch bis Sonntag aussehen?

Bewerbe ich mich jetzt für einen anständigen Nine-To-Five-Job, mit durchschnittlichem Gehalt und einer – zur Uni vergleichbar – mickrigen Anzahl an Urlaubstagen? Lasse ich endlich alles hinter mir und segel davon, nach Brighton? Oder ziehe ich einfach los in die weite Welt, guck sie mir an und pfeif auf Berliner Möchtegern-Modeszene, auf sämtliches Fashiön Gedöhns und fülle meinen Magen mit geklauten Melonen vom Straßenrand? Oder gehe ich ins Krankenhaus und lass meine drei Hirn-Aneurysmata untersuchen? Bleibe ich vielleicht einfach hier sitzen, in meiner Chaosbude und entwerfe endlich mal meine beiden Modekollektionen, die ich schon seit Ewigkeiten plane? Ist abwarten und Tee trinken die Lösung für alles? Oder doch die 42? Ich könnte ja mal den Stapel Wäsche bügeln. Bringe ich endlich mein Blog auf Vordermann? Schließlich könnte ich meine freie Zeit prima damit füllen, mich der allgemeinen grau-weiß-rosa Bloggeroptik anzupassen und mein Essen von oben zu fotografieren. Die Zeit lässt sich in veganen Hipster-Cafés sicher gut vertrödeln, während man seine Chai Latte im Licht, rechtwinklig zum Tulpenstrauß, zurecht rückt. Und wer weiß schon, auf welche spannenden Start-Up Heinis man so trifft, die alle ebenfalls kein Geld haben – aber dafür vielleicht ein bisschen mehr Leben als die, die sich täglich für viel zu wenig Geld und Wertschätzung in ihren Büros verstecken.
think-positive
Mein dringlichster Plan setzt sich in meinem Kopf ganz automatisch um: Positiv denken. Mir wurde ja schließlich nicht gekündigt. Und für mich ist sicher: Es gibt eh nicht viel in meinem Leben, was mir noch Angst macht.

Die Veränderung nicht, denn Stillstand ist viel schlimmer.
Die Leere nicht, denn ich habe sie bereits gespürt.
Die finanzielle Schwäche nicht, denn damit bin ich groß geworden.
Geld ist so unnötig, wie das neueste Trendteil aus der Zara-Kollektion.
Die Einsamkeit nicht, denn sie ist ein stetiger Begleiter.
Der Neuanfang nicht, denn Anfänge stehen immer vor dem Ende.
Der Hunger nicht, denn irgendwo gibt es immer Sättigung.
Der Verlust von vermeintlichem Fame nicht, denn den hatte ich eh noch nie.
(Ist wahrscheinlich genauso unnütz wie Geld.)

Der Tod nicht, denn mit ihm kann ich leben.

Natürlich gibt es auch Dinge, um die ich mich sorge: Geliebte Menschen. Weltfrieden. Die Verschmutzung der Meere. Gesundheit. Und manchmal ist meine einzige Angst, mutig zu sein. Aber wenn mir etwas keine Angst macht, sind es Änderungen. Ich bin bereit, voller Neugierde und Elan – auf der Suche nach der Antwort auf die Frage wohin mein Weg mich führen wird.

The New Old Fame

Ich bin mit dem Internet aufgewachsen, ich wohne und arbeite im Internet und eigentlich ist für mich in diesem „Neuland“ alles möglich (außer Online-Banking, da bin ich ein echter Spießer, der den Diebstahl seiner 24 Euro auf dem Konto befürchtet). So weit, so gut, das Internet ist toll.
Tage, an denen ich vor mich hin vickietiere und nichts sinnvolles anstellen mag, verbringe ich am liebsten bei Instagram, und auch wenn meine Entdeckung jetzt alles andere als eine Neuigkeit ist, muss ich es doch mal loswerden: Ich bin genervt. Und zwar von dieser scheinbar endlosen Geschichte des Insta-Hypes.

Immer häufiger hat mich in den letzten Wochen das Gefühl beschlichen, dass es für den Insta-„Fame“ als Mädchen gar nicht viel braucht: Sei jung, einigermaßen hübsch (oder gut gefiltert), leb den vegangen #healthyliving Lifestyle, sei ein Fitness-Görl, hab die ein oder andere Markenklamotte vorzuweisen und im Idealfall bunte Haare und Tattoos. Und vor allem: Zeig so viel Haut, wie es deine eigene Moral zulässt! (Ein bisschen mehr ist aber nie schädlich).

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Jedes Mal bin ich verwundert, wenn mich die Laune überkommt ein Selfie hochzuladen, dass das immer die Bilder mit den meisten Likes sind, weil ich tatsächlich lieber Bilder von Tannenbäumen und Segelbooten like. Es ist an dieser Stelle natürlich unfair, sich über etwas zu beschweren, was eigentlich total lieb von meinen Verfolgern & Insta-Freunden ist, und außerdem freue ich mich ja auch über den EgoPush, der zwar niemals länger als einen Bruchteil von Sekunden andauert (jeder Flirt mit Blickkontakt an der Supermarktkasse dauert länger! Trotzdem Danke, haha) aber mein kleines Ego auch wissen lässt, dass ich scheinbar nicht so scheiße aussehe, wie der Spiegel im Bad es behauptet. Lang leben die Filter! (Im schlimmsten Fall auch zwei übereinander)

Dennoch bestaune ich immer wieder, das Like Verhalten von Menschen, die fleißig folgendes doppelt tippen: Da gibt es diese Sorte Mädchen, die entweder jeden Tag das gleiche Gesicht mit der gleichen Schminke und der gleichen Schnute in die Kamera halten (Gääähn!) oder die, die sich mit ihrer bunt bemalten Haut im Schlüppi auf dem Bett rumrollen und dafür einfach tausende Herzchen kassieren.
Ist Insta eigentlich eine geheime Schmuddel-//Schnell-mal-Wichsen-Plattform und ich weiß davon nix? Das Herzchenverhältnis ist zumindest recht ausgeglichen: Sowohl Männer als auch Frauen liken Bilder halbnackter Girls, die sich zwischen ihren immer gleiche Ikea-Betttlaken wälzen. Die Gründe hierfür sind scheinbar simpel: Dem einen gefällts, die andere bewunderts – in welcher Form auch immer. Kommt es nur mir so vor, als würde immer der gleiche Quark die gleiche Aufmerksamkeit abbekommen? Und bin ich die Einzige, die das tierisch langweilt?
Oder bin ich schlichtweg ein missgünstiges Biest, weil ich viel weniger Herzen abbekomme? Nö, ich glaube nicht. Wenn es mich so derart jucken würde, wüsste ich ja was ich zu tun habe; Dann würde ich auch mal meine Schlüppi Sammlung und mein peinliches Intim-Tattoo präsentieren, mit den entsprechenden #hotchicksmittattoosimschlüpper Hashtags versehen und dann würde die Herzchen-Maschine bestimmt schon rattern, aber ich hab keine Lust darauf, die Fickvorstellungen anderer anzuregen, nur um mehr von einem Internet-Hype abzubekommen, der so echt ist, wie die ganze bunte Bilderwelt, die sich so manch einer da bei Insta mühevoll zusammen bastelt. Klar, im Internet ist alles erlaubt, aber wäre es nicht an genau dieser Stelle um einiges schöner, noch mehr Vielseitigkeit abseits der grau-weißen Mainstream Optik zu bejahen? Wäre es. Wollen viele. Macht aber trotzdem kaum jemand. Und wenn, dann muss er bzw. sie dafür halt das ein oder andere virtuelle Herzchen einbüßen – ein Zustand, mit dem es sich natürlich nur schwer leben lässt. Dann doch lieber tagein tagaus Arsch & Titten raus.

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„Die Klickzahlen sind nicht so gut, wir machen diese Woche nur Sex-Themen“, hieß es vor ein paar Wochen an meinem Arbeitsplatz. Also machten wir uns eifrig dran, alle sexy Themen auszupacken, die wir vorzuweisen hatten. Klickzahlen optimiert, alles gut. ‚Sex Sells‘ war einmal, Sex Klicks scheint die Devise unserer Zeit zu sein. „Wir müssen jetzt auch anfangen, Nackt-Selfies zu machen“, lachten eine Freundin und ich neulich vor uns hin – ungewillt eben dies zu tun, weil das ja auch plötzlich irgendwie komisch (und sicher auch ganz schön verzweifelt) rüberkäme. Schließlich sind einige meiner Körperteile für mich Privatsache und solche lustigen Fotos höchstens an jemanden bestimmt, dem ich mit großer Freude die sexy Nacktbitch per Bild gebe –  aber vielleicht sollte ich es einfach mal versuchen und sehen was passiert? Wie ist Euer Sexy-Life auf Instagram? Let me know! :-*