Was mich im Leben nervt: Die Gesellschaft und Liebeskummer.

Als ich heute morgen aufgestanden bin und sich beim Blick aus dem Fenster die Wolken dunkelgrau am Himmel zusammenzogen, dachte ich „heute ist ein guter Tag für ein kräftiges Unwetter“. Für Blitz, Donner und stimmungsuntermalende Regenströme, die ans Fenster prasseln, während ich mit dem Plan das Haus nicht zu verlassen, drinnen sitze und traurige Lieder höre.

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Heute ist außerdem ein guter Tag, um meinem Bananenblatt beim Sterben zu zusehen und zu überlegen, wie es deinem Bananenblatt so geht. Es ist längst tot, richtig? Es ist so tot, wie alles für dich, was je mit mir zu tun hatte.
Heute ist auch ein guter Tag, um dämliche Gedichte zu schreiben.

Und heute ist vielleicht ein guter Tag, um die Wahrheiten in den Zeilen sämtlicher Sad Songs aus meinem Kopf zu löschen.
Heute ist aber auch ein guter Tag, um alle alten Sachen zu verbrennen und die Kaffeemaschine, deren Existenz dir sicher nicht mal mehr bewusst ist, zu verkaufen. Heute ist ein guter Tag für ein gewaltiges Donnerwetter!

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Mit 19 habe ich etwas nicht verstanden: Eine Freundin trennte sich von ihrem Freund, weil deren Beziehung aus tausenderlei Gründen nicht mehr funktionierte. Trotzdem litt sie jahrelang unter der Trennung: Sie liebte ihn noch immer, wusste aber dass es einfach nicht funktioniert. Was meinem Verstand damals so fern war, erscheint mir heute logisch, denn während man sich als verlassener Mensch unter Umständen in Liebeskummer und Selbstmitleid suhlen kann und obendrein noch tröstende Beileidsbekundungen von Freunden und Familie erhält, bekommt man als Beziehungs-Beender lediglich ein Böse Böse – du hast ihn/sie so verletzt direkt ins Herz gestempelt.

Warum sagt eigentlich niemand zu einem Beziehungs-Beender: Hey, Glückwunsch, du hast es geschafft zu erkennen, dass dir etwas ganz gewaltig nicht gut tut, du hast erkannt, dass du dich so verändert, dich so selbst verloren hast, dass du aus dieser Situation raus musst und du hattest den Mut, wohlwissend, dass es furchtbar schmerzhaft sein wird, für dich einzustehen und dich aus einer ungesunden Beziehung zu lösen. Warum sagt niemand: Toll, du bist so viel mehr wert, alsdass deine Bedürfnisse nicht beachtet werden, ausgerechnet von dem Menschen, dem du dein ganzes Herz geschenkt hast ?

Wäre es nicht genau das, was in Zeiten des elendigen Selbstliebe Trends alle einander raten sollten?

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Und warum muss ich mir dann von der Seite, von einem vermeintlichen Freund anhören, dass „ich mich mal nicht so haben soll“, wenn ich über meine komplizierte emotionale Bindung zu meinem Ex-Freund sprechen will? Ist eine Wunde weniger schlimm, wenn man sie sich selbst zufügt? Gestern Abend begann ich also eine sinnlose Diskussion, um die festgefahrene Meinung, dass es mir „besser“ geht, weil ja schließlich ich die Beziehung beendet habe und außerdem jetzt jemand Neuen an meiner Seite weiß. 
Ja, da ist jemand an meiner Seite, jemand der mich aufgefangen hat, jemand der mich hält, mich so vieles lehrt, mich erobert, mich ärgert und nur so semi fähig ist zu kuscheln. Jemand, der auf mich zugeht, offen ist für wagemutige Pläne, spontane Ausflüge und intime Gesprächsthemen. Jemand, den ich mag.

Aber hat das im Umkehrschluss auf meine vergangene Beziehung zu bedeuten, dass die Trennung für mich automatisch viel leichter ist? Nein!
Wer hat bloß diese kuriose Idee in die Köpfe der Menschen gepflanzt? Und seit wann geht es nach Trennungen darum, wem es hinterher „besser“ geht? Beziehungsenden als Ego-Show? Nein Danke!!!

Viel zu oft lag ich Nachts heulend auf dem kalten Küchenboden, voller Selbstzweifel ob getroffene Entscheidungen richtig oder falsch waren, ob ich richtig oder falsch bin, oder gar Polyamor. Vielleicht bin ich Polyamor, vielleicht aber auch nicht. Was ich sicher weiß ist, dass Polyamorie in der Gesellschaft ein missverstandenes Thema ist und ich viele gesellschaftliche Konstrukte mittlerweile so richtig scheiße finde und da absolut keinen Bock mehr drauf habe.

Nur weil irgendwo, irgendwann, irgendwer mal beschlossen hat, wie die Dinge sein sollen.

Wer hat jemals bestimmt, dass man nur einen Menschen in seinem Leben lieben und mit ihm/ihr seine ganze Lebenszeit verbringen sollte?
Wer hat jemals festgelegt, dass mit dem Ende einer Beziehung auch automatisch auch sämtliche Gefühle für einen Menschen enden?
Wer hat jemals bestimmt, dass sowohl Frauen als auch Männer sexy oder klug sind, wieso dürfen wir nicht jeder einfach alles sein? Schön und schlau, dazu noch interessiert, mitfühlend, wehleidig und stark zugleich? Egal mit welchem Geschlecht, Glauben und Gewicht?
Wer hat jemals die hässliche Behauptung aufgestellt, dass hängende Brüste unerotisch sind?

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Wenn ich Lust habe, meine Weiblichkeit zu leben, dann mach ich das auch. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass ich nicht noch 1000 andere Fähigkeiten und Interessen habe.

Die (also meine!) Wahrheit ist doch die: Alle Brüste hängen, das ist natürlich. Und des Weiteren es ist eine wunderbare Fähigkeit, mehreren Menschen und unseren Brüsten Liebe und Zuwendung schenken zu können! Was soll dieses nicht endende Schwarz-Weiß-Sehen in einer Welt voller bunter Farben? Wirklich, ich ertrag das nicht mehr!

Jeder von uns kämpft so hart mit sich, da braucht niemand soziale Kontakte, die einen noch mehr runter ziehen. Notiz an mich selbst: Verbringe deine Zeit lieber mit Menschen, die dich stärken.
Mich nervt diese Gesellschaft, die nicht differenzieren kann, wie vielfältig die Dinge sind, wie viele kleine komplexe Universen in jedem einzelnen von uns stecken und dass der Großteil der Dinge einfach mehr ist, als ein „Jetzt hab dich mal nicht so“. Warum sollte ich es mir verwehren glücklich zu sein, wenn es gerade möglich ist und warum sollte ich nicht glücklich und traurig zugleich sein dürfen? 

Liebe Gesellschaft, ich will an dieser Stelle mal meine Weltanschauung kundtun: Ein Mensch ist mehr als eine Charaktereigenschaft, hat mehr als ein Talent und mehr als ein Gefühl. Alles hat seinen Platz und nichts ist richtig oder falsch, besser oder schlechter. Es liegt nun mal an uns Menschen, dass wir verschieden sind. Es ist vollkommen egal ob wir monogam, polygam, verliebt, verzweifelt, verwirrt, irgendwas zwischen alldem, all das gleichzeitig oder schlichtweg zufrieden mit uns selbst sind – es ist wie es ist und es ist völlig okay!
Das Einzige was nicht okay ist, ist die Tatsache, dass man dies auch im Jahr 2017 immer noch erklären und immer wieder betonen muss.

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Life Update 6/17: Grandios gescheitert

Dies ist eine Geschichte, die ich nicht unbedingt gerne erzählen mag, wer redet schon gern über Niederlagen? Aber da ich sehr wohl weiß, dass es schlimmere Dinge auf der Welt und in meinem Leben gibt, kommt sie an dieser Stelle doch:

Heute vor einer Woche, gleich ganz früh morgens (wahrscheinlich zu früh!), habe ich etwas sehr Dummes getan. Es wäre lustig, wenn es nicht so tragisch wäre. Ich hatte meine praktische Führerscheinprüfung. Und bin dabei grandios gescheitert.
Angabe auf dem Prüfungsprotokoll: Prüfungsdauer 9.15 Uhr bis 9.17 Uhr. Bumm!
Gleich beim Verlassen des Dekra-Geländes habe ich laut Prüfschein die Sache mit der Vorfahrt vermasselt (darüber lässt sich diskutieren, ich habe schließlich gewartet bis die Verkehrsteilnehmer mit Vorfahrt weg waren und konnte auch nichts dafür, dass da jemand aus dem Nichts plötzlich sehr schnell angerast kam) und „durfte“ also neben meinem völlig entsetzt aussehenden Fahrlehrer schnurstracks zurück auf den Dekra Hof fahren. Als ich um 10.49 Uhr wieder Zuhause war, hab ich mir erstmal ein Gössi hintergekippt. Ich bin noch nie in meinem Leben durch eine Prüfung gefallen.

Ich hatte schon geahnt, dass ich es eh vermasseln werde, jedoch den Fehler, der für’s Nicht-Bestehen sorgt, eher an einer schaltenden Ampel oder einem verkorksten Spurwechsel (in Berlin lässt sich aufgrund fehlender Fahrbahnmarkierungen leider nicht so leicht erkennen, wie viele Spuren manche Fahrbahn hat) vermutet. Aber nicht sofort an dieser Stelle. Wie erwähnt: Eigentlich wäre es fast ein bisschen lustig, so richtig richtig dumm durch die Prüfung zu rasseln (Wenn schon, denn schon!“), wenn ich mich nicht so machtlos, so ohne die wirkliche Chance es überhaupt probiert haben zu können, fühlen würde. 
Nach meinem 10.49 Uhr-Trost-Gössi fuhr ich zu meinen lieben Freunden in den Garten, gestand dort ein wenig geknickt mein Versagen und vertrödelte mir den Tag. So weit so gut. Dinge passieren, kein Weltuntergang.

Letzten Freitag durfte ich dann wieder -natürlich äußerst motiviert- in der Fahrschule zu meiner wohl 1 Millionsten Fahrstunde antanzen. Was am Ende folgte, war Genörgel von meinem Fahrlehrer, den ich mittlerweile leider nur noch als ‚Arsch‘ klassifizieren kann, dass ich bei der erneuten Übungsrunde „alles falsch“ gemacht habe, viel zu ängstlich bin und er mich sowieso in der nächsten Zeit nicht zu einer erneuten Prüfung anmelden wird. Stattdessen hat er mir lieber noch viele neue Fahrstundentermine reingedrückt, die ich mir finanziell gar nicht leisten kann. Und auch gar nicht leisten will. Man kann sein spärliches Geld tatsächlich in viele bessere Dinge investieren, als für das Gefühl ein kompletter Versager zu sein. Den Rest des Tages saß ich mit einem Nervenzusammenbruch apatisch den ganzen Tag zuhause an der gleichen Stelle rum, wollte nicht reden, nicht essen, am liebsten wollte ich nicht mehr sein. (Soviel zum Thema Suicide is over ) Ich hatte wirklich den Gedanken, lieber tot sein zu wollen, als diesem Herrn R. noch einen einzigen weiteren Euro in seinen blöden Fahrlehrer-Rachen zu werfen.

Seit meinem Mental Breakdown am Freitag fühle ich mich leer. Leer und ratlos. Unwissend, wie es nun weitergehen soll. Schmeiß‘ ich die Fahrschule? Oder hilft vielleicht einfach ein Wechsel? Ich weiß es nicht, ich sag ja: Leer und ratlos. Eigentlich hatte ich gehofft, mal wieder ein fröhliches Life Update schreiben zu können, denn wenn es diesen belastenden Punkt Fahrschule in meinem Leben nicht gäbe, wäre es eigentlich ganz schön. Zumindest mit lösbaren Problemen. Die Fahrschule hingegen macht mich nur völlig machtlos, sie lähmt mich. Ich weiß, was ich kann, aber ständig Kritik und das Gegenteil von Vertrauen zu erfahren ist ein Zustand, den ich beim allerbesten Willen nicht länger aushalte.

Mein Gott, es geht hier ums Autofahren, das ist doch nicht so schwer denkt vielleicht der ein oder andere von Euch jetzt. Ja, das stimmt. Ich finde Autofahren auch ganz spaßig. Ohne strenge Beobachtung und Bewertung. Ohne dass mir jemand erzählt, was mein vermeintliches Problem ist. Sondern mit Vertrauen in meine Fähigkeiten.

wer-nicht-kämpft-hat-schon-verlorenSo eine dieser schnöden Lebensweisheiten, an denen ja auch immer ein bisschen was Wahres dran ist. Allerdings kam ich am Freitag nicht umher, mich zu fragen, ob es einen Punkt gibt, an dem man einfach einsehen sollte, dass manche Schlachten nicht zu gewinnen sind? Wie viel Sinn es macht, im Leben Tag für Tag für Tag zu kämpfen und dennoch nichts zu gewinnen? Ob es manchmal besser ist aufzugeben, um sich selbst nicht noch mehr zu schaden?

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Meine Eltern haben mir beigebracht, Dinge durchzuziehen, die Zähne zusammen beißen, nicht jammern, schön auf das hören, was Erwachsene oder Autoritätspersonen zu sagen haben. Und mitten in meinem Nervenzusammenbruch kam die große Erkenntnis: Ich bin auch ein Erwachsener! Und ich als erwachsener Mensch würde mir wohl selber raten, es sein zu lassen.

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Ich kann die Welt auch mit dem Fahrrad bereisen.
Auto fahren ist so scheiß unnötig. Und umweltbelastend. Ja, ich bin ein gottverdammter Öko, was das angeht.
Ich habe nicht einen Monat im künstlichen Koma überlebt, um mich von diesem Scheiß fertig machen zu lassen.
Ich könnte mir von meinem bisschen gesparten Restgeld ein Tattoo stechen zu lassen, ein Flugticket nach Brighton zu kaufen oder neue Schuhe, weil meine schon auseinander fallen.
Ich könnte ein glückliches Leben zu führen, ganz ohne Führerschein. Den brauche ich dafür nämlich nicht.

Morgen habe ich wieder Fahrschule.

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Wie ich nach einem Mental Breakdown nicht aussehe.

 

SUICIDE IS OVER

Es ist Montag, gleiche Zeit, gleicher Ort, wir sitzen da, einander gegenüber. Ich weiß nicht wohin ich gucken soll und spiele wie immer mit dem Zopfgummi an meinem Handgelenk. 
Sie erklärt irgendwas, was ich wie so häufig nicht recht verstehen mag und verloren in der Überlegung, wie sich so viel geistiger Input in eine kleine Stunde packen lässt, sagt sie ganz Beiläufig so etwas wie „Bravo, Sie hängen kaum noch an Ihren suizidalen Gedanken.“ Unsicher, ob sie da gerade Glückwunsch oder Bravo gesagt hat – schrecke ich erst bei suizidal aus meiner Gedankenwirbelei hoch und nehme wieder mit Interesse an dieser Unterhaltung teil. Suizidale Gedanken. Aha.

Sie grinst vorsichtig, so als wäre sie ein bisschen stolz und vielleicht gibt sie sich gerade ein innerliches High Five dafür, dass sie ihren Job richtig gemacht hat. Moment, Moment!  Suizid? Ich bin verwirrt. Und empört! Ich hatte niemals vor, einen Selbstmord zu begehen. Schon gar nicht jetzt, wo mich das Leben von einem schrägen Erlebnis zum nächsten taumeln lässt und meine kleine Welt mehr denn je auf den Kopf stellt.
Nachdem ich mich also kurz empört habe, rudert sie ein wenig zurück. ‚Das ist doch nur das Zeichen dafür, dass Sie dem Leben wieder näher kommen, weil Sie zuvor immer zu sehr auf der Seite des Todes rumhingen‘, erklärt sie. ‚Der Tod ist eben ein netter Homie, auf den ist Verlass. Bei dem einen früher, bei dem anderen später, auf jeden Fall treffen wir ihn alle irgendwann und er bleibt für immer‘, gebe ich zurück. Sie guckt mich entgeistert an und starrt dann aus dem Fenster.

Ist es denn so verwerflich, sich über den Tod Gedanken zu machen? Was ist so schlimm daran, sich damit auseinander zu setzen, dass das eigene Sein auch mal enden wird? Dass Alles irgendwann endet? 



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Schon in der Grundschule bekam ich Ärger, weil ich nicht wie alle anderen Kinder brav ein Gedicht über bunte Blumen schrieb, sondern über Rosen an einem Grab (sind doch auch Blumen!) und das Todesthema beschäftigte mich von der Kindheit, über das künstliche Koma hinweg bis zu meiner Abschlussarbeit in der Uni.

Wer keine Angst vor dem Tod hat, lebt nicht richtig, zitiert meine Therapeutin fleißig eines dieser pseudo-klugen Sprichwörter. Ich hatte nie Angst vor dem Tod. Nur keine Lust darauf, tot zu sein. Aber vielleicht ist etwas Wahres dran, dass meine intensive Beschäftigung mit dieser Form der Endgültigkeit mich tatsächlich mehr vom Leben abgehalten hat, als ich bisher dachte. Oh je.

Mein Leben ist gerade fernab von perfekt: Ich habe weder Job, noch Geld, noch sind alle Wunden verheilt, die mir die Vergangenheit zugefügt hat. Mein Kopf ist voll und gleichzeitig leer, aber ich bin mit so vielen Dingen beschäftigt, dass ich tatsächlich kaum noch dazu komme, mich in der ewigen Grübelei über das Ende meiner Existenz zu verlieren. Ich atme und denke und fühle. Vor allem dieses Fühlen ist eine der schwierigsten Aufgaben. Aber ich übe: Ich lasse zu, was schön sein kann. Ich wehre mich gegen das, was mir nicht gut tut. Ich finde mich selber mutig. Noch nicht schön oder stolz, aber mutig. Ich wachse. Stück für Stück. Und das fühlt sich irgendwie ganz gut an.

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Klar, es gibt neben den wachsenden Positiv-Momenten auch noch viel negtiven Bullshit, der mich immer wieder auf den harten Boden der Realität zurück wirft, aber zumindest befinde ich mich gerade in einer ziemlich intensiven Zeit. Sie ist Erkenntnis- und Lehrreich, aufregend, turbolent, manchmal laut, manchmal ganz ruhig und erstaunlich faszinierend. Ich habe mir schon so oft vorgenommen, ‚jetzt einfach mal zu leben‘, aber meist klemmte ich in den ewig gleichen Mustern fest, planlos von all den Möglichkeiten und Gegebenheiten und dieser Vielzahl an kleinen Dingen, die so ein Leben so richtig lebenswert machen. Statt alles in und von meinem Kopf bestimmen zu lassen, werde ich immer besser darin, die leise Stimme meines Herzens zu erhören (Okay, jetzt klingt es ziemlich esoterisch, sorry!) und mich auf dieses leichte Herzklopfen einzulassen.

Ich hab‘ nämlich keine Lust mehr mich wie Gemüse zu fühlen – ich will erleben, erfahren, Momente sammeln, Bilder an die Wände meines Herzens kleben und einfach alles aufsaugen, was mir begegnet. Meine Therapeutin hat also ein bisschen Recht: Ich habe das Gefühl zur Zeit ziemlich lebendig zu sein. Mein Abstand zum Sterben hat sich vergrößert.

Outfit: Right Back At It Again

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Wirklich, so richtig über alles. Musik rettet mir das Leben. Musik macht mein Dasein erst zum Leben. Und es gibt viele viele Bands, die ich richtig mag. Eine davon begleitet mich schon seit Jahren, so seit 2007 etwa. Damals noch so etwas ein Geheimtip unter Post-Hardcore Fans, feierte ich in der Zeit meines jungen Erwachsenen Daseins -gerade in meine erste eigene Wohnung gezogen, erste ernste Beziehung kaputt- das bereits 2005 veröffentlichte Album ‚And Their Name was Treason‘ von A Day To Remember. Darin steckten für mich ganze Gefühlswelten, aber auch jede Menge Power um die damals so groß erscheinenden Probleme durchzustehen. Die großen Probleme von damals wirken heute irgendwie weniger schlimm, aber so ist das mit dem Leben: Man kämpft sich durch Miserien und macht weiter, lebt weiter.
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Trotz gebrochener Herzen ging es also weiter und mein musikalischer Lebensbegleiter A Day To Remember blieb. Auch als ich einen Typen nach dem ersten Typen küsste und auch dann, als ein Dritter dazu kam und für Jahre blieb. Wir die Musik gemeinsam feierten. Und er sogar dafür sorgte, dass die Band mir höchstpersönlich ein kleines Aufmunterungspaket mit signierten CDs und Postern zukommen ließ, als ich im Koma lag. Sogar da habe ich also A Day To Remember ‚gehört‘. Ist wohl an dieser Stelle unnötig zu erwähnen, dass mir diese Band sehr viel bedeutet, oder?

Und vielleicht ist es meine geheime Voraussetzung für einen potentiellen Partner: Er muss A Day To Remember mögen, sonst läuft mit mir gar nichts! Ich scherze, allerdings ist es schon irgendwie verrückt, dass jeder Mann, den ich mag eben auch ADTR mag.
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So und nun kommen wir zu einem großen Problem: Ich bin fast zehn Jahre älter, als in meinen ADTR-Anfängen und natürlich hat sich viel geändert. Zum einen ein wenig mein Musikgeschmack (aber Post-Hardcore geht immer noch!), zum anderen auch ein wenig der Stil der Band. Ich mag das neue Album nicht. Mist. Und heute gehe ich zum Konzert, was der eigentliche Grund ist, warum ich an dieser Stelle mein Outfit mit Band-Shirt und Netzstrumpfhose zeige.

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Denn die Netzstrumpfhose-Tube-Socks-Kombi kommt eigentlich aus dem nicht allzu weit vom Hardcore entfernten Punk!
Na gut, in richtiger Reihenfolge, eigentlich ist die Netzstrumpfhose ja ein ziemlich altes Kleidungsstück: „Ganz ursprünglich wurden Netzstrumpfhosen nur von zwielichtigen Frauen in dunklen Kaschemmen getragen, in den zwanziger Jahren wurden sie von furchtlosen Moderevolutionärinnen ans Tageslicht gezerrt„, heißt es in Nina Garcias Buch Der perfekte Kleiderschrank. Dann kam Modeikone Marlene Dietrich, die nicht nur die Hose an sich für Frauen salonfähig machte, sondern auch die sündige Strumpfhose in ein Fashion Piece verwandelte. S
upermodel Twiggy sorgte dafür, dass die Netzstrümpfe auch in den 60er Jahren angesagt blieben und ein Jahrzehnt später machte Vivienne Westwood die Netzstrumpfhose zum ikonischen Fashion-Statement der Londoner Punk-Ära. Ebenfalls zu erwähnen wären da auch die zahlreichen 90er Jahre Bühnen- und Videolooks von Madonna, die sogar bei Madame Tussauds in Fishnets verewigt wurde.

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Und jetzt hat der geschichtsträchtige Hauch von Nichts ganz Instagram und die Beine moderner Modemädchen  zurück erobert – wer mir da folgt, hat sicherlich mitbekommen, wie mich die ganzen Modeopfer mit ihren Netzstrumpfhosen bei der Fashion Week belustigt haben.
Aber so ist es nunmal, ähnlich wie das Bandshirt oder diverse Schuhe (Vans, Doc Martens etc.) erleben Stücke aus Subkulturen immer wieder einen Diebstahl von besonders ambitionierten Fashion-Girls und somit ihr zyklisches Comeback in der Mode. Ich finde den gegenwärtigen Trend ziemlich nervig, aber ich weiß: Er ist ein bisschen wie Herzschmerz, er geht irgendwann (irgendwann!) vorbei.
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Ich könnte an dieser Stelle noch weit weit ausschweifen und über Musik, Jugendkulturen, Mode und natürlich Herzschmerz sinnieren, stattdessen geht’s gleich auf zum Konzert. Musik an, Welt aus! Und wer weiß, vielleicht spielen A Day To Remember ja auch ein paar der guten alten Lieder – perfekt um in Erinnerungen und Herzschmerz zu schwelgen…

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Hell is what you make it

Es ist Freitagabend und die Bahn bummelt sich durch die Dunkelheit. Drinnen saßen stehend Leute, schweigend ins Gespärch vertieft. Und mittendrin ich. Mit müden Augen,  geblendet vom viel zu grellen Kunstlicht, verliere ich mich in den draußen vorbeiziehenden Lichtern, ach könnte die Bahn doch ewig vor sich hin fahren… In der Tiefe meiner Gedanken krame ich nach dem Problem. Die Lösung ist mir schleierhaft, genau wie der Weg. Der Weg nach Nirgendwo, weg von dir, zumindest dieser Teil der Route ist sicher.

Jonny ist mit mir und ich weiß, dass wir gemeinsam einsam einen wunderbaren Abend haben werden, einen dieser vielen Abende, an denen ich einfach nur stundenlang auf dem Bett liege und die Decke anstarre. Seine Stimme dringt tief in meine Ohren, in meinem ganzen Körper breitet er sich aus – so wie sonst nur du dich darin ausbreiten konntest und gemeinsam liegen wir da, Stunde um Stunde und warten, dass es Hell wird. Doch es bleibt Dunkel. Für jetzt, vielleicht für immer, wer weiß das schon.

Zeit haben. Und Geld. Was für ein trauriger Luxus. 
Was wohl der wahrgewordene Traum aller Leute ist, die mir spontan so in den Sinn kommen, ist mein blanker Horror. Stürzt mich in das böse, dunkle Loch. 
Denn was bringen schon Zeit und das liebe Geld?
 Wenn Du nicht einfach losreisen kannst, abhauen, davonziehen? Loslassen. Einfach so, einfach weg, so wie ich von dir gegangen bin. Weil einfach alles zu viel war. Too Close To Touch. 

Was bringen dir Zeit und das liebe Geld, wenn Du sämtliche Konsumgüter einfach nur als Belastung, als überflüssigen Müll empfindest, von dem Du weißt, dass der Kauf deine innere Leere nicht zu füllen vermag? 

Was bringt jede Menge Geld, das du hast und das nicht auf deinem Konto liegt?

Was bringt dir die Zeit, wenn sie sich unendlich und leer anfühlt?

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Unendlich und leer. So viele Zeilen, so viele Stunden. Er singt immer noch. Flüstert mir seine Weisheiten ins Ohr. Und ich bin verloren. So fucking verloren, inmitten all dem Chaos der sich ständig drehenden Welt.

Früher war es so leicht zu wissen wo mein Platz ist. 
Immer auf der anderen Seite. 
Später dann immer an deiner Seite. 
Und heute, heute warte ich nur auf einen weiteren sinnfreien Ratschlag von dir, irgendetwas über mein Leben, was ich selbst schon längst weiß -Dankeschön- und mir niemand mehr sagen muss. Doch stattdessen kommt nur die Ansage der Endhaltestelle; Aussteigen ist angesagt und manchmal sogar doch leichter als man denkt.

Auf dem Heimweg raube ich einen Späti aus, gehe mit mehr raus als ich rein gekommen bin und fühle mich furchtbar schlecht. Schaffe es irgendwie nach Hause, wo ich aufs Bett falle und Jonny, er ist immer noch da, in meinen Ohren, er breitet sich in meinem ganzem Körper aus, so wie sonst nur Du dich darin ausbreiten konntest und während er singt und singt und mich die Dunkelheit fest in ihre Arme nimmt, weiß ich: Dein Neid auf meine Freiheit ist nicht mein Problem.

WochenRückblickDings 22 & 23

Es gibt so Zeiten im Leben, die sind gleich ein ganzes Universum von Welten wie ‚Leicht‘ oder ‚Glücklich‘ entfernt. Deshalb habe ich lange überlegt, ob ich mir zur Zeit noch WochenRückblicken widme oder nicht – schließlich weiß ich selbst am Besten was in meinem Leben gerade los ist. Dass es über mir einstürzt. Beziehungen zu Bruch gehen, unsichtbare Bänder sich lösen, Dinge sich radikal verändern; Enden – und ich mittendrin knie, völlig verloren in meinem eigenen Chaos. Irgendwo zwischen heulend am Straßenrand, stillschweigend die Wand anstarrend und betrunken lachend und ohne T-Shirt auf einer Party.
Es tut weh, sage ich. Es tut richtig, richtig weh.Ja, der Schmerz lässt dich spüren, dass du lebst, oder?!, erwidert sie und lacht mitleidig. Weil sie weiß, dass Schmerz vergeht. Vielleicht und irgendwann. Aber davon bin ich mindestens noch ein weiteres Universum entfernt… Unwissend, warum nun ausgerechnet Schmerz der Preis für das Gefühl von ‚Leben‘ sein soll.

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Was war los: Meine Sommerpause begann mit einem Regentag, an dem ich einen Flüchtling kennenlernte und mich hinterher darüber ärgerte, dass ich nicht viel mehr mit ihm geredet habe. An diesem Regentag habe ich einem völlig durchnässten Hilfebedürftigem meinen kaputten Schirm geschenkt und mich den ganzen Tag über die Dankbarkeit in seinen Augen gefreut. Ich war beim Tätowierer. Und bin nach Hamburg gefahren, der Zug hat 5,5 Stunden gebraucht. Als ich wiederkam war ich nur noch ein Geist. Ich wurde liebevoll aufgefangen, habe viel zu viel und viel zu oft getrunken und als es schon irgendwie nicht mehr schlimmer kommen konnte, schlug mich eine Ansammlung gemeiner Worte zusammen. Ich war Teil einer Umzugsaktion, die von Spaß und Girlpower nur strozte, dennoch überkam mich alle paar Minuten die bloße Angst vor meiner eigenen Zukunft. Und dennoch schafften wir es gemeinsam, uns bei jedem Lied im Umzugsmobil aufzuraffen und den Spaß im Moment zu finden. As long as the music is loud, we won’t hear the world falling apart… Spaß in Momenten, ja darauf läuft mein Leben gerade hinaus. Kurze Augenblicke, Bruchteile, Nichts, was das Universum jemals wahrnehmen würde. Belanglosigkeiten, die mich vor Schlimmeren bewahren. Am Wochenende war ich in Wolfsburg und wie in einer anderen Welt, fernab von Traurigkeit und stetigen Grübeleien. Ablenken, Machen, ein bisschen Blöd sein. Für den Moment, dem das trügerische Gefühl von Freiheit und Leichtigkeit aus der Ferne hinterherwinkt, wohlwissend, dass Zuhause eh alles beim Alten-Neuen ist. Begleitet von der stetigen Ahnungslosigkeit, wie ich mit der neuen Situation umzugehen habe. 
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Gerettet: Hat mich das Album Headspace von Issues. Auch wenn es eigentlich ganz andere Geschichten thematisiert als meine, steckt gerade mein ganzes Leben in diesem Album. Da ist kein Song, den ich nicht mag und in jeder Zeile bin irgendwo ich. Und es vergeht so gut wie keine Minute, in denen es nicht in meinen Ohren ist. Tyler Carter rettet mir gerade das Leben. ❤

Auf dem Plan: Am kommenden Mittwoch Abend wollte ich endlich endlich Palisades live in London sehen. Und Slaves. Slaves haben sich aber vor einigen Wochen getrennt. Der nervige Irrwitz ist allerdings, dass Slaves laut Ticket jetzt spielen und Palisades nicht. Auf Nachfragen, Nachrichten und Mails haben bisher weder Band noch Management geantwortet. Ich verstehe nicht, was daran so schwer ist Tour-Daten zu updaten, wenn man jeden Tag auf den sozialen Kanälen aktiv ist. Das regt mich wirklich auf. Aber ich bin auch voller Vorfreude, darauf hier weg zu kommen (egal wer da nun auf der Bühne steht) und neue Welten zu erobern. Wer weiß schon, was das Universum in London zu bieten hat… Home soon.
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The Fall

Ich weiß nicht, ob irgendwo unter Euch jemand ist, der das deprimierende Gefühl kennt, dass das Einzige was man an einem Tag erfolgreich geschafft hat ist, sich die Fingernädel zu lackieren.
Das ungute Gefühl, dass man trotz aller Zeit, aller Freiheit und Möglichkeiten nichts schafft und es auch total egal ist, ob irgendwas geschafft wird oder eben nicht. Ob es eine Rolle spielt, dass man überhaupt da ist oder ob sich die Welt nicht genauso gut auch ohne einen weiter dreht.
Die Welt um mich herum rauscht, dreht sich und kreiselt, während ich seit Wochen an der selben Stelle trete. Seit Wochen tanze ich gefährlich nahe am Rande eines großen, brodelnden Depressions-Vulkans und mit jedem neuen Tag fürchte ich den Fall. Hinein.

Ich halte die Beziehungen zu einigen Menschen um mich herum für völlig unecht, hinterfrage Freundschaften und mich selbst und hasse das Internet. Ich kann es einfach nicht mehr sehen, wie vermeintlich toll und erfolgreich und glücklich andere Menschen sind, denen ich ähnliche Gefühlszustände wie mir selbst zutraue. Jeder ist unsicher und ängstlich – und doch fehlt mir etwas, das bei dem Großteil der „Gesellschaft“ noch vorhanden ist: Antrieb. Die Motivation die Welt nicht wissen zu lassen, mit welchen Sorgen jeder Einzelne sich plagt. Und ich glaube, wir alle sind ziemlich gut darin. Lächeln für’s Foto, lachen für die Freunde. Da sein. Und sich nichts anmerken lassen. Damit bloß keiner merkt, wie es wirklich ins uns aussieht.

Damit bloß keiner von deinen, in diesem Fall von meinen, dunkelsten Gedanken erfährt. Was sollen die, die so toll sind und sich so toll fühlen oder zumindest hart dafür kämpfen von anderen als toll angesehen zu werden, auch antworten, wenn ich sage, was ich fühle, dass ich ein großes dummes Nichts fühle, während gleichzeitig alle meine Gefühle auf mich einstürzen. Was sollen sie entgegnen, wenn ich sage, dass wir irgendwann sowieso alle sterben, dass das Leben ein einziger unnötiger (und unfassbar kurzer) zeitlicher Abschnitt in einem Universum ist, das sich eh irgendwann zusammenzieht und – je nach Auffassung – im-oder explodiert oder gar von einem schwarzen Loch gefressen wird. Wenn ich sage, dass das leider alles so Unsinnig und Nutzlos ist und ich nicht verstehe, warum ich eigentlich überhaupt hier bin und nichts weiß was ich mit meinem einzigen Leben anfangen soll?
Selbst meine Therapeutin konnte an dieser Stelle keinen klugen Gedanken hervorbringen, außer mich wissen zu lassen, dass das ein „sehr depressiver Gedanke“ sei.

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Depression. Da bin ich also angekommen, nach Schule, Ausbildung und Studium? Weil ich jetzt dastehe, mit einer Fernbeziehung und ohne einen festen Job, der mich mit viel zu viel Arbeit von meinem Leben ablenkt? Depressiv, weil ich jetzt Zeit habe, alles zu überdenken und – gegebenenfalls – neu zu ordnen. Die Freiheit, die ich mir immer gewünscht habe, führt mich jetzt also in ein schwarzes Loch, das immer größer wird und mich zu fressen droht?
Ein unverschämtes Loch, das mich lähmt, meine Arme so kraftlos und schwer sein lässt und mein Inneres so leer? Das mich dazu veranlasst, das ich kaum mehr schaffe als mich im Bad einzuschließen und meine traurigsten Lieder zu singen?

Manchmal muss man wohl erst ganz unten ankommen, um den Boden der Tatsachen wieder unter den Füßen zu spüren. Das Gute daran ist, dass es dann 1. nur wieder ’nach oben‘ gehen kann und 2. man auf dem Boden, auf dem man angekommen ist, wieder etwas aufbauen kann.

Da stehe ich also, am Rande des Vulkans. Wanke ewig hin und her und warte. Auf den Fall.